Bis zu 15.000 Kubikmeter jährlich - Diskussion um Sand für den Cuxhavener Strand
Seit Jahrzehnten wird Sand aus der Region nach Cuxhaven gebracht, um den Strand zu erhalten. Nun fordern die Grünen ein Umdenken: Sie warnen vor ökologischen Folgen des Abbaus und wünschen sich eine öffentliche Debatte über mögliche Alternativen.
Seit 1958 wird regelmäßig Sand aus Kuhlen in Altenwalde und Nordholz zum Cuxhavener Strand gebracht - eine lange Zeit, in der dieses Prozedere wenig hinterfragt wurde. Das will der Ortsverband Wurster Nordseeküste der Grünen nun ändern. Vorstandsmitglied Jan-Hendrik Sibberns, auch stellvertretender Ratsvorsitzender im Gemeinderat Wurster Nordseeküste und Mitglied im Dorumer Ortsrat, wünscht sich eine öffentliche Debatte. Das sagt er der Nordsee-Zeitung. Denn aus Grünen-Sicht sollte über mögliche Alternativen zum Sandabbau zumindest verschärft nachgedacht werden - aus ökologischen Gründen.
Die jährliche Sandmenge liegt nach Auskunft von Pressesprecherin Katharina Ziersch von der Nordseeheilbad Cuxhaven GmbH je nach Bedarf zwischen ungefähr 5000 und 15.000 Kubikmeter pro Saison; der Bedarf richtet sich unter anderem nach den Folgen von Sturmfluten und orkanartigen Stürmen. Dies entspricht nach Angaben der Touristiker etwa 250 bis 750 Lkw-Ladungen zu jeweils 20 Kubikmetern. In den Jahren 1974 und 1976, ergänzt Ziersch, seien darüber hinaus größere Maßnahmen fällig gewesen: Bei denen wurden jeweils rund 200.000 Kubikmeter Feinsand aufgespült.
Qualität des Strandsands wird regelmäßig kontrolliert
Der Sand wird jährlich über einen Zeitraum von etwa fünf Wochen aufgefüllt, heißt es. "Dabei wird besonderer Wert auf die Qualität gelegt", betont Ziersch. Der Sand, der angeliefert werde, müsse Strandqualität aufweisen. Das bedeute, er dürfe nur wenige Feinsandanteile enthalten und er müsse frei von Lehm, Steinen und sonstigen Verunreinigungen sein. Das müssten die beauftragten Firmen durch einen entsprechenden Qualitätsnachweis, eine Sieblinie nachweisen: Das ist eine grafische Darstellung der Kornverteilung eines Schüttguts wie zum Beispiel Sand. "Zusätzlich erfolgen stichprobenartige Kontrollen sowohl an der Entnahmestelle als auch bei der Anlieferung", so die Sprecherin.

Aber warum das Ganze? Der Cuxhavener Sandstrand hatte in seinem ursprünglichen Zustand, zu Beginn des Seebades um 1819, lediglich eine Breite von etwa fünf bis zehn Metern. Ein ausgeprägter Strandbetrieb, wie wir ihn heute kennen, war damit nur eingeschränkt möglich. Im Laufe der Zeit wurde ein gezieltes Verbreitern des Strandes als wichtig für die touristische Entwicklung erkannt.
Nordseeheilbad sieht jährliche Auffüllung als notwendig
Ziersch versichert: "Die kontinuierliche Sandzufuhr ist notwendig, weil der Strand durch Wind- und Welleneinwirkungen fortlaufend Material verliert. Ohne regelmäßige Auffüllung würde sich der Strand sukzessive zurückbilden." Ein einmal eingetretener Substanzverlust ließe sich nur mit erheblichem finanziellem und organisatorischem Aufwand wieder ausgleichen. Doch: "Der heutige Qualitätsstandard des Strandes stellt ein zentrales touristisches Merkmal und einen wichtigen Wettbewerbsfaktor für Cuxhaven dar." Deshalb sei die Sandauffüllung auch für die kommenden Jahre geplant, zumal konkrete Alternativen zum Sandstrand "derzeit nicht bekannt sind". Die erforderlichen finanziellen Mittel werden jährlich neu eingeworben. Ein Schnäppchen ist die Strandauffüllung nicht: "Es handelt sich immer um eine Summe um die 250.000 Euro." Trotzdem kauft die Nordseeheilbad Cuxhaven GmbH anscheinend gut ein: Die 250.000 Euro sind nach Einschätzung von Experten ein Großmengenpreis am unteren Ende des Marktes.
Grüne warnen vor Folgen des Sandabbaus fürs Grundwasser
Jan-Hendrik Sibberns von den Grünen gibt zu bedenken: "Mit dem Sandabbau verschwinden auch immer Deckschichten im Boden, die mögliche Schadstoffeinträge in das Grundwasser verhindern können. Ist der Boden abgebaut beziehungsweise sozusagen nackt, steigt die Grundwassergefährdung massiv." Das Risiko für Überschwemmungen erhöht sich: Schließlich fehlt ohne Deckschichten die Speicherfähigkeit des Bodens. Deckschichten geben dem Untergrund Struktur und Halt. Ohne sie rutschen zum Beispiel Böschungen leichter ab und Grubenwände werden instabil.
Grüne haben keinen Plan B, wollen dennoch Umdenken
Einen ausgereiften Plan B zum Sand für den Strand in Cuxhaven habe er nicht, räumt der Grüne ein. Wichtig sei ihm vor allem mehr Feinfühligkeit für die Problematik und das Nachdenken darüber, ob eine seit 1958 praktizierte Strategie noch immer uneingeschränkt gültig sein müsste. Solche Überlegungen seien ein "Gebot der Nachhaltigkeit". (axt)
Von Thomas Klaus