"Wichtiger Schritt" für Region Cuxhaven: Jubel und Kritik am Ausbau der A20
Die Freigabe für den ersten A20-Abschnitt in Niedersachsen ist erteilt. Befürworter sprechen von einem überfälligen Schritt, Kritiker äußern warnende Worte.
Die A20 kann weitergebaut werden: Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) hat am Dienstag die nötigen Finanzmittel freigegeben. Für die einen bedeutet das, Klimaschutz mit Füßen zu treten, für die anderen ganz neue wirtschaftliche Möglichkeiten und Vorteile im europäischen Wettbewerb.
Schnieder gab insgesamt sieben Autobahn-Neubauprojekte in Deutschland frei - darunter auch die beiden baureifen Abschnitte der A20 im Ammerland und bei Bad Segeberg in Schleswig-Holstein.

Besonders großer Kritikpunkt der Initiativen gegen die A20 ist die Finanzierung neuer Straßenprojekte aus dem Sondervermögen "Infrastruktur und Klimaschutz". "Der Neubau von Straßen fördert den klimaschädlichsten Verkehrsträger - und gerade die Moorautobahn zerstört enormes Potenzial für natürlichen Klimaschutz", sagt Uwe Schmidt, Sprecher der Initiativen.
"Es ist ein Sonderfall und kein Präzedenzfall"
Schmidt betont zudem, dass der bevorstehende Bau des ersten Abschnitts im Ammerland keinerlei Aussagekraft für die restlichen Teile der Trasse habe. Während für "Abschnitt 1" ein älterer Planfeststellungsbeschluss gelten soll, unterliegen alle weiteren Bereiche dem neuen Klimaschutzgesetz. "Der erste Abschnitt ist ein Sonderfall - kein Präzedenzfall", meint Uwe Schmidt, der ergänzt: "Daraus abzuleiten, dass die übrigen, deutlich umstritteneren Abschnitte nun automatisch folgen, wäre falsch."

Ganz anders bewertet es der Cuxhavener CDU-Bundestagsabgeordnete Christoph Frauenpreiß: "Versprechen gehalten. Was baureif ist, wird gebaut. Und das setzen wir jetzt um."
Laut Koalitionsausschuss sollen zwischen 2026 und 2029 drei Milliarden Euro zusätzlich für die Erhaltung von Brücken und Tunneln im Bundesfernstraßennetz bereitgestellt werden - auch für die A20 zwischen Westerstede und Jaderberg. Frauenpreiß: "Ein wichtiger Schritt für unsere Region. Nun können die Ausschreibungen beginnen." Auch Christoph Ploß, Koordinator der Bundesregierung für maritime Wirtschaft und Tourismus, kündigte an, dass "bereits 2026 die Bagger rollen" sollen.
Vier Spuren, Rastplätze und Lärmschutzwälle
Der Vorsitzende der Hafenwirtschaftsgemeinschaft (HWG) Cuxhaven, Kapitän Arne Ehlers, betont die Bedeutung der Trasse unter anderem für die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands. In erster Linie seien es jedoch wirtschaftspolitische Gründe, die für die A20 sprächen. "Wir begrüßen es sehr, dass nun die nächsten Abschnitte in die Umsetzung kommen. Lieber wäre es uns natürlich, wenn der Bau gleich komplett abgeschlossen werden würde", sagt Ehlers und ergänzt: "Wir brauchen die Ost-West-Verbindung, um Skandinavien und Nordosteuropa besser anzubinden."
Der HWG-Vorsitzende verweist auch auf die spezifischen Vorteile für Cuxhaven. "Entweder müssen wir derzeit bis zum Bremer Kreuz oder über die B73. Als Windenergiedrehscheibe wird die A20 daher enorm wichtig. Wir erschließen dadurch ganz neue Absatz- und Quellregionen. Wir erweitern durch den Bau unsere Zielgebiete und auch die Mobilität der Bürger wird erhöht."

"Der Abschnitt gefährdet Flugkorridore"
Kritische Stimmen gibt es derweil bundesweit vom NABU. Naturschutzreferent Thomas Behrends betont gegenüber cnv-medien.de: "Wir lehnen den Bau der A20 ab - das gilt grundsätzlich für neue Autobahnen mit Blick auf Klima- und Naturschutz." Dennoch wurde für den Abschnitt bei Bad Segeberg kürzlich eine Vereinbarung zwischen NABU, BUND und Verkehrsministerium getroffen.
Besonders sensibel ist der Bereich rund um die Segeberger Kalkberghöhlen - das wichtigste Winterquartier für Fledermäuse in Nordeuropa. "Der geplante Abschnitt gefährdet traditionelle Flugkorridore", warnt Stefan Lüders, Leiter der NABU-Landesstelle Fledermausschutz. Geschützte Dunkelkorridore seien unverzichtbar.
Die Vereinbarung umfasst daher unter anderem eine Stiftung, die gezielt Grundstücke sichert, um die Erreichbarkeit der Höhlen für die Tiere langfristig zu gewährleisten.