Versteckt unter der Erde: Kaum jemand kennt diese Klinik im Landkreis Cuxhaven
Ein verborgenes Netzwerk aus Beton, gebaut für den Ausnahmezustand: In Niedersachsen existieren noch neun unterirdische Hilfskliniken. Eine davon im Landkreis Cuxhaven. Könnte sie bald mehr sein als nur ein Relikt der Vergangenheit?
Patient hätte man in diesem Krankenhaus wohl lieber nicht sein wollen. Kein Tageslicht, kahle Betonwände, zig Stockbetten dicht an dicht und keine Möglichkeit, sich einmal die Füße an der frischen Luft zu vertreten. Doch im Falle eines Atomangriffs während des Kalten Krieges sollten in dem unterirdischen, in den 1970er-Jahren gebauten Hilfskrankenhaus im Landkreis Cuxhaven etwa 600 Kranke betreut werden.
Wo genau sich die Klinik im Landkreis Cuxhaven befindet, ist ein Geheimnis. Die Kreisverwaltung möchte nicht, dass der Standort des Schutzraumkrankenhauses kommuniziert wird. Ein Presserundgang durch die Notklinik unter der Erde blieb der regionalen Presse verwehrt.
Seit vielen Jahren liegt das geheimnisvolle Krankenhaus mit seinen zwölf Stationen im Dornröschenschlaf, verborgen und weitgehend vergessen unter der Erde. Nur noch einige Operationstische, diverse Betten und die Großküche erinnern an längst vergangene Zeiten. "Die Anlagen sind außer Betrieb, die Prüfung oder Begutachtung der technischen Anlagen wird nicht mehr durchgeführt. Ebenso erfolgt keine regelmäßige Wartung", teilt Simone Starke aus der Pressestelle des Landkreises Cuxhaven auf Anfrage unserer Redaktion mit.
Die Pressesprecherin beschreibt den Zustand des Hilfskrankenhauses als "altersentsprechend" - sowohl baulich als auch technisch. Für eine belastbare Bewertung des Zustands sei jedoch zunächst eine umfassende Bestandsaufnahme erforderlich, erklärte sie. Aus den vorhandenen Unterlagen gehe hervor, dass das Krankenhaus für eine Kapazität von 610 Betten sowie zusätzlich 192 Personalbetten ausgelegt sei.
Bausubstanz wurde bislang nicht überprüft
Um die Einrichtung wieder in Betrieb nehmen zu können, müssten die technischen Anlagen vollständig erneuert werden, so Starke weiter. Da die Bausubstanz bislang nicht überprüft worden sei, lasse sich derzeit keine Aussage zu den möglichen Kosten treffen. "Der Landkreis Cuxhaven prüft, ob Mittel aus dem Sondervermögen der Bundeswehr für Infrastrukturprojekte für das Krankenhaus eingesetzt werden können", sagt die Sprecherin.
Insgesamt bewertet der Landkreis Cuxhaven eine Wiederinbetriebnahme des Hilfskrankenhauses eher zurückhaltend. "Generell ist eine Aktivierung von alten Schutzbauten nicht zielführend, da die damaligen Bauten den heutigen Waffensystemen, insbesondere CBRN, nicht standhalten könnten", so Starke. CBRN steht für chemische, biologische, radiologische und nukleare Gefahren.
Was also tun mit den Räumen? Ein Blick in andere Kommunen zeigt, dass der Umgang mit ehemaligen Schutzräumen und Hilfskrankenhäusern sehr unterschiedlich ausfällt und oft von Kreativität, Kostenfragen und sicherheitspolitischen Überlegungen geprägt ist.

In vielen Städten sind frühere Bunker und unterirdische Anlagen längst zu Orten mit ziviler Nutzung geworden. So wurden etwa in Hamburg ehemalige Schutzräume zu Kulturstätten, Proberäumen oder Ausstellungsflächen umgebaut. Ähnliche Entwicklungen gibt es in Berlin, wo einstige Bunkeranlagen heute als Museen, Veranstaltungsorte oder sogar als exklusive Immobilien genutzt werden. Der Reiz dieser massiven Bauwerke liegt nicht nur in ihrer Geschichte, sondern auch in ihrer besonderen Architektur und Akustik.
Andere Kommunen verfolgen pragmatischere Ansätze. In Köln oder Stuttgart werden ehemalige Schutzräume teilweise als Lagerflächen für städtische Betriebe oder als Technikräume weiterverwendet. Diese Lösungen sind vergleichsweise kostengünstig und vermeiden aufwendige Umbauten, bieten jedoch wenig öffentliche Sichtbarkeit.
Zugleich gibt es auch Orte, an denen die Anlagen bewusst im ursprünglichen Zustand erhalten bleiben. Einige Kommunen nutzen ehemalige Hilfskrankenhäuser und Schutzräume als Erinnerungsorte für den Zivil- und Katastrophenschutz im Kalten Krieg. Führungen und pädagogische Angebote sollen dabei helfen, ein oft vergessenes Kapitel der jüngeren Geschichte greifbar zu machen.
Neun unterirdische Hilfskrankenhäuser in Niedersachsen
Zwischen 1965 und 1990 ließ die Regierung der damaligen Bundesrepublik sogenannte Hilfskrankenhäuser errichten, sowohl ober- als auch unterirdisch. Sie waren dafür vorgesehen, im Falle eines Angriffs mit Atom-, Bio- oder Chemiewaffen eingesetzt zu werden oder bei einer Überlastung der regulären Krankenhäuser in Katastrophensituationen auszuhelfen. Von rund 160 Behelfskliniken im gesamten Bundesgebiet wurden 22 vollständig unterirdisch errichtet. In Niedersachsen befanden beziehungsweise befinden sich solche Anlagen in Bad Bentheim, Dissen, Lüneburg, Oldenburg, Stade, Syke, Walsrode, Zeven sowie im Landkreis Cuxhaven.
