Neue Spuren im Mordfall: Zahlreiche Hinweise zu führerlosem Boot vor Cuxhaven
Nach dem Aufruf bei "Aktenzeichen XY ... ungelöst" gehen bei der Polizei zahlreiche Hinweise zum rätselhaften Tod eines Hamburger Unternehmers ein. Der Fall führt bis in die Nordsee vor Cuxhaven, wo das führerlose Boot entdeckt wurde.
Nach einem Beitrag der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY ... ungelöst" zu einer 2024 im Wattenmeer gefundenen Wasserleiche haben sich sehr viele Menschen mit Hinweisen bei der Polizei gemeldet. "Bis Mittwochabend sind etwa 50 Hinweise eingegangen", sagte eine Sprecherin der Polizei in Flensburg am Morgen der Deutschen Presse-Agentur.
Wertvoller Hinweis sowie Fotos und Videos gehen bei der Polizei ein
"Die werden jetzt natürlich alle sortiert und bewertet. Ein Hinweis aus dem direkten, unmittelbaren Umfeld des Toten war den Ermittlern zufolge so wertvoll, dass nun ein Vernehmungstermin vereinbart wurde."
Die Ermittler der Mordkommission Flensburg können zudem darauf hoffen, dass neue Fotos und Videos weitere Aufschlüsse rund um den Tod des Hamburger Unternehmers bringen. "Es wurden ungefähr 40 Medien übersandt." Ob darunter ebenfalls wertvolles Material ist, war zunächst unklar. "Auch die werden noch sortiert und gesichtet."
Boot des Toten wurde später führerlos bei Cuxhaven gefunden
Bei dem Toten handelt es sich den Angaben zufolge um den Hamburger Unternehmer Frank Procopius, der seit Ende April 2024 vermisst worden war. Die Leiche war erst mehrere Wochen später - am 9. Juli 2024 - auf der Sandbank Süderoogsand im schleswig-holsteinischen Wattenmeer entdeckt worden. Die Identität sei im Zuge rechtsmedizinischer Untersuchungen geklärt worden, teilte die Polizei mit.

Nach bisherigen Erkenntnissen sei der 60-Jährige am 29. April 2024, wenige Tage vor dem Hamburger Hafengeburtstag, allein mit einem hochseetauglichen Festrumpfschlauchboot von einer Anlegestelle im Gewerbepark Grünendeich aus in Richtung Nordsee aufgebrochen. Er gab vor der Fahrt an, einen neuen Motor testen zu wollen.
Gegen 15.30 Uhr fuhr das Rib-Boot in der Außenelbe eine Acht, um 15.45 Uhr fing es nach Angaben der Ermittler an, Kreise zu ziehen. Die Lebensgefährtin des 60-Jährigen, mit der er seinen Standort geteilt hatte, kontaktierte daraufhin die Cuxhavener Wasserschutzpolizei. Das Boot wurde später führerlos im Bereich der Außenelbe-Reede vor Cuxhaven gefunden.
Weitere Details zum Fall in der Sendung
In der ZDF-Sendung wurden weitere Details zu dem zunächst noch eher undurchsichtigen Fall bekannt gegeben: So soll der Tote um den Hals einen sehr eng zugezogenen Kabelbinder getragen haben. Zudem sei die Rettungsweste ausgelöst worden, allerdings war die Luftkammer wohl mit einem Messer mutwillig zerstört worden. An der Weste waren zudem auch sogenannte Metall-Schäkel befestigt. An dieser Bolzen-Vorrichtung sei möglicherweise etwas sehr Schweres befestigt gewesen. Auch soll der Geschäftsmann eine Kiez-Vergangenheit gehabt haben.

Ein Suizid wird als sehr unwahrscheinlich eingestuft, wie der ermittelnde Flensburger Staatsanwalt Roman Mulke in der Sendung sagte. Wahrscheinlicher und plausibler sei, dass der Mann in Drogengeschäfte verwickelt war und Drogen in der Nordsee eingesammelt habe. Es könne aber sein, dass der Geschäftsmann zufällig in eine solche Drogenabholung geraten ist und die Situation dann eskalierte und er getötet wurde, sagte der Staatsanwalt weiter.
Vorsätzliches Tötungsdelikt nicht ausgeschlossen
Die Mordkommission in Flensburg ermittelt gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft. Konkrete Hinweise auf Tatverdächtige gebe es bislang nicht. Nach Angaben der Ermittler ist bislang auch unbekannt, unter welchen Umständen der Mann ums Leben kam. Mögliche Beteiligte oder ein konkreter Tatablauf sind weiterhin Gegenstand der Ermittlungen.
Staatsanwaltschaft lobt Belohnung von 7000 Euro aus
Hinweise werden unter der Telefonnummer (04 61) 4 84 55 55 oder bei jeder Polizeidienststelle entgegengenommen. Zudem wurde eine Telefonnummer für anonyme Hinweise eingerichtet: (01 60) 2 06 86 66.
Die Ermittler suchen beispielsweise Spaziergänger oder Fahrgäste auf Fähren, die am Montag, 29. April 2024, Foto- oder Videoaufnahmen in dem Bereich der Anlegestelle Grünendeich sowie der Außenelbe-Reede erstellt haben. Diese Fotos oder Videos können über das Hinweisportal der Landespolizei übermittelt werden. Für Hinweise, die zur Ermittlung des Täters führen, hat die Staatsanwaltschaft Flensburg eine Belohnung in Höhe von 7000 Euro ausgelobt. (fe/dpa)