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Basstölpel am Naturschutzgebiet Lummenfelsen auf Helgoland. Foto: Kramp
Basstölpel am Naturschutzgebiet Lummenfelsen auf Helgoland. Foto: Kramp
Ornithologie

Auf Helgoland entwickelt: Neue App für Vogelbeobachtung

von Redaktion | 05.10.2026

Die App "fink" revolutioniert die Vogelbeobachtung von Helgoland aus und verbindet Ornithologen in ganz Europa. Das Projekt setzt auf Community und Transparenz, bietet eine Plattform für Fotografie und Wissen. Zurzeit läuft ein Wettbewerb.

Die neue App "fink" steht fürs Vogelbeobachten. Entwickelt wurde sie auf Helgoland. Die Hochseeinsel ist ein Hotspot für Birding.  Es ist ein Projekt von Jakob Martens (24) und Christoph Tewis (40), aufgebaut zu zweit aus Eigenmitteln, ohne Investoren.

Wer einen Vogel sieht, trägt ihn in die App ein, und die Sichtung erscheint sofort auf einer gemeinsamen Live-Karte neben den Meldungen aller anderen. Wer in der Nähe ist, bekommt eine Mitteilung und kann bestätigen, ob der Vogel noch dort ist. Fliegt er weg, verschwindet er von der Live-Karte.

Community wird bei der Entwicklung einbezogen

In der Anfangsphase  hat ein externes Team aus Designern und Entwicklern die technischen Grundlagen geschaffen. Martens und Tewis feilten etwa elf  Monate am Konzept, recherchierten und gestalteten die App. Seit dem offiziellen Start Mitte August entwickelt Jakob Martens die App selbst weiter, jede neue Funktion der letzten Wochen stammt von ihm. Bei der Weiterentwicklung wird gezielt die Community mit einbezogen.

Der Name "fink" ist Helgoländisch (Halunder) und heißt einfach Vogel. Am Anfang seien sie gefragt worden, ob man nicht so eine App für Helgoland bauen kann, und daraus wurde schnell: Warum nicht für ganz Europa? Der Gedanke dahinter sei einfach. Vogelbeobachtung ist eine der schönsten Beschäftigungen, die man draußen haben kann, und sie wird gerade jünger und größer. Aber das Wissen darüber, was wo gerade unterwegs ist oder sein könnte, steckt in Notizbüchern, und vor allem in weit verzweigten Chatgruppen. Also sollte eine Karte entstehen, auf der man live sieht, was die anderen sehen, und die jedem hilft, den Vogel vor sich zu erkennen.

Dass das ausgerechnet von Helgoland kommt, ist kein Zufall. Nirgendwo in Deutschland wird so genau hingeschaut wie dort. Seit über hundert Jahren ist Vogelbeobachtung historisch verankert. Die Vogelwarte Helgoland wurde 1910 als Forschungsinstitut gegründet. Über die Seevogelkolonie von Lummen, Basstölpeln bis zur Sturmmöwe hinaus bietet der Vogelzug im Herbst und Frühjahr Ornithologen viel zu sehen.

 Mehrere Projekte angeschoben

Der erst 24-jährige Helgoländer Jakob Martens ist einer der Macher hinter der neuen App. Foto: Martens

Jakob Martens ist auf Helgoland aufgewachsen, mit der Vogelwarte vor der Haustür. Bekannt ist er durch den "Helgo-Twin", das fotorealistische 3D-Modell der Insel, das die Gemeinde für Planungen nutzt, und durch seinen Übersetzer für Halunder (halunder.ai). Nun ist "fink" sein bisher weitreichendstes Projekt, er verantwortet die App, ihre Funktionen und die Technik. Seine Leidenschaft fürs Detail macht die App sehenswert und anwendungsfreundlich.

Christoph Tewis ist Geschäftsführer der Tewis Projektmanagement GmbH in Hamburg und seit einem Jahrzehnt mit Helgoland durch (Bau-)Projekte verbunden. Bei "fink" kümmert er sich um Projektmanagement, Marketing, Partner und alles Vertragliche. Da viele Handlungsstränge gleichzeitig laufen, zumal sie nur zu zweit sind, organisiert er die Abarbeitung aller Punkte und spielt Jakob die wichtigsten Themen zu. Inzwischen wächst das Team.

Auf Nutzerfreundlichkeit geachtet

Zu jeder der über 900 Arten gibt es eine Wiki-Seite mit Illustrationen und mehr als 5000 Fotos aus der Community. Jede Person führt ein eigenes Logbuch mit allen Arten, die sie je gesehen hat. Gilden bringen Menschen einer Region zusammen und Challenges zusammen mit Influencern machen aus dem Beobachten ein gemeinsames Ziel. "fink" vereint vor allem vieles, was für das Vogelbebachten gebraucht wird, mit vielen Funktionen, die man aus innovativen Apps kennt, in einer besonders nutzerfreundlichen Form.

Die App bietet  Vogel- und Naturfotografen eine neue Plattform zum Veröffentlichen ihrer Fotos. Die Verbindung ist der Austausch in der Community. Die Grundfunktionen kann man kostenlos testen. "fink" an sich ist ein Abo-Modell, "da wir bewusst auf Werbung oder Ähnliches verzichten wollten", teilen die Macher mit. Seit Mitte September läuft in der App der erste Fotowettbewerb, passend zum Herbstzug. Bis zum 16. Oktober kann jeder ab 16 Jahren bis zu drei eigene Fotos von frei lebenden Zugvögeln einreichen, und das direkt in der App. 705 Arten stehen zur Wahl, die Fotos dürfen höchstens zwei Jahre alt sein, KI-Bilder und Montagen sind ausgeschlossen.

Das Besondere ist die Bewertung: keine Jury aus drei Fachleuten, keine Likes, sondern Transparenz. Vom 17. bis 23. Oktober werden allen Mitgliedern der Community immer zwei Bilder nebeneinander gezeigt. Man wählt seinen Favoriten und jedes Bild steigt oder sinkt in der Wertung. Die 16 besten Bilder kommen ins Finale, dort stimmen vom 24. bis 30. Oktober alle Nutzerinnen und Nutzer für deren drei Favoriten.

Die Jury-Woche fällt mit den Helgoländer Vogeltagen zusammen, die Gewinner stehen Anfang November fest. Hauptgewinn ist neben Birding-Ausrüstung eine Reise nach Helgoland. Zu gewinnen gibt es Preise im Gesamtwert von über 4000 Euro. (red/wip)

Die Live-Karte ist eines der Herzstücke der App.

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