Energiegenossenschaft Otterndorf will Platz an der Sonne
Otterndorf. Die Energiegenossenschaft Otterndorf plant auf einer 3,46 Hektar großen Fläche hinter dem Hagebaumarkt einen eigenen Solarpark. Bürger können sich beteiligen. Neben der Erzeugung von Solarstrom sollen Schafe unter den Modultischen weiden.
Sonne boomt: Das Land Niedersachsen will in den nächsten 20 Jahren 65 Gigawatt Solarenergieleistung installieren, gut drei Viertel auf Dächern und versiegelten Flächen, den Rest auf freier (Acker-)Fläche. Auch in der Samtgemeinde Land Hadeln gibt es konkrete Pläne für Solarparks. Das neueste Projekt kommt von der Energiegenossenschaft Otterndorf, die auf einem knapp fünf Fußballfelder großen Areal hinter dem Hagebaumarkt eine Freiflächen-Fotovoltaikanlage errichten will. Die Bürgerinnen und Bürger können sich an dem Projekt beteiligen.
Die Fläche, um die es geht, liegt im Südwesten der Medemstadt, zwischen Tivoliweg und Hagebaumarkt, und gehört der Otterndorfer Familie Eulenstein, die das Gelände seit zehn Jahren nach Demeterrichtlinien - also komplett ohne Pflanzenschutzmittel und Mineraldünger - ökologisch bewirtschaftet. Auf der Fläche weiden Schafe - und das soll auch in Zukunft so bleiben, wenn dort Solarmodule stehen. "Landwirtschaft und Schafhaltung werden unter der Freiflächenanlage in vollem Umfang wie bisher weiterbetrieben", sagt Dr. Silke Eulenstein, die auch im Vorstand der Energiegenossenschaft mitwirkt. Die Fotovoltaikmodule werden auf Modultischen in der sogenannten "Schaf-Höhe" von mindestens 80 Zentimetern montiert, sind also untenrum von den Wolllieferanten passierbar. Auch die Artenvielfalt haben die Solarpark-Planer im Blick: Silke Eulenstein spricht von einer großflächigen Blühwiese, die Insekten Nahrung und Heimat bieten wird. "Zusammen mit den Hecken und dem Uraltbestand an Bäumen wird hier ein Dauergrünland-Hecken-Baum-Biotop geschaffen."
Energiewende vor Ort mit Bürgerbeteiligung
Die Eulensteins stellen die 3,46 Hektar große Fläche für die Solarpläne der Energiegenossenschaft zur Verfügung und "schenken" der Stadt damit quasi ein Energieprojekt. "Das ist soziale Energiewende”, meinen die Vorstandsmitglieder Maria C. Jarowoy, Jochen von Stemmen und Silke Eulenstein. Das Besondere an dem Vorhaben: Die Beteiligung an der "Energiewende vor Ort" ist für interessierte Bürger möglich. Jeder kann mitmachen und sich an dem Solarpark beteiligen. "Uns ist wichtig, dass solche Projekte nicht nur von monopolistischen Großkonzernen realisiert werden", sagt Silke Eulenstein. Das genossenschaftliche Modell sei in vielerlei Hinsicht nachhaltig.
Einen Termin für einen Baustart hat die Otterndorfer Energiegenossenschaft noch nicht. Das Projekt muss zunächst den behördlichen Gang beschreiten. Der Errichtung von Freiflächen-Fotovoltaikanlagen ist nicht privilegiert. Das heißt: Der Flächennutzungsplan der Samtgemeinde Land Hadeln muss geändert werden, außerdem muss die Stadt einen Bebauungsplan für die Ausweisung eines Sondergebietes für solare Energieerzeugung aufstellen. Die Raumordnung, in dem das Land und die Kommunen festlegen, was sie
sich auf ihren Flächen wünschen, sollte keine Hürde sein, zumal angesichts von Klimawandel und Energie-Krise landes- und bundespolitisch heute ein anderer Wind weht. Am Dienstag, 1. November, stellen die Solarpark-Initiatoren ihre Pläne im öffentlich tagenden Bauausschuss der Stadt Otterndorf (19 Uhr in den Seelandhallen) vor.