Die Starrflügler-Drohne "S360Mk.II" auf der Landebahn direkt hinter dem Deich. Die Drohne kann Geschwindigkeiten von bis zu 100 Kilometern pro Stunde erreichen. Die Reichweite ist unbegrenzt. Foto: Larschow
Die Starrflügler-Drohne "S360Mk.II" auf der Landebahn direkt hinter dem Deich. Die Drohne kann Geschwindigkeiten von bis zu 100 Kilometern pro Stunde erreichen. Die Reichweite ist unbegrenzt. Foto: Larschow
Flüge über die Nordsee

Innovative Zukunft: Drohnenforschung am neuen Offshore-Campus in Cuxhaven

von Tim Larschow | 17.09.2024

Das Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung (IFAM) forscht ab sofort in Cuxhaven an Drohnen für Offshore-Windkraftanlagen. Dafür hat das Institut einen neuen Forschungscampus an der Elbe eröffnet.

Mit zahlreichen Gästen aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft wurde nach einjähriger Bauzeit die neue Entwicklungs- und Testumgebung für Offshore-Drohnen in Cuxhaven feierlich eröffnet. Institutsