Die „Wilhelm Krooss“ liegt vertäut in der Süderelbe, umgeben von Eis. Foto: Klempow
Die „Wilhelm Krooss“ liegt vertäut in der Süderelbe, umgeben von Eis. Foto: Klempow
Auf Visite am Fähranleger

Eine eisige Blockade: Elbfähre Wischhafen-Glückstadt gestoppt - die Lage vor Ort

05.02.2026

Eisige Temperaturen und starker Ostwind legen den Fährverkehr zwischen Wischhafen und Glückstadt lahm. Die Schiffe der FRS-Elbfähre stecken fest im Eis - was für einen imposanten Anblick sorgt.

Eisiger Morgen, Niedrigwasser. Die "Wilhelm Krooss" und die "Wischhafen" der FRS Elbfähre liegen fest vertäut in Wischhafen. Der Anleger ist hochgefahren, ein Schild auf der Straße: "zur Zeit außer Betrieb".

Warum zwischen Wischhafen und Glückstadt derzeit nichts geht, ist zu hören. Es knirscht, knarzt und rumpelt. Die Fährschiffe sitzen fest im Eis. Die "Wilhelm Krooss" scheint kaum zu schwimmen. Stattdessen liegt sie in einer Eiswüste. Wenn Stahl sich sachte an Eisschollen reibt, knirscht es.

"Zur Zeit außer Betrieb", ist auf dem Schild zu lesen. Foto: Klempow

Aber es pfeift auch. Der Ostwind macht aus 6 Grad Minus an diesem Morgen gefühlte Polartemperaturen. Über die Elbe weht es eisig. Ein Auto rollt heran, ein älterer Mann mit Elbsegler auf dem Kopf guckt übers Steuer aufs Wasser, fährt einen Törn rund um den Parkplatz. Er steigt nicht aus. Den Wind kann er sich sparen, er will nur mal aufs Eis gucken. Es sind so einige, die sich ihr Bild vom Eis machen wollen.

Keine Überfahrt nach Glückstadt - Eisgang auf der Elbe. Foto: Klempow

Seit Freitag (30. Januar 2026) ruht der Fährverkehr. Dass die Elbfähre massive Probleme in der verschlickten Süderelbe hat, ist bekannt und behindert den Betrieb bei extremem Niedrigwasser unabhängig von den Jahreszeiten immer wieder.

Eiszeiten treffen aufeinander: Sommerwünsche und Winterwetter am Fähranleger. Mit Speiseeis sind aktuell wohl nur wenige zu locken. Foto: Klempow

Elbstrom zieht das Wasser aus der Süderelbe

Seit Tagen weht der Wind kräftig aus dem Osten, drückt die Elbe in die Nordsee. Damit zieht der Elbstrom das Wasser aus der Wischhafener Süderelbe.

Die Elbfähre Wischhafen-Glückstadt ist derzeit außer Betrieb. Die Schiffe liegen im Eis. Foto: Klempow

"Bei uns kommen jetzt zwei Faktoren zusammen", sagt FRS-Geschäftsführer Tim Kunstmann. Das WSA, das Wasser- und Schifffahrtsamt, sei zuständig dafür, die Wasserstraße freizuhalten. Aber das werde nicht gemacht, so Kunstmann. Kurz klingt er gefrustet.

Zwei Fährschiffe haben in Wischhafen festgemacht. Foto: Klempow

"Das ist, als wäre es eine Bundesstraße oder eine Autobahn - und die Straßenmeisterei sagt, wir räumen nicht." Die Elbfähre verbindet eine Bundesstraße zwischen Niedersachsen und Schleswig-Holstein. "Also haben wir selbst einen Eisbrecher bestellt, auf eigene Kosten", so Kunstmann. "Damit die Wischhafener Süderelbe nicht komplett einfriert." Gelöst ist das Problem damit nicht.

Die Elbfähre liegt aktuell im Eis. Foto: Klempow

Fahrrinne zum Anleger ist schlecht ausgebaggert

Weil die Süderelbe schlecht ausgebaggert sei, gebe es keine Strömung - "und die aufgebrochenen Eisschollen werden nicht aus der Süderelbe geströmt." Durch den Ostwind sei noch weniger Wasser in der Zufahrt zum Anleger, damit komprimiere sich noch mehr Eis auf weniger Wasser.

Die Verkehr der Elbfähre ist bis einschließlich Dienstag, 10. Februar 2026, eingestellt - mindestens. Foto: Klempow

Der Wasserstand auf dem Weg zum Anleger in Wischhafen ist extrem niedrig, bestätigt Wolfgang Kilian. Er war 36 Jahre lang Nautischer Leiter der Elbfähre. "Zwischen ein Meter und einsfünfzig weniger als sonst", sagt er mit Blick auf den Niedrigwasser-Pegel in der Süderelbe. Dass in der Fährzufahrt ohnehin zu wenig Platz ist, "das ist unser größtes Manko".

Wolfgang Kilian im September 2022 auf der Brücke der Elbfähre. Foto: Helfferich

Fähren schieben Eisschollen zusammen

Bei eisigen Temperaturen haben es die Fähren zusätzlich schwer. Sie sind in ihrer Form wie ein Ponton gebaut. "Eine Fähre drückt das Eis nicht weg und hat nicht genug Tiefgang", erklärt Kilian. Sie schiebt die Eisschollen nur weiter zusammen und übereinander.

Auch im Februar 2010 legte Eis die Fähre lahm. Wolfgang Kilian (2.v.r.) und seine Crew sägten Eisblöcke aus der Elbe und nutzten sie als Außenmobiliar. Foto: Helfferich

Außerdem müssen die Fähren drehen. In der Süderelbe ballt sich das Eis somit zu immer größeren Blöcken. Solange der Wind nicht dreht und die Tide nicht höher aufläuft, wird das so bleiben.

Schlepper in Glückstadt im Einsatz

Zum Hochwasser kommt die Sonne heraus, aber die Eisschollen bleiben trotz des höheren Wasserstands fest an ihrem Platz. Der gecharterte Schlepper pflügt am Anleger in Glückstadt durchs Wasser. Zum letzten Mal, das weiß Kilian noch, war ein Schlepper als Eisbrecher 2020 und davor Anfang März 2018 vor dem Anleger im Einsatz.

Bis vor sechs Jahren waren die Fährschiffe noch mit grauem Anstrich unterwegs. Auch im März 2018 musste ein Schlepper die Einfahrt zum Anleger freihalten. Foto: Kilian

Immer wieder rollen Autos heran, die meisten mit STD-Kennzeichen. Die Insassen steigen aus, ziehen sich Kapuzen fest über den Kopf, zücken die Handys und bieten dem Wischhafener Eiswind die Stirn. Mal eben Eis gucken. Die Aussichten dafür sind in den kommenden Tagen gut. Für den Fährverkehr bleibt die Wettervorhersage schlecht. Bis einschließlich Dienstag, 10. Februar 2026, ist der Fährbetrieb definitiv eingestellt.

Von Grit Klempow

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