Das "lütte Wacken" des Cuxlandes: "Scholien Rocks" in Neuenkirchen
Es ist eine Erfolgsgeschichte in der Provinz: "Scholien Rocks" rockt nicht nur Neuenkirchen. Binnen weniger Jahre hat sich das kleine Festival etabliert, Bands rufen von sich aus an, um dort gegen eine Mini-Gage auftreten zu können. Warum?


Kennen Sie den Unterschied zwischen dem Altenbrucher "Schlüsenchor" und dem Musikzug "Firefighters" der Feuerwehr in Wacken? Nein? Es gibt auch keinen, denn beide haben das Privileg, ein Festival zu eröffnen. Die "Firefighters" in Wacken vor 85.000 Zuhörern, der "Schlüsenchor" bei "Scholien Rocks" in Neuenkirchen vor einer (doch etwas) kleineren Kulisse. Am Freitag und Sonnabend ging die Veranstaltung in Scholien über die Bühne - und wie!
Dieses "kleine Wacken des Cuxlandes" ist auf den ersten Blick völlig unscheinbar. Während des ganzen Jahres hängt an einer Scheune dort zwar ein "SCHOLIEN ROCKS"-Transparent. Doch das war's dann auch schon für den ahnungslosen Betrachter. Aber hinter der Scheune wird seit Jahren in jedem August eine riesige und bunte Wundertüte geöffnet. Dann verwandelt sich der Schröder-Hof in eine Festival-Pilgerstätte, zu der Hunderte per Rad, zu Fuß oder per Auto unterwegs sind. "Das fing alles winzig an. Da saßen wir in der Corona-Zeit zusammen, brauchten irgendwie Abwechslung - und dann kam die Idee mit einem Konzert unter Corona-Bedingungen", sagt Mitorganisator Florian Klose.
Corona ist vorbei; geblieben ist die Idee mit den Band(s). Zum Glück. Inzwischen ist "Scholien Rocks" mehr als ein Geheimtipp, sondern etabliert sich: Elf Bands standen an zwei Tagen auf der Bühne - von "5th Avenue" bis "Trusty-Chords". Riesige Gagen können die Organisatoren natürlich nicht zahlen. Müssen sie aber auch nicht. Klose: "Wir bekommen mittlerweile Anfragen von Bands, ob sie bei uns auftreten dürfen." Können sie - und zwar im nächsten Jahr wieder im August.
Am Wochenende brachten die Musikerinnen und Musiker den Marschboden wieder zum Beben. Aber nicht nur die Musik zeichnet das Festival aus, sondern auch die ebenso urige wie familienfreundliche und seniorengerechte Atmosphäre. Denn rund um die Bühne war erneut eine Budenstadt entstanden, bei der schon vor den ersten Bässen und Riffs reichlich Abwechslung geboten wurde. Man konnte sich (leicht vergängliche) Tattoos verpassen lassen, die schon nach der nächsten Dusche verschwinden, eine riesige Dartscheibe wurde mit Fußbällen traktiert und selbst für ein Sorgentelefon mit Wählscheibe ("Nur für Selbstgespräche") war gesorgt. Neu auch: eine Boxbude, bei der man gegen Münzeinwurf mal so richtig auf einen Punchingball eindreschen konnte. "Das Ding haben wir uns gegönnt", sagt Florian Klose vom "Scholien Rocks"-Vorstand.
Er und seine Mitstreiter waren vollauf zufrieden mit ihrem Event: "Im nächsten Jahr gibt's einen neuen Anlauf." Doch zuvor - am 6. November - wollen sie gemeinsam mit anderen Vereinen ein weiteres Konzerterlebnis und ein Kinderfest im Dorfgemeinschaftshaus organisieren. "Da haben wir Bock drauf" - und wohl niemand Zweifel am Gelingen ...
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