Cadenberger wird 105 Jahre alt: "Die Soldatenzeit hat es in sich gehabt"
Erst seit diesem Jahr wohnt Harald Frank im Pflegeheim - nun wird er 105 Jahre alt. Der Cadenberger hat in seinem Leben einiges erlebt: Er teilt seine Erinnerungen an seine Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg.
Den 104. Geburtstag wollte Harald Frank nicht groß feiern - schließlich sei es kein runder. Nun wird der Cadenberger 105 Jahre alt: Das darf gefeiert werden.
Seit 1980 lebt Harald Frank in Cadenberge. Dazu gekommen ist es durch einen Urlaub. Er und seine Frau seien früher immer in die Berge zum Urlauben gefahren, erzählt seine Tochter Brigitte Storey. "Sie wollten dann mal nach Norddeutschland an die See", erinnert sie sich. Den Urlaub verbrachten sie in Cadenberge, wo es ihnen sehr gut gefiel. Vor Ort hätten sie Bauplätze gesehen und beschlossen, herzuziehen. "Meine Eltern waren hier immer zufrieden", betont Storey.
Zwei Verletzungen im Krieg
Geboren ist Frank 1921 in Frankfurt am Main. Aufgewachsen und zur Schule gegangen ist er in Eisenach. Mit 18 Jahren musste er in den Krieg. Es sei direkt zu Kriegsbeginn gewesen, als er aus der Schule kam: "Ich hatte eine braune Uniform an. Da wurde dann aus dem Arbeitsmann ein Soldat", berichtet Frank. Er wurde nach Russland geschickt und war bei der Schlacht von Stalingrad dabei. Im Krieg wurde der 105-Jährige zweimal verwundet. Er erlitt einen Durchschuss durch seinen linken Arm durch einen russischen Soldaten. Beim zweiten Mal traf ihn ein Granatsplitter beim Beschuss durch einen amerikanischen Panzer. "Ich wurde international verwundet", sagt er heute darüber. Ein gutes Jahr verbrachte er durch seine Verletzungen in einem Lazarett in Polen. "Die Soldatenzeit hat es in sich gehabt", erinnert sich der Cadenberger.
Von Berlin ging es für ihn zurück nach Eisenach und später nach Frankfurt. Er erlernte den Beruf des Gerichtsvollziehers und arbeitete bis zur Rente in diesem Bereich. Seine Frau hat für ihn im Büro mitgearbeitet. Die beiden lernten sich nach dem Krieg kennen und heirateten 1946. Gemeinsam zogen sie zwei Töchter auf. Das Paar hatte eine lange Ehe: 2018 verstarb die Frau von Frank nach schwerer Krankheit.
Mutter wurde bereits 102 Jahre alt
Erst seit März dieses Jahres lebt er im Seniorenheim in Cadenberge. "Bis 104 Jahre hat er noch zu Hause gewohnt", erzählt seine Tochter. Mit 102 Jahren hat er sogar noch eine neue Hüfte bekommen. Schon die Mutter von Frank wurde 102 Jahre alt. Ein richtiges Rezept, um so alt zu werden, gebe es nicht. "Die totale Routine", glaubt Storey. "Und immer jeden Mittag ein Nickerchen."
Eine Leidenschaft übte der 105-Jährige noch aus, bis er über 80 Jahre alt war: Schach spielen. Bereits sein Vater habe Schach gespielt, berichtet Storey. Frank selbst war mal Schachmeister in Thüringen. "Er hat noch lange Schach gespielt", erzählt sie. Bis heute steht ein Schachtisch in seinem Zimmer.
Der besondere Anlass zum 105. Geburtstag wird mit Freunden, Nachbarn und der Familie gefeiert. Frank hat inzwischen drei Enkel und vier Urenkel. "Ich habe die alle noch persönlich durch Augenschein kennengelernt", freut er sich. Über sein hohes Alter sagt er: "Ich habe selber nie geglaubt, dass ich mal so alt werde." Der Krieg hat ihn und sein Leben geprägt, einiges ist noch ganz klar in seiner Erinnerung, anderes nicht mehr. Aber eines weiß der 105-Jährige genau: "Ich möchte den Krieg nicht nochmal erleben."
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