Aktuelle Probleme als Dorfhelferin im Kreis Cuxhaven: "Die sparen am falschen Ende"
Ute Horeis ist seit über 30 Jahren als Dorfhelferin im Landkreis Cuxhaven tätig und sieht sich zunehmend mit Herausforderungen durch die Krankenkassen konfrontiert. Dennoch bleibt sie engagiert und bringt Licht in den Alltag vieler Familien.
"Wir sind Köchin, Erzieherin, Gärtnerin, Raumpflegerin, Zuhörerin. Oft ein Engel in schweren Zeiten", beschreibt Ute Horeis. Sie arbeitet seit mehr als 30 Jahren als Dorfhelferin. "Wir machen das, was Mama macht - und Mama leitet ein Familienunternehmen." In den vergangenen Jahren hat sich jedoch einiges verändert.
Seit Dezember 2025 hatte Ute Horeis keinen Einsatz mehr, jetzt Ende Februar geht es endlich wieder los. Eigentlich hätte sie längst eine Familie mit drei Kindern unterstützen sollen - die Krankenkasse will den Einsatz jedoch nicht bezahlen. "Die sparen am falschen Ende." Für zwei Wochen wurde die Familie von einer nicht dafür ausgebildeten Kraft unterstützt, die schaffe das Pensum jedoch nicht, erzählt die gelernte Dorfhelferin. Die Familie steht daher wieder allein da. Für Ute Horeis geht es stattdessen in eine landwirtschaftliche Familie.
1989 hat die 60-Jährige angefangen, als Dorfhelferin zu arbeiten. "Ich wusste mit 15 Jahren, das will ich machen", erinnert sie sich. Auslöser war ein Zeitungsartikel über eine Dorfhelferin, den ihre Oma ihr gezeigt hatte. Als Horeis damals die Ausbildung gemacht hat, dauerte diese fünf Jahre - inzwischen sind es drei. "Heute gibt es auch die Möglichkeit eines Quereinstiegs", erklärt sie.
Probleme mit den Krankenkassen
Seit ungefähr drei Jahren bemerkt die Dorfhelferin die Probleme bei der Unterstützung durch die Krankenkassen. "Ich bin seit Dezember zu Hause gewesen. Nicht, weil es keine Arbeit für mich gibt, sondern weil die Familien nicht unterstützt werden." Horeis meint, dass die Krankenkassen die Finanzierung hinauszögern. "Wir sind systemrelevant, die Familien brauchen uns", betont die Dorfhelferin.
In ganz Niedersachsen sind 104 Dorfhelferinnen aktiv - im Kreis Cuxhaven sind es sieben, erzählt die 60-Jährige. Trotz des Begriffes "Dorfhelferin" sind sie nicht nur im ländlichen Raum tätig. Eingesetzt werden sie überall - egal ob Dorf oder Stadt. Männer gibt es in der Branche aber nicht - weil sich keiner bewerbe, so Horeis.
Neben den Problemen mit den Krankenkassen bemerkt die gebürtige Otterndorferin noch andere Veränderungen: Erst mit der Zeit wurde das Angebot auch für Familien in Städten ausgeweitet. Ihre Arbeitszeiten verschieben sich oft weiter in den Nachmittag, da immer mehr Kinder vormittags in einer Betreuung sind. Immer seltener gibt es Acht-Stunden-Einsätze. "Es muss um jede Stunde bei den Krankenkassen gekämpft werden." Sie bemerke zudem, dass es generell weniger Babys gebe - immer häufiger treten jedoch schwere Krankheiten auf.
"Sie schütten ihr Herz aus"
Eine Dorfhelferin unterstützt, egal bei was. "Wir fangen Familien in der Zeit auf, in der es schwer für sie ist." Oft wird Horeis zu einer Vertrauten. Die Menschen sprechen mit ihr und vertrauen ihr ihre Sorgen und Probleme an. "Sie schütten richtig ihr Herz aus", sagt die 60-Jährige. Und das können sie auch: Dorfhelferinnen unterliegen einer Schweigepflicht.
Durch ihre langjährige Erfahrung kennt sie viele Familien bereits. "Teilweise kenne ich zum Beispiel den Vater, weil ich in der Familie schon eingesetzt wurde, als er selbst noch ein Kind war", berichtet sie.
Für Ute Horeis ist es mehr als ein Job: "Es ist meine Berufung." Sie mache es nicht nur, weil sie es gelernt habe. "Ich liebe es, mit verschiedenen Menschen zu arbeiten und ihnen ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern."