Die Kombination aus hohen Temperaturen und feuchter Luft könnte für eine gefühlte Temperatur von deutlich über 30 Grad im Kreis Cuxhaven sorgen. Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa
Die Kombination aus hohen Temperaturen und feuchter Luft könnte für eine gefühlte Temperatur von deutlich über 30 Grad im Kreis Cuxhaven sorgen. Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa
Sommerhitze und Gewittergefahr

Der Kreis Cuxhaven steuert auf schwüle Tage zu: Ärzte warnen vor Gesundheitsrisiken

von Tamina Francke | 16.06.2026

Nach dem kühlen Wochenstart wird es im Cuxland deutlich wärmer: Zum Wochenende sind bis zu 30 Grad möglich. Doch mit den Temperaturen steigen auch die Risiken. Was die Kliniken in der Region beobachten und worauf Menschen jetzt achten sollten.

Nach einem für Mitte Juni ungewöhnlich kühlen Wochenbeginn stellt sich das Wetter im Landkreis Cuxhaven um. Die Temperaturen steigen von Tag zu Tag an, zum Wochenende sind sogar bis zu 30 Grad möglich. Gleichzeitig bleibt die Wetterlage jedoch unbeständig. Neben viel Sonnenschein rechnen Meteorologen mit Schauern, Gewittern und einer zunehmend schwülen Luftmasse. Gesundheitsexperten warnen deshalb vor den Belastungen durch die Hitzewelle.

"Der Anfang der Woche bleibt noch recht frisch. Erst ab Mittwoch geht es los", erklärt Annett Püschel vom Deutschen Wetterdienst im Gespräch mit CNV-Medien. Die Meteorologin erwartet zwar deutlich steigende Temperaturen, ein stabiles Sommerhoch sei derzeit aber nicht in Sicht. Stattdessen bleibe das Wetter wechselhaft.

Am Mittwoch (17. Juni 2026) werden im Kreisgebiet Höchstwerte um 22 Grad erreicht. Am Donnerstag (18. Juni 2026) steigt das Thermometer bereits auf etwa 25 Grad. Damit wäre erstmals in dieser Woche die Schwelle zu einem offiziellen "Sommertag" erreicht. Trotz freundlicher Abschnitte sind nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes auch dann einzelne Schauer möglich.

Der Freitag (19. Juni 2026) könnte zum bislang heißesten Tag des Jahres werden. Dabei sind Temperaturen von bis zu 30 Grad denkbar. Ab dieser Marke sprechen Meteorologen von einem "Hitzetag". Die Sonne dürfte sich häufig zeigen, gleichzeitig steigt aber die Wahrscheinlichkeit für Schauer und Gewitter am Nachmittag und Abend.

Auch am Sonnabend (20. Juni 2026) bleibt es hochsommerlich warm. Die Temperaturen liegen voraussichtlich zwischen 28 und 29 Grad. Nach Einschätzung von Püschel besteht dann erneut die Gefahr kräftiger Gewitter. Vor allem dort, wo sich Gewitterzellen entwickeln, können größere Regenmengen und starke Windböen auftreten.

Am Sonntag (21. Juni 2026) geht die Temperatur leicht zurück. Mit Werten um 26 Grad bleibt es zwar warm, die Wetterlage zeigt sich aber weiterhin wechselhaft. Auch für die darauffolgende Woche deutet sich keine grundlegende Wetteränderung an. Die Temperaturen sollen dann überwiegend unter 25 Grad bleiben.

Nach einem kühlen Wochenbeginn wird es deutlich wärmer. Zum Wochenende sind im Landkreis Cuxhaven Temperaturen von bis zu 30 Grad möglich. Foto: Heike Leuschner

Schwüle Luft macht die Hitze belastender

Auffällig wird in den kommenden Tagen vor allem die hohe Luftfeuchtigkeit sein. "Mit der wärmeren Luft gelangt zunehmend Feuchtigkeit nach Norddeutschland. Dadurch entsteht eine schwüle Wetterlage, die viele Menschen als besonders belastend empfinden", so die Expertin gegenüber cnv-medien.de.

Während die tatsächlichen Temperaturen am Freitag und Sonnabend knapp an die 30-Grad-Marke heranreichen könnten, liegt die gefühlte Temperatur deutlich höher. Werte von bis zu 35 Grad sind möglich. Verantwortlich dafür ist die hohe Luftfeuchtigkeit. Sie erschwert die Verdunstung von Schweiß auf der Haut und damit die natürliche Kühlung des Körpers. Die Temperaturen fühlen sich deshalb oft deutlich höher an, als sie tatsächlich sind. Gerade für ältere Menschen, Kleinkinder und Personen mit Vorerkrankungen kann diese Kombination aus Wärme und Feuchtigkeit zur Belastung werden.

