Österreicher würdigen Einsatz einer Gruppe aus dem Kreis Cuxhaven
Deutsch-österreichische Zusammenarbeit bei der Pflege von Kriegs- und Opfergräbern: Das Innenministerium dankt Jugendlichen und Reservisten für Engagement auf Wiener Zentralfriedhof.
Auf Einladung des österreichischen Bundesinnenministeriums und unter Teilnahme des Botschafters der Bundesrepublik Deutschland in Österreich, Vito Cecere, ist ein Pflegeeinsatz des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge in Wien abgeschlossen worden. Dabei spielten Jugendliche aus dem Cuxland und Reservisten aus der Wingst eine zentrale Rolle.
Wie berichtet, hat die Reservistenkameradschaft Wingst und Umgebung in den vergangenen Jahren bereits zahlreiche Einsätze im europäischen Ausland absolviert, um Kriegs- und Opfergräber auf Friedhöfen zu pflegen. Unter anderem wurden und werden verwitterte Grabsteine in Handarbeit hergerichtet und Inschriften erneuert. Die Besonderheit bei dem Einsatz auf dem Wiener Zentralfriedhof: Erstmals mit dabei waren neben den Wingster Reservisten auch acht Jugendliche im Alter von 14 bis 16 Jahren aus dem Landkreis Cuxhaven, die den Einsatz im Rahmen eines Pilotprojekts eine Woche unterstützten. Die Jugendlichen leisteten nicht nur einen aktiven Beitrag auf der Kriegsgräberanlage, sondern erhielten dabei auch Einblicke in die Geschichte.
Eine Gedenkveranstaltung zum Abschluss des Einsatzes fand auf der Kriegsgräberanlage "Gruppe 97" am Wiener Zentralfriedhof statt, die im vergangenen Jahr vom Volksbund an die Republik Österreich zurückgegeben worden war.
Wingster hielt die Gedenkansprache
Nach einer Begrüßung durch Stephan Mlczoch, den für die Kriegs- und Opfergräberfürsorge zuständigen Abteilungsleiter im Innenministerium, hielt der Wingster Oberstabsfeldwebel Rolf Lewerenz seitens der Reservistenkameradschaft die Gedenkansprache. Unter seiner Regie wurden im Rahmen des 14-tägigen Pflegeeinsatzes insbesondere Sanierungsarbeiten an der Grabinfrastruktur erledigt und die Lesbarkeit etlicher Grabinschriften verbessert.
Das österreichische Bundesministerium unterstützte die Aktivitäten inhaltlich sowie organisatorisch und lud zu einem internationalen Austausch in die historischen Räumlichkeiten des Innenministeriums sowie zu einer Führung über den Zentralfriedhof ein.
Nach einer gemeinsamen Kranzniederlegung durch das Innenministerium, die deutsche Botschaft, den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und das Österreichische Schwarze Kreuz erfolgte im zweiten Teil der Veranstaltung die symbolische Beisetzung von zwei Urnen. Bereits im Vorjahr konnten durch die zuständige Abteilung für historische Angelegenheiten im Innenministerium die Beisetzungen menschlicher Präparate von Opfern der Kindereuthanasie erfolgen. Der Gedenkakt fand damals in Anwesenheit von Innenminister Gerhard Karner und Vizekanzler Andreas Babler statt.
Enkelin las Brief ihres getöteten Großvaters vor
Die Biografien der beiden hingerichteten Soldaten wurden von der Generaldirektorin des Naturhistorischen Museums Wien, Katrin Vohland, und der Leiterin des Archivs des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstandes, Ursula Schwarz, verlesen. Ein vorgetragener Brief der Enkeltochter eines der Opfer, die symbolische Beisetzung von Urnen, die Verlesung des Totengedenkens des deutschen Bundespräsidenten durch den deutschen Botschafter und die von der Polizeimusik Wien gespielten Hymnen rundeten die Gedenkveranstaltung ab.
Die "Gruppe 97" wurde im Januar 2025 vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. in die Verantwortung der Republik Österreich übergeben. Auf Basis einer Kooperationsvereinbarung zwischen dem Volksbund und dem Bundesministerium für Inneres findet eine enge Zusammenarbeit statt.
Die Gräber fallen unter den Schutz der "Kriegsgräberfürsorgegesetze von 1948" und sollen somit dauerhaft und würdig erhalten werden. Diese historische Verantwortung wird vom österreichischen Innenministerium durch die "Friedhöfe Wien GmbH" wahrgenommen.
Kriegsgräberanlagen wie die "Gruppe 97" dokumentieren die grausamen Folgen eines Vernichtungskrieges und dienen den Hinterbliebenen auch mehr als 80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges als Ort der persönlichen Trauer. "Sie sind Mahn- und Gedenkorte sowie authentische historische Lernorte, die im Rahmen von Bildungsprojekten insbesondere auch junge Menschen dazu anregen können, sich mit der Geschichte näher auseinanderzusetzen und Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen", heißt es in einer Mitteilung des Ministeriums.
"Wichtiger Beitrag zur Jugendbildung"
Insgesamt stelle das "zukunftsweisende Pilotprojekt" mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus dem Cuxland einen "wichtigen Beitrag zur Jugendbildung" dar. Es verbinde "in idealer Weise praktische Arbeit auf den Gräbern mit Demokratiebildung und Friedensarbeit". Außerdem unterstreiche es die Rolle Österreichs als Partnerland der diesjährigen Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag im Deutschen Bundestag am 15. November, bei der auch der österreichische Bundespräsident Alexander Van der Bellen reden werde. (red/es)
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