Die Einrichtungen der Jugendhilfe im Landkreis haben es zunehmend mit auffälligen Kindern und Jugendlichen zu tun. Dabei befänden sich die Mitarbeitenden an der Belastungsgrenze, sagt Dezernent Friedhelm Ottens. Foto: Emmi Korhonen / dpa
Die Einrichtungen der Jugendhilfe im Landkreis haben es zunehmend mit auffälligen Kindern und Jugendlichen zu tun. Dabei befänden sich die Mitarbeitenden an der Belastungsgrenze, sagt Dezernent Friedhelm Ottens. Foto: Emmi Korhonen / dpa
Jugendhilfe

Cuxhavener Kreisverwaltung unter Druck: Zu wenig Personal für zu viel Arbeit

von Ulrich Rohde | 26.11.2025

Die Cuxhavener Kreisverwaltung kämpft mit Personalmangel und steigenden Anforderungen im Bereich Familie. Dezernent Ottens warnt vor einem Systemkollaps, während Lösungen dringend gesucht werden. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.

Der Bereich Familie in der Kreisverwaltung steht hinsichtlich der personellen Ausstattung aber auch wegen der wachsenden Aufgaben unter Dauerdruck. "Das System überdreht, läuft heiß und ist nahe dem Zusammenbruch", warnt Dezernent Friedhelm Ottens.

Unter seiner Führung wird nun gegengesteuert. Verschiedene organisatorische Anpassungen in den Fachbereichen sollen geschehen und Zuständigkeiten umgeschichtet werden, um für Entlastung zu sorgen und gleichzeitig die Wahrnehmung der Aufgaben zu gewährleisten. Dabei gibt es nur ein Problem, das sich auf einen kurzen Nenner bringen lässt: Es gibt zu viel Arbeit für zu wenige Menschen. Sowohl im sozialarbeiterischen Bereich als auch im Verwaltungsbereich sei es schwierig, geeignetes Personal zu finden, sagt Ottens.

Vakante Stellen für längere Zeit unbesetzt

Vakante Stellen blieben für länger werdende Zeiträume unbesetzt und müssten vertretungsweise wahrgenommen werden. Zudem seien Vertretungen auch für Stellen von langzeiterkrankten Mitarbeitenden erforderlich, schilderte der Erste Kreisrat im Jugendhilfeausschuss des Kreistages, der jetzt in den Cadenberger BBS zusammenkam.

Er bekomme Bauchschmerzen, wenn er sehe, dass die Zahl auffällig gewordener Kinder stark zunehme, während die Hilfestrukturen und das Personal nicht mitwüchsen. "Wohin mit diesen Kindern?", fragte Ottens. Er erlebe immer mehr Vakanzen im Allgemeinen Sozialdienst (ASD), aber auch allen anderen Fachbereichen, wegen Überlastung, Fluktuation und zunehmendem Druck. Gleichzeitig stiegen die Kosten erheblich.

Eine der Gegenmaßnahmen ist, die Jugendhilfestationen Süder-/Westerwisch und Ritzebüttel räumlich im Haus Alte Liebe, Siedelhof 31 in Cuxhaven, zusammenzulegen. Innerhalb des Stadtgebietes werde so künftig eine engere Zusammenarbeit der ASD-Teams möglich und die Sachbereichsleitung für drei ASD-Teams könne zeitlich gleichmäßig präsent sein.

Und wenn er allein daran denke, dass neue Drogen wie "Görke" - unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen verbreitete synthetische Cannabinoide, die als Liquid in E-Zigaretten verdampft werden - an Schulen im Umlauf sind, komme auf den Jugendschutz eine Riesenaufgabe zu, so Ottens.

Erstattungen durch das Land erheblich verzögert

Auch wenn die Zahl unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge im Landkreis nicht gewachsen sei, stelle die wirtschaftliche Jugendhilfe für diese Gruppe ein großes Problem dar, so Ottens. Der Landkreis strecke horrende Kosten vor und warte teilweise Monate und Jahre, bis das Land die Erstattung leiste. "Das ist so, als würde ich mit einem Überziehungskredit meine Brötchen bezahlen", so Ottens. Schließlich verblieben die zu zahlenden Zinsen im Kreishaushalt.

Das Land bei finanzieller Erstattung stärker in die Pflicht nehmen

Das gleiche Problem gebe es auch bei den Kosten für die Unterbringung von Kindern in stationären Einrichtungen. Auch hier sei das Land in der Pflicht zu zahlen, leiste aber die Erstattungen viel zu spät. Ohnehin sei es für die Rufbereitschaften des ASD schwer genug, Kinder nach Inobhutnahmen unterzubringen, weil es zu wenige Plätze in stationären Einrichtungen gebe. Möglichst bis zum 1. April kommenden Jahres soll deshalb eine neue Einrichtung für sechs- bis zwölfjährige Kinder in Bad Bederkesa entstehen. Ziel müsse es dennoch sein, mehr ambulante Hilfen anzubieten und die Zahl der Fälle zu senken.

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Ulrich Rohde

Redaktionsleiter
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