Vorbild Nordholz: Neues RVZ im Kreis Cuxhaven mit 1,2 Millionen Euro gefördert
1,2 Millionen Euro für bessere Versorgung: Das Land investiert in ein neues RVZ in Spaden. Neben einem zusätzlichen Hausarztsitz sind gebündelte Angebote von Apotheke bis Telemedizin geplant - nach dem Vorbild Nordholz.
Seit seiner Eröffnung vor vier Jahren verzeichnet das Regionale Versorgungszentrum (RVZ) in Nordholz eine echte Erfolgsbilanz. So erfolgreich, dass selbst die Erwartungen von Geschäftsführer Dr. Andreas Rühle übertroffen wurden.
Insgesamt, sind sich Landkreis, Gemeinde Wurster Nordseeküste und Geschäftsführer einig, laufe das Regionale Versorgungszentrum so gut, dass über einen Ausbau nachgedacht wird. Schon jetzt haben sich rund um das kommunal betriebene hausärztliche MVZ zahlreiche Facharztdisziplinen - von der Gynäkologie bis zur Implantologie/Oralchirurgie -, aber auch medizinnahe Dienstleistungen sowie Einrichtungen der Daseinsvorsorge angesiedelt.
Kinderarzt Cuxland ist mit privatem MVZ erfolgreich
Die auffälligste Erfolgsgeschichte schreibt der Mediziner Michael Scheel, der innerhalb des RVZ seit Sommer 2023 eine Kinderarztpraxis in ein privates MVZ umgewandelt hat. Aktuell arbeiten dort neben Scheel sechs weitere Kinderärzte, eine Kinder- und Jugendpsychiaterin und eine Psychiaterin.
Einziger Wermutstropfen: In Kürze muss das kommunale MVZ den Weggang von gleich zwei Medizinern verkraften. Das entspricht der Hälfte der aktuell dort beschäftigten Hausärzte. Gemeindebürgermeister Jörg-Andreas Sagemühl (CDU) möchte den Verlust nicht kleinreden: "Aber solche Rückschläge gehören dazu."
Aufgrund der guten Gesamtbilanz, so Rühle, werde das hausärztliche MVZ ohne personelle Konsequenzen für die hier Angestellten weiterarbeiten. Nachfolger für die zum 1. Juli ausscheidenden Hausärzte werden bereits gesucht.
Seit dem vergangenen Jahr gibt es Pläne, das RVZ in Nordholz um eine Zweigstelle in der Gemeinde Schiffdorf zu erweitern. "Die Gesundheitsversorgung gehört zwar zu den freiwilligen, aber für mich zu den zentralen Aufgaben der Kreisverwaltung", hob Landrat Thorsten Krüger (SPD) bei einem Besuch von Niedersachsens Regionalentwicklungsministerin Melanie Walter (SPD) hervor. "Die Menschen im Cuxland müssen sich darauf verlassen können, dass medizinische Versorgung vorhanden ist."

Das Land beteiligt sich an den Kosten mit 1,2 Millionen Euro für den Aufbau des neuen Versorgungszentrums. Der Neubau soll in zentraler Lage von Spaden entstehen.
Geplant ist, die hausärztliche Versorgung mit mindestens einem zusätzlichen Arztsitz zu stärken und Angebote der Daseinsvorsorge zu bündeln. So soll unter dem Dach des neuen RVZ die örtliche Sozialstation angesiedelt sowie ein weiterer Anlaufpunkt für die Jugendhilfe im Südkreis geschaffen werden.
RVZ mit Physiotherapie, Tagespflege und betreutem Wohnen
Ferner sind medizinnahe Dienstleistungen wie Physiotherapie und eine Apotheke vorgesehen. Ergänzt wird das Angebot durch eine Tagespflege sowie betreutes Wohnen. Telemedizin und der Einsatz von nichtärztlichen Praxisassistenzen stehen ebenfalls auf der Agenda für das erste RVZ im Südkreis.
"Eine verlässliche und wohnortnahe Versorgung sichert Lebensqualität und Zukunft in ländlichen Räumen", begründete Walter die Investition des Landes in den neuen RVZ-Standort. "Mit den Regionalen Versorgungszentren schaffen wir Strukturen, die medizinische und soziale Angebote bündeln und näher zu den Menschen bringen."

Wie in Nordholz soll auch das neue Zentrum in Spaden Versorgungslücken schließen und attraktive Arbeitsbedingungen für Hausärztinnen und Hausärzte schaffen. Denn viele Mediziner, so die Ministerin, würden mittlerweile lieber als Angestellte ins Berufsleben starten oder auch ihre Laufbahn in einem MVZ beenden.
Beeindruckt zeigte sich Walter auch von ihrem Rundgang durch das Nordholzer RVZ. "Alle Gemeinden, die mal hier waren", berichtete sie, "haben in den höchsten Tönen geschwärmt. Auch von der Arbeit und dem Zusammenhalt innerhalb des RVZ."
Bislang gibt es niedersachsenweit fünf Regionale Versorgungszentren - in Nordholz, in der Wesermarsch, im Auetal, im Leinebergland und in Baddeckenstedt; drei weitere befinden sich im Aufbau (Südheide, Gnarrenburg, Borkum). Mit Spaden wird ein neuntes RVZ folgen. Mit der Fertigstellung rechnet die Gemeinde frühestens für 2028.
Von Heike Leuschner