Nach den tödlichen Attacken durch Wölfe: Kreis Cuxhaven prüft "Schnellabschuss"
Gibt es jetzt einen "Schnellabschuss" nach den massiven Angriffen mehrerer Wölfe auf eine Schafherde in der Börde Lamstedt? Landrat Thorsten Krüger hat am Montag erklärt, dass ein entsprechender Antrag in Vorbereitung ist.
Die Attacken von mutmaßlich vier Wölfen auf eine Schafherde in Stinstedt wirken nach. Wie berichtet, war in der vergangenen Woche eine Schafherde über mehrere Kilometer hinweg nach Mittstelstenahe getrieben und attackiert worden. Die Bilanz: 20 tote und verletzte Schafe. Am Sonntagmorgen folgte dann ein erneuter Angriff auf diese Herde; vier weitere Tiere wurden dabei gerissen.
Deutlicher Anstieg bei den Tieropfern
Nicht erst seit diesen Attacken mehren sich bei Tierhaltern und auch in der Bevölkerung die Forderungen nach einem konsequenten Durchgreifen und insbesondere nach einem Abschuss sogenannter "Problemwölfe". Die beiden letzten Vorfälle reihen sich in eine ganze Serie ein. "Im Jahr 2025 hat es im Landkreis Cuxhaven 53 Rissereignisse gegeben (nach 38 Übergriffen im Jahr 2024), bei denen der Wolf als schadensverursachend ermittelt werden konnte. Die Zahl der gerissenen Tiere stieg von 61 im Jahr 2024 auf 150 im Jahr 2025 und hat sich damit mehr als verdoppelt", heißt es in einer Stellungnahme des "Arbeitskreises Wolf", der am vergangenen Freitag tagte. In dem Arbeitskreis sind Repräsentanten unterschiedlicher Verbände, Behörden und Organisationen vertreten; von Naturschützern bis hin zu Landwirten. Das Treffen war nach mehrmonatiger Tagungspause bereits längerfristig angesetzt, aber es erhielt durch die jüngsten Attacken in Stinstedt natürlich zusätzliche Brisanz.

Obwohl die Mitglieder des Arbeitskreises, den der Landkreis eingesetzt hatte, unterschiedlicher Couleur sind, einigte sich das Gremium am Ende des Treffens einstimmig auf ein Positionspapier, das am Montagnachmittag Grundlage für eine Resolution war, die der Umweltausschuss dem Kreistag zur Beschlussfassung empfahl.
"Aktive Regulierung des Bestandes"
Der Arbeitskreis war nicht zuletzt wieder einberufen worden, um im Zuge der gesetzlichen Neuregelungen zu den Auswüchsen der deutlich gestiegenen Wolfspopulationen in Bereichen wie dem Landkreis Cuxhaven gesetzgeberische Maßnahmen zu begleiten und um endlich effektive und praxisnahe Regelungen beim Umgang mit dem Wolf zu schaffen: "Wir fordern auf Grundlage der geänderten Gesetze eine aktive Regulierung des Wolfsbestandes. Die Möglichkeit eines regional differenzierten Bestandsmanagements muss gegeben sein, um einem dynamischen Rissgeschehen vor Ort begegnen und die Wolfspopulation bei Bedarf begrenzen zu können", heißt es unter anderem in der Erklärung, die am Montag vom Umweltausschuss übernommen worden war.

Eine der wichtigsten Passagen lautet dabei: "Es müssen wolfsfreie Gebiete für die Nutztierhaltung ausgewiesen werden können. Dies ist besonders für Regionen notwendig, in denen Herdenschutz (zum Beispiel durch Zäune) schwer oder gar nicht umsetzbar ist. Für den Landkreis Cuxhaven gilt dies insbesondere für Deiche. Hier muss ein hinreichender Abstand gegeben sein, der sich an der täglichen Wegstrecke eines Wolfes orientieren sollte. Die vom Bund im Bundesgesetz festgestellten und entsprechend verankerten Deichregionen müssen vom Land Niedersachsen anerkannt werden."
Forderung nach "Entbürokratisierung"
Zugleich fordern der Arbeitskreis und der Fachausschuss endlich Klarheit und zeitnahe Entscheidungen beim Abschuss von Wölfen: "Die Praxis zeigt, dass Genehmigungsverfahren zur Entnahme von Wölfen rechtlich und fachlich komplex und sehr zeitaufwendig sind. Hier braucht es effizientere, rechtssichere Lösungen und eine Entbürokratisierung."
Mehrfach wurde im Umweltausschuss betont, dass es nicht darum gehe, den Wolf als Art auszurotten, sondern dass zügellose Auswüchse begrenzt werden müssten. Wo Wölfe in einer derart massiven Weise Nutztiere reißen würden, müsse ganz einfach gehandelt werden. "Da brauchen wir schnellere Entnahmemöglichkeiten", meinte unter anderem Landrat Thorsten Krüger. Er warnte davor, noch mehr Zeit zu verlieren, denn dies sei der verunsicherten Bevölkerung nicht mehr vermittelbar. Daher arbeite die Kreisverwaltung daran, insbesondere einen "Schnellabschuss" im konkreten Fall der Börde Lamstedt in die Wege zu leiten. "Wir sind an der Grenze des Akzeptablen", so Krüger.
Über die Reaktionen aus den Reihen der Politik wird unsere Redaktion noch berichten.