Mehr Krankenhausaufnahmen in heißen Jahren

Wie stark hohe Temperaturen die Gesundheit beeinflussen können, zeigen aktuelle Daten der AOK Niedersachsen und des Niedersächsischen Landesgesundheitsamtes. Auswertungen der Jahre 2018 bis 2024 belegen einen deutlichen Zusammenhang zwischen Hitzeperioden und Krankenhausaufnahmen.

In den besonders warmen Jahren 2018, 2019 und 2022 wurden rund 13 Prozent mehr Menschen wegen Dehydrierung stationär behandelt als in den übrigen untersuchten Jahren. Durchschnittlich mussten in diesen Sommern jährlich 1157 Patientinnen und Patienten wegen Flüssigkeitsmangels ins Krankenhaus. In den anderen Jahren lag die Zahl bei 1024.

"Wir müssen uns darauf einstellen, dass die Anzahl der Hitzetage in Zukunft weiter zunimmt", erklärt NLGA-Präsident Dr. Fabian Feil. Die Folgen könnten für Betroffene schwerwiegend sein und gleichzeitig das Gesundheitssystem zusätzlich belasten. Neben Flüssigkeitsmangel und Kreislaufproblemen treten bei hohen Temperaturen vermehrt Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Infektionen, psychische Belastungen sowie Beschwerden der Atemwege auf. Auch bereits bestehende Erkrankungen können sich verschlimmern.

Jennifer Schroth, Geschäftsführerin des Krankenhauses Land Hadeln in Otterndorf, sieht die Region durch die Nähe zur Nordsee und die häufige Brise vergleichsweise gut auf heiße Tage vorbereitet. Foto: Kramp

Küstenklima wirkt teilweise entlastend

Im Krankenhaus Land Hadeln in Otterndorf wird die Situation etwas entspannter bewertet. Geschäftsführerin Jennifer Schroth berichtet auf Nachfrage der CN/NEZ-Redaktion, dass an besonders heißen Tagen bislang keine auffällige Zunahme von Notfallpatienten festgestellt werde. "Wir haben hier häufig noch einen Windzug. Die Nähe zum Wasser sorgt eher für bessere Bedingungen als beispielsweise in größeren Städten", sagt sie.

Dennoch kommen auch dort hitzebedingte Beschwerden wie Sonnenstich oder Hitzschlag vor. Besonders betroffen seien Kinder und ältere Menschen. Im Krankenhaus werde auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet. Patienten erhalten bei Bedarf dünnere Decken und werden möglichst in abgedunkelten Zimmern untergebracht. Für Mitarbeitende stehen ganzjährig Wasser und Mineralwasser zur Verfügung.

Lima Jafari-Konermann, Chefärztin der Zentralen Notaufnahme der Helios Klinik Cuxhaven, beobachtet bei hohen Temperaturen vermehrt Patientinnen und Patienten mit Kreislaufproblemen, Schwindel und Flüssigkeitsmangel. Foto: Helios Klinik Cuxhave

In der Helios Klinik Cuxhaven beobachtet die Zentrale Notaufnahme regelmäßig die Folgen hoher Temperaturen. Chefärztin Lima Jafari-Konermann berichtet gegenüber CNV-Medien von Patientinnen und Patienten mit Kreislaufproblemen, Schwindel, Erschöpfungszuständen und Flüssigkeitsmangel. Zudem könnten sich bestehende Herz-Kreislauf- oder Lungenerkrankungen durch die Hitze verschlechtern.

Gerade in einer Tourismusregion wie Cuxhaven komme hinzu, dass viele Urlauber viel Zeit im Freien verbringen. Strandbesuche, Fahrradtouren oder längere Aufenthalte in der Sonne erhöhten das Risiko für gesundheitliche Beschwerden.

Viel trinken und die Mittagssonne meiden

Mit Blick auf die bevorstehenden warmen Tage raten Mediziner zu einfachen, aber wirksamen Schutzmaßnahmen. Wichtig sind eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, Sonnenschutz und möglichst wenig körperliche Anstrengung während der heißesten Stunden des Tages. Wer sich im Freien aufhält, sollte eine Kopfbedeckung tragen und besonders ältere Angehörige oder Nachbarn im Blick behalten.

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Tamina Francke

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

tfrancke@no-spamcuxonline.de

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