Ermittlungen gegen Narkosearzt aus Bremerhaven: Kliniken beziehen Stellung
Ein Anästhesist aus Bremerhaven steht im Verdacht, sexuelle Übergriffe an minderjährigen Patientinnen begangen zu haben. Der Fall sorgt für Verunsicherung in den Kliniken, während die Staatsanwaltschaft ermittelt. Nun äußern sich die Häuser dazu.
Ein Bremerhavener Narkosearzt soll sexuelle Handlungen an narkotisierten Patientinnen vorgenommen haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Die Ermittler fanden bei einer Wohnungsdurchsuchung kinder- und jugendpornografisches Material. Der Fall schlägt hohe Wellen und sorgt für Verunsicherung in den Bremerhavener Krankenhäusern.
Klinikum Reinkenheide: Narkosearzt war nicht bei uns beschäftigt
Daher wendet sich das städtische Klinikum Reinkenheide nun in einer Mitteilung an Mitarbeiter und Medien: "Aktuelle Medienberichte nehmen Bezug auf staatsanwaltliche Ermittlungen gegen einen in einem Bremerhavener Krankenhaus beschäftigten Anästhesisten, der verschiedenen Medienberichten zufolge dort nicht mehr tätig ist", sagt der Sprecher des Klinikums Bremerhaven-Reinkenheide, Henning Meyer. "Hierzu möchten wir Ihnen mitteilen, dass sich die Vorwürfe nicht gegen einen aktuellen oder ehemaligen Mitarbeiter des Klinikums Bremerhaven-Reinkenheide richten. Zu Ermittlungen, die weder das Klinikum Bremerhaven-Reinkenheide noch unsere Mitarbeiter betreffen, verweisen wir auf die zuständige Staatsanwaltschaft."
Die Nordsee-Zeitung fragte auch bei Ameos nach. Eine Ameos-Sprecherin sagt im Namen der Krankenhausleitung: "Aufgrund des laufenden staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahrens können wir uns zu dem genannten Sachverhalt derzeit nicht äußern. Wir bitten um Verständnis, dass wir aus Gründen des Persönlichkeits- und Verfahrensschutzes keine weiteren Angaben machen." Nach NZ-Informationen arbeitet der betreffende Narkosearzt seit Längerem nicht mehr in dem Krankenhaus.
Sexuelle Handlungen an Patientinnen? Das sagen andere Mediziner zum Narkosearzt-Fall
Der Bremer Landesvorsitzende der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, Jörg Fierlings, schätzt die Situation so ein: "In dem Fall gilt für mich erst einmal die Unschuldsvermutung, was die vermeintlichen Vorfälle am OP-Tisch angeht. Da sehe ich nach Aktenlage in dem Beschluss des Verwaltungsgerichts bislang keinen konkreten Beweis." Die Gesundheitsbehörde hatte entschieden, dass die Zulassung des Narkosearztes vorerst ruht. Dagegen hatte sich der Arzt vor dem Bremer Verwaltungsgericht erfolgreich gewehrt. In dem inzwischen veröffentlichten Beschluss des Bremer Verwaltungsgerichts werden die Vorwürfe gegen den Arzt detailliert beschrieben. Eine Medizinische Fachangestellte hatte Beobachtungen geschildert, die ihr komisch vorkamen.
"Wenn etwa die OP-Decke oder der Tubus verrutschen, sind das Tätigkeiten, die natürlicherweise am Patienten vorgenommen werden müssen", sagt Fierlings. "Auch wenn eine Elektrode sich löst, muss diese neu geklebt werden. Das sind völlig normale Dinge, da muss man auch mal unter der Decke arbeiten. Da sehe ich nach den bisherigen Schilderungen noch keinen konkreten Tatnachweis."
Den Besitz von kinderpornografischem Material verurteile er allerdings aufs Schärfste. "Ob das juristisch ausreicht, um jemandem die Approbation zu entziehen, kann ich nicht sicher sagen, aber das wird mit Sicherheit überprüft werden", betont Fierlings.
Missbrauch im OP? "Unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen"
Ein weiterer Mediziner, der häufig im OP steht, sagt: "Solche Vorfälle sind vor allem in Krankenhäusern extrem unwahrscheinlich, da ein Arzt fast nie allein bei einem Patienten ist. Gerade bei Operationen wird immer im Team gearbeitet." Vor allem bei der Behandlung von Patientinnen durch einen Arzt werde darauf geachtet, dass immer eine Pflegekraft dabei sei.
Zu einem OP-Team gehören in der Regel ein Narkosearzt, eine Narkoseschwester, ein Chirurg sowie zwei OP-Schwestern, erklärt ein anderer Arzt. Oft sei zudem ein Assistenzarzt der Chirurgie dabei, so dass ein Team in der Regel fünf bis sechs Personen umfasse. Daher seien solche Vorfälle "sehr wenig wahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen".
Ermittlungen gegen Narkosearzt nach mutmaßlichen sexuellen Handlungen dauern an
Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft wiegt schwer: Sie hat Ermittlungen gegen den Narkosearzt aufgenommen, weil er sexuelle Handlungen an narkotisierten Patientinnen vorgenommen haben soll. Offenbar sollen auch Minderjährige betroffen sein. Die Taten sollen sich mutmaßlich im Frühjahr 2025 zugetragen haben. Außerdem wird dem Mediziner der Besitz kinder- und jugendpornografischen Materials vorgeworfen.
Von Denise von der Ahé