In Bremerhaven ist Prostitution in der Lessingstraße gestattet, nicht aber das Anwerben auf der Rickmersstraße. Foto: Lothar Scheschonka
In Bremerhaven ist Prostitution in der Lessingstraße gestattet, nicht aber das Anwerben auf der Rickmersstraße. Foto: Lothar Scheschonka
Auf Kundenfang

Prostitution in Bremerhaven: Polizei geht gegen Frauen im Sperrbezirk vor

30.07.2026

Vor mehr als zehn Jahren sollte der Sperrbezirk den Straßenstrich in Bremerhaven eindämmen. Doch nun häufen sich wieder Berichte über Prostituierte, die Männer auf der Rickmersstraße ansprechen. Anwohner fühlen sich an frühere Zustände erinnert.

Männer kommen von der Arbeit in Bremerhaven, wollen zum geparkten Wagen, der in den Wohnstraßen steht, oder zum Bus. Neuerdings werden sie dann öfter auf der Rickmersstraße von leicht bekleideten Frauen angesprochen - Prostituierte auf Kundenfang. Darauf hat nicht jeder Lust.

Wer in den 1980er Jahren gelebt hat, kennt den Begriff des "Skandals im Sperrbezirk" und kann sogar die Telefonnummer einer fiktiven Prostituierten namens Rosi aus München 45 Jahre noch später auswendig aufsagen.

Auch Bremerhaven ist seit 2014 ein Sperrbezirk, in dem Prostitution verboten ist - mit Ausnahme der Lessingstraße zwischen Hafenstraße und der Potsdamer Straße.

Polizei spricht des Öfteren Verbote aus

Dass die Prostituierten vermehrt außerhalb der Zone gesichtet werden, werten Kritiker als Zeichen für den Verfall des Quartiers, begleitet von Dreck und Unrat auf den Straßen. Erinnerungen an frühere Zeiten werden wach.

Dem Fachkommissariat der Kriminalpolizei Bremerhaven ist die Situation bekannt. "Offenbar halten sich vereinzelnd die Damen nicht an die gesetzliche Regelung", erklärt ein Polizeisprecher.

Man gehe dagegen vor. Konkret werden "die Damen bei Verdacht der verbotenen Prostitution nach entsprechenden Aufklärungsgesprächen durch die Polizei des Ortes verwiesen", heißt es weiter. Manchmal würden auch Ordnungswidrigkeitsanzeigen gefertigt - laut Bundesgesetz können diese zwischen fünf und 1000 Euro liegen und richten sich nach dem wirtschaftlichen Vorteil aus der Tat.

1981: Thailänderinnen "bereichern" die Dirnenszene

Doch: "Es ist nicht immer zu zweifelsfrei zu beweisen, dass die Frauen außerhalb des zugelassenen Bereichs der Prostitution nachgehen, auch wenn der Verdacht besteht", so der Sprecher. Den Frauen im Milieu werden aber durch die Polizei auch in Gesprächen und mittels Flyern Beratungsangebote unterbreitet.

Die Rickmersstraße in Bremerhaven taucht im Archiv der Nordsee-Zeitung wiederholt im Zusammenhang mit Prostitution auf. 1981 wird erwähnt, dass 38 thailändische Frauen seit einem Jahr die "Dirnenszene in der Lessing- und Rickmersstraße bereichern".

Ein Bericht von 1997 blickt zurück und beschreibt, wie das Problem des Straßenstrichs um 1990 begann. Drogenabhängige Frauen boten ihre Dienste zunächst auf einem Parkplatz "zwischen Lessing- und Rickmersstraße" an, bevor sie in andere Straßen abwanderten.

Schlagzeilen um Straßenstrich in der Van-Heukelum-Straße

2008 wird der Rotlichtbezirk als ein Gebiet "rings um Rickmersstraße, Van-Heukelum-Straße und Lessingstraße" bezeichnet. Der Straßenstrich in der Van-Heukelum-Straße machte 2010 Schlagzeilen: Anwohner berichteten von organisierter Prostitution im Schichtbetrieb, die bereits mittags begann und von Zuhältern kontrolliert wurde.

Als Reaktion auf die unhaltbaren Zustände wurde nach langen politischen Debatten im März 2014 ein stadtweiter Sperrbezirk für die Straßenprostitution erlassen.

Einzige Ausnahme blieb die Lessingstraße. Diese Maßnahme zeigte laut Archivberichten Wirkung: Der Straßenstrich in der Van-Heukelum-Straße verschwand, ohne dass es zu einer befürchteten großflächigen Verlagerung in andere Stadtteile kam.

Gerichtsprozess offenbart: Miete für die Koberfenster zu teuer

Aber: Vereinzelt tauchten Prostituierte an Bushaltestellen in der Rickmersstraße oder in der Barkhausenstraße auf. Laut Berichten vom Juli und September 2014 wurden "immer wieder leicht bekleidete Frauen an Bushaltestellen in der Rickmersstraße" gesichtet, die dort offensichtlich auf Freier warteten. Die Polizei ging auch schon vor über zehn Jahren gegen diese Fälle vor.

Ein anderer Bericht gibt Hinweise auf mögliche Gründe: Im Zuge eines Gerichtsprozesses sagte ein Zeuge aus, dass Prostituierte Anfang 2016, nachdem sie sich die Miete für die Koberfenster nicht mehr leisten konnten, auf die Straße geschickt wurden. Er habe sie dabei auch "an Bushaltestellen auf der Rickmersstraße anschaffen sehen".

Im selben Jahr gab es zudem Befürchtungen, dass in leer stehenden Läden in der Rickmersstraße neue Bordelle entstehen könnten, weshalb die Stadt mit einem Bebauungsplan die Ausweitung des Rotlichtmilieus in diesen Bereich verhindern wollte.

Von Maike Wessolowski

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