"Das kann kein Mensch bezahlen" - Situation an einer Tankstelle im Landkreis Cuxhaven
An der Tankstelle in Otterndorf (Landkreis Cuxhaven) erleben Kunden und Mitarbeiter täglich, wie Spritpreise und der angekündigte Tankrabatt den Alltag beeinflussen. Unsere Reportage gibt einen Einblick in die Situation vor Ort.
Früher nachmittags, heute vormittags - die beste Zeit zum Tanken hat sich seit dem 1. April grundsätzlich verändert. Wie die Lage an den Tankstellen ist, hat sich die cnv-medien.de-Redaktion einmal beispielhaft vor dem Tankrabatt am 1. Mai an einer Tankstelle im Landkreis Cuxhaven angeguckt.
Gegen 11 Uhr ist in der Otterndorfer Tankstelle mäßiger Betrieb. Karina Martin arbeitet seit 28 Jahren an der Tankstelle. "Natürlich finden die Kunden die teuren Preise nicht toll", erzählt sie. Schimpfende Kunden halten sich jedoch in Grenzen. Vormittags ist aktuell immer noch mehr los, so extrem wie an den ersten Tagen seit dem 1. April sei es aber nicht mehr. "Da standen die Autos auf der Straße Schlange", erzählt die Ihlienwortherin. Ihr hat es richtig Spaß gemacht, als es so voll war. "Da hat man wenigstens ordentlich etwas zu tun." Ihr Kollege Patrick Dell-Missier sieht das ganz ähnlich: "Es muss voll sein." Martin und auch ihre Chefin Dörte Johannsen schätzen die gerade beruhigte Lage gleich ein: "Die Menschen warten jetzt vermehrt auf den Tankrabatt."

An einer Tankstelle muss nicht nur abkassiert werden: Putzen, Auffüllen, Ware annehmen, Bestellungen machen oder auch morgens Brötchen schmieren. Das und vieles mehr gehört zu den Aufgaben von Martin. "Zu tun haben wir immer etwas", sagt sie. Auch Dinge des täglichen Bedarfs und regionale Produkte werden an der Tankstelle verkauft.
Skepsis gegenüber dem Tankrabatt ab Mai
"Ach, das wird immer teurer", sagt ein Kunde, der sein Auto waschen will. Die Menschen kommen nicht nur zum Tanken. Manche kaufen auch nur Zigaretten oder etwas zu trinken. Die Kommunikation zwischen Mitarbeitern und Kunden beschränkt sich meist auf ein freundliches Minimum. "Meistens ist es ein Hallo, Tschüss und einen schönen Tag noch", meint die Tankstellenmitarbeiterin.
Ab 11.30 Uhr macht sich ein leichter Anstieg an Kunden bemerkbar. Unter ihnen ist auch Jennifer Kania-von Deesten, die vorher die Preise verglichen hat. "Ich tanke aktuell aber immer nur für 50 Euro", erzählt sie. In Bezug auf ihre Erwartungen zum angekündigten Tankrabatt sagt die Nordledaerin: "Ich erwarte schon gar nichts mehr." Zu dieser Zeit kostet der Liter Diesel 2,11 Euro, Benzin 2,09 Euro und E10 2,03 Euro.
An der Otterndorfer Tankstelle sind immer mindestens zwei Mitarbeiter vor Ort. Zehn Minuten vor der Erhöhung sind beide Kassen in Betrieb, sodass sich keine lange Wartezeit ergibt. Die Otterndorferin Svenja Röfer ist dienstlich unterwegs und hat nicht auf den Preis geguckt. Privat werde sie wohl erst nach dem 1. Mai wieder tanken. Sie hofft, dass der Rabatt etwas bringt. "Meine Erwartungen sind aber nicht zu hoch, damit man nicht enttäuscht wird", so Röfer.
Kundin vom Preis kurz nach 12 Uhr geschockt
Kurz nach 12 Uhr dann der Anstieg: Diesel kostet 2,94 Euro, Benzin 2,87 Euro und E10 2,81 Euro. Der immense Preisunterschied überrascht selbst die Mitarbeiter - es ist der aktuelle Höchststand. Der Preis verändere sich aber schnell wieder, berichtet Martin. Eine Kundin kommt in den Laden: "2,87 Euro, stimmt das? Weil meine App sagt noch 2,09 Euro." Martin erklärt ihr, dass die Apps oft länger brauchen, um den aktuellen Preis anzuzeigen. Die Kundin ist geschockt: "Sie können ja nichts dafür, aber das ist ja der Hammer. Das kann doch kein Mensch mehr bezahlen." Kopfschüttelnd verlässt sie die Tankstelle wieder - ohne zu tanken.
Eine Viertelstunde später sinken die Preise bereits wieder um knapp 60 Cent. In der Tankstelle ist weiterhin Betrieb, aber merkbar weniger als vor 12 Uhr. Eine ältere Dame geht an die Kasse von Dell-Missier zum Bezahlen. "Ich tanke immer nur für 20 Euro, da merkt man nicht, dass der Sprit so teuer ist", sagt sie zu ihm, bevor sie wieder zu ihrem Auto geht.
