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Seine Kolleginnen und Kollegen überraschten Rainer Behrens zu seiner letzten Tour. Foto: Behrens
Seine Kolleginnen und Kollegen überraschten Rainer Behrens zu seiner letzten Tour. Foto: Behrens
Veränderungen miterlebt 

49 Jahre lang Briefträger in Cadenberge: "Ich war draußen mein eigener Herr"

von Märthe Werder | 02.11.2026

49 Jahre lang arbeitete Rainer Behrens als Briefträger in Cadenberge und der Wingst. Inzwischen ist er im Ruhestand. Er erzählt von den Veränderungen und Erlebnissen bei der Post und warum sein Ruhestand für seine Frau einen Vorteil hat.

Besonders in Cadenberge ist er ein bekanntes Gesicht: Rainer Behrens stellte 49 Jahre lang die Post zu. Inzwischen ist er in Rente - die Arbeit fehlt ihm gelegentlich aber noch.

Seit 1993 lebt Rainer Behrens in Cadenberge, gebürtig stammt er aus der Wingst. Als er damals eine Ausbildung suchte, war das zu einer Zeit, in der es wenige Ausbildungsplätze, aber viele Bewerber gab, erinnert er sich. Über eine Zeitungsannonce erfuhr er von Plätzen bei der Post, bewarb sich und wurde genommen. Als "Postjungbote" fing er an und ging in Cuxhaven zur Berufsschule. Da es nach der Ausbildung nicht genug Stellen in der Region gab, ging es für ihn erst einmal nach Hamburg zum Postgiroamt. "Ich bin kein Stadtmensch", schildert er, bewarb sich daher in Cadenberge und hatte Glück. 1983 konnte er wechseln. 

Er habe in seiner Zeit in der Region fast immer die selbe Route gehabt. In Cadenberge gründete Behrens auch eine Familie. Gemeinsam mit seiner Frau hat er drei Kinder; ein Enkelkind ist bereits da, das zweite ist unterwegs. Die Post brachte der Briefträger immer selbst mit nach Hause. "Das war ein Nachteil für mich", schildert seine Frau Susanne lächelnd. So erhielt sie die Post immer als Letzte und ihr Mann hatte sie meist bereits gelesen.

Einige Veränderungen über die Jahre

Über die Jahre hat der 65-Jährige einige Veränderungen bei der Post miterlebt: Die ersten 20 bis 25 Jahre war er nur mit dem Fahrrad unterwegs. "Ich musste dann aufs Auto umsteigen", erzählt er. Mit dem Fahrrad habe ihm die Arbeit mehr Spaß gemacht, mit dem Auto war er dafür mobiler. "Bei Schnee und Glatteis habe ich das Fahrrad mehr geschoben, als gefahren", erinnert er sich. Aber nicht nur die Art der Zustellung hat sich verändert, sondern auch das, was zugestellt wird. Am Anfang waren es nur Briefe, dann wurde die Post mit den Paketen zusammengelegt. Zu Beginn seien es pro Fahrt etwa 30 bis 40 Stück gewesen. "Bis zu 100 oder 120 Pakete sind es heutzutage." Die Anzahl an Paketen nehme weiter zu und die Anzahl an Briefen ab, beobachtet er.

Ab und an fehlt ihm sein Job noch, aber Rainer Behrens genießt dennoch seine Rente. Foto: Werder

Für Behrens gab es nie die Überlegung, einen anderen Beruf zu ergreifen: "Ich war immer mit Leib und Seele dabei." Besonders der Kontakt zu den Leuten gefiel ihm gut. "Und ich war draußen mein eigener Herr." Der Cadenberger erlitt aber auch den ein oder anderen Hundebiss. "Einmal bin ich auf einen Hof gegangen, bei dem ich wusste, dass sie einen Hund haben. Er war aber nicht zu sehen. Plötzlich kam er angeschossen und hat mir in die Kniekehle gebissen", beschreibt er. Über die Jahre sei zudem der Druck mehr geworden, vor allem durch die Pakete. Aber: "Es hat immer Spaß gemacht mit den Kunden."

"Es war ein bewegter Abschied"

Zu seiner letzten Tour Ende August wurde Behrens von seinen Kolleginnen und Kollegen überrascht. Sie hatten für ihn geschmückt, unter anderem sein Auto. "Es war ein bewegter Abschied", erinnert sich der 65‑Jährige. Auch ein paar Anwohner haben ihn unterwegs überrascht und ihm ein Geschenk überreicht. "Sie wussten, dass es meine letzte Tour ist. Ich war sehr gerührt davon." Seine Kollegen haben ihm zudem eine Fahrt nach Hamburg mit dem Schiff geschenkt - gewusst hat Behrens von alledem nichts. Das Gefühl bei seiner letzten Tour: "Ich habe sie in Freudenzügen sehr genossen."

Auch das Auto wurde zur letzten Tour nach 49 Jahren ein wenig geschmückt. Foto: Behrens

Die Zeit danach fühlte sich für den 65-Jährigen wie drei Wochen Urlaub an. "Aber danach wollte ich wieder los", sagt er. Inzwischen habe er sich an die Rente gewöhnt, gelegentlich fehle ihm seine Arbeit aber noch. "Besonders die Leute zum Schnacken fehlen ihm", weiß seine Frau. Außerdem ist die Poststelle nicht weit: "Er sieht immer die Postautos vorbeifahren." Die neu gewonnene Zeit füllt Behrens mit der Familie, dem Enkelkind oder Arbeit im Garten. "Es ist immer was zu tun", sagt er. Seine Frau und er haben außerdem Kreuzfahrten für sich entdeckt - auch dieses Jahr geht es für das Paar wieder auf Reisen. 

Ihre eigene Post bekommen die Behrens nun früher - sie liegen am Anfang der Strecke. "Jetzt darf ich die Post auch mal öffnen", sagt Susanne Behrens und lacht. 

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Märthe Werder

Volontärin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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