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Ein Arzt im Gespräch mit einem Patienten mit Behinderung. Eine solche aufmerksame Gesprächssituation hätte sich auch Sven Meyer aus dem Cuxland (Name geändert) bei seinem Besuch in einer Facharztpraxis im Landkreis Cuxhaven gewünscht. Symbolfoto: Joseffson/www.imago-images.
Ein Arzt im Gespräch mit einem Patienten mit Behinderung. Eine solche aufmerksame Gesprächssituation hätte sich auch Sven Meyer aus dem Cuxland (Name geändert) bei seinem Besuch in einer Facharztpraxis im Landkreis Cuxhaven gewünscht. Symbolfoto: Joseffson/www.imago-images.
Trotz Termin nicht behandelt

Querschnittsgelähmter Patient abgewiesen? Praxis im Kreis Cuxhaven nimmt Stellung

05.10.2026

Ein vereinbarter Termin, Beschwerden und die Hoffnung auf einen neuen Facharzt: Doch Sven Meyer, der seit einem Unfall querschnittsgelähmt ist, musste die Praxis im Landkreis Cuxhaven wieder verlassen - ohne untersucht worden zu sein.

Ein Facharzt im Landkreis Cuxhaven hat einen Patienten mit Behinderung nicht aufgenommen, obwohl die Praxis auf ihrer Internetseite neue Patienten sucht. War es ein Missverständnis? Oder Diskriminierung?

Sven Meyer (Name von der Redaktion geändert) ist seit einem schweren Unfall vom Hals abwärts gelähmt. Als sein bisheriger Facharzt seinen Kassensitz aufgab, suchte der gesetzlich versicherte Meyer in der Region nach einem neuen Spezialisten. Die Suche wurde zur Odyssee. "Ich bin teilweise bis in ein Querschnittgelähmten-Zentrum nach Hamburg gefahren", erinnert sich der Unternehmer.

Umso größer war seine Freude, als sich eine Lösung in der Nähe abzeichnete. Meyers Vater, selbst Patient in einer Praxis dieser Fachrichtung, entdeckte dort einen Aushang: Neue Patienten würden aufgenommen. Auch auf der Internetseite fand sich dieser Hinweis. Bei einem Untersuchungstermin sprach der Vater das Praxispersonal an und vereinbarte für seinen erwachsenen Sohn einen konkreten Termin. Dabei informierte er die medizinische Fachangestellte ausdrücklich über dessen Querschnittlähmung.

Zur Behandlung durch den Facharzt kommt es nicht

Dem Praxispersonal war auch bekannt, dass Meyer wegen tatsächlicher Beschwerden und nicht nur zu einer Routineuntersuchung kommen wollte. Zum Termin erschien er mit einer Begleitung seines Pflegedienstes. "Im Wartezimmer wurde mir der Patientenaufnahmebogen zum Ausfüllen gereicht", berichtet er. Er füllte ihn aus und gab ihn ab, in der Erwartung, gleich untersucht zu werden.

Doch dazu kam es nicht. "Die Mitarbeiterin hat merklich nach den richtigen Worten gesucht, bevor sie mir mitteilte, der Arzt habe für eine Behandlung in diesem Umfang keine Kapazitäten", erinnert er sich. Man müsse ihn deshalb wieder wegschicken.

War die Behinderung ausschlaggebend?

Meyer versuchte zu erklären, dass er eine fachgerechte Begleitung seines Pflegedienstes dabeihatte. Niemand in der Praxis hätte ihn zusätzlich "handeln" oder betreuen müssen; aus seiner Sicht wäre für sein Anliegen kein höherer Aufwand entstanden als bei anderen Patienten. Trotzdem musste er trotz vereinbarten Termins und seiner Beschwerden die Praxis verlassen.

Bei Meyer bleibt deshalb der Verdacht: War der wegen seiner Behinderung erwartete Mehraufwand ausschlaggebend - möglicherweise auch aus wirtschaftlichen Gründen? Wurde er deshalb benachteiligt?

Die Praxis nahm auf Anfrage Stellung. Der Arzt teilt mit: "Wir nehmen die Schilderung ernst und bedauern, wenn bei ihm der Eindruck entstanden ist, aufgrund seiner Behinderung abgewiesen worden zu sein. Eine Benachteiligung oder Diskriminierung war weder beabsichtigt noch erfolgt." Hintergrund des Gesprächs sei vielmehr die derzeitige personelle und organisatorische Situation. Das Team bestehe überwiegend aus neuen Mitarbeiterinnen, die noch eingearbeitet würden. Zugleich werde ein Schwerpunktbereich aufgebaut, der besondere personelle und fachliche Ressourcen binde.

Praxis äußert sich auf Anfrage schriftlich

"Vor diesem Hintergrund bestanden im Zeitpunkt der Anfrage Unsicherheiten, ob die besonderen organisatorischen und medizinischen Anforderungen einer komplexen Versorgung bei Querschnittlähmung unmittelbar und in dem gebotenen Umfang gewährleistet werden können", betont der Arzt. Die Äußerung habe sich ausschließlich auf die aktuelle Versorgungssituation bezogen, nicht auf Meyers Behinderung.

"Unsere Praxis behandelt selbstverständlich Patientinnen und Patienten mit Behinderungen. Die Entscheidung beruhte nicht auf persönlichen Merkmalen, sondern allein auf der Frage, ob die erforderliche medizinische Betreuung unter den derzeitigen Rahmenbedingungen verantwortungsvoll sichergestellt werden kann. Wir bedauern das entstandene Missverständnis und weisen den Vorwurf einer Diskriminierung ausdrücklich zurück."

Missverständnis? Das sieht der Betroffene mit gemischten Gefühlen

Dass der Arzt von einem "Missverständnis" spricht, sieht Meyer mit gemischten Gefühlen. Ein persönliches Gespräch mit ihm habe es an diesem Tag nicht gegeben. "Hätte der Arzt das persönliche Gespräch mit mir gesucht, hätten sich vielleicht viele dieser Missverständnisse bereits vor Ort ausräumen lassen können", sagt Meyer. Sein Vertrauen in den Arzt sei verloren. Vor allem die Begründung einer "komplexen Versorgung" hinterlasse Fragezeichen.

Denn nur eine Woche später fand Meyer durch einen glücklichen Umstand eine andere Praxis in der Nähe, die ihn trotz Querschnittlähmung und anhaltender Beschwerden aufnahm. Die notwendige Untersuchung einschließlich Ultraschall habe nach seinen Angaben rund zehn Minuten gedauert.

Arztbesuche sind für Menschen mit Behinderung aufwendig

Für den Landkreisbewohner bleibt eine grundsätzliche Frage: Was passiert mit anderen Menschen mit Behinderungen, die wegen Beschwerden einen barrierefreien Arzt benötigen und nicht das Glück haben, kurz darauf wenige Kilometer weiter eine andere Praxis zu finden?

Jeder Arztbesuch bedeute für Menschen mit Handicap einen enormen organisatorischen Aufwand. Deshalb wolle er seinen Fall öffentlich machen. "Ich bin vielleicht ein Patient, bei dem es etwas länger dauern kann. Wobei sich in diesem Fall gezeigt hat, dass zehn Minuten offenbar ausgereicht haben. Meine Hoffnung ist, dass es der nächste Patient mit einem ähnlichen Schicksal, der eine Praxis sucht, durch diese Berichterstattung leichter haben wird."

Von Jens Gehrke

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