Schlingerkurs: Welche Chancen haben Landwirte im Kreis Cuxhaven?
Frischer Wind im Bauernverband: Die neue Generalsekretärin des Deutschen Bauernverbandes absolvierte in Cadenberge einen Besuch an der Basis - und nahm eine Standortbestimmung vor.
Sie ist - neben dem etablierten Präsidenten Joachim Rukwied - seit einem halben Jahr das Gesicht des Deutschen Bauernverbandes (DBV): Stefanie Sabet. Bei ihrem "Antrittsbesuch" beim Hadelner Landvolkverband legte die neue DBV-Generalsekretärin in dieser Woche einen Parforceritt durch die agrarpolitische Landschaft hin: eine Landschaft gespickt mit einem Hindernisparcours aus Investitionshemmnissen, überwuchernder Bürokratie und Wettbewerbsverzerrungen.
Sabet skizzierte zwar die Probleme, aber sie warnte auch vor Schwarzmalerei. Die Landwirtschaft sei immer noch einer der bedeutendsten und "systemrelevantesten" Wirtschaftszweige in Deutschland: "Jeder zehnte Arbeitsplatz hängt direkt oder indirekt von der Landwirtschaft ab." Der pauschalen Beschreibung eines Landwirtes bei dem Treffen in Cadenberge, dass die Perspektiven gerade für junge Leute schlecht seien, da auf vielen Höfen angesichts der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen Ratlosigkeit herrsche, konnte sie nur teilweise etwas abgewinnen. Im Gegensatz zur allgemeinen Wahrnehmung nehme insbesondere die Zahl der Ausbildenden in der Landwirtschaft zu. Dabei handele es sich auch um Quereinsteiger, die sich beruflich neu orientierten. "Die jungen Leute sind da, das Interesse auch, aber es fehlt oft noch die langfristige Planungs- und Investitionssicherheit auf den Höfen." Dass die Hofnachfolge nur in jedem dritten Fall definitiv geklärt sei, könne natürlich aber auch den Bauernverband nicht zufriedenstellen.
Standards sind nicht überall gleich
Es handele sich um viele Faktoren, die für Unsicherheit in der deutschen Landwirtschaft sorgen würden. So sei jeder Betrieb natürlich extrem abhängig von den Leitplanken, die innerhalb der EU, aber auch durch Freihandelsabkommen wie "Mercosur" oder mit Australien eingezogen werden würden. Sabet unterstrich, dass es gerade bei "Mercosur" nicht gelungen sei, die Chancengleichheit zu wahren: "Wir produzieren nicht in jedem Fall nach identischen Regeln und Standards." Gleichzeitig warnte sie in diesem Zusammenhang aber erneut vor pauschalen Aussagen. Das Abkommen biete auch Chancen für die deutsche Landwirtschaft - insbesondere bei der Milch.
Von der großen Bühne zu den Rahmenbedingungen in Deutschland: Dort sieht die Generalsekretärin des Deutschen Bauernverbandes noch reichlich Luft, um Rahmenbedingungen für die Landwirte zu verbessern. So warnte sie davor, ohne entsprechenden finanziellen Ausgleich landwirtschaftlich genutzte Flächen aus der Produktion zu nehmen, um dort Naturschutz zu betreiben.
"Regierung darf nicht draufsatteln"
Das gelte auch für Moorschutzprogramme, die gerade in der Elbe-Weser-Region angesagt seien. Mit der aktuellen Bewirtschaftung dieser Moorflächen durch Landwirte gehe auch "eine Wertschöpfung einher". Es müsse einen fairen Interessenausgleich geben. Das "Freiwilligkeitsprinzip" stehe für den Bauernverband an erster Stelle und keine Zwangsmaßnahmen, die im Extremfall auch auf eine Flächenenteignung hinausliefen. Beim Naturschutz müsse es um "kooperative Ansätze" gehen. Ein "Vorkaufsrecht" für Flächen, die lediglich das Etikett einer "Kompensationsmaßnahme" hätten, dürfe es nicht geben
Eine Abrechnung gab es bei der Landvolk-Versammlung in Cadenberge mit der Regulierungswut in Deutschland. Was nütze es den Landwirten denn, wenn der Gesetzgeber zwar eine Verordnung abschaffe, aber im nächsten Schritt zwei andere Regelungen verabschiedet werden? Für Sabet passt das nicht zusammen: "Die Regierung darf nicht ständig draufsatteln. So bedeutet ein Mehr an Produktivitätsstandards nicht auch ein Mehr an Produktivität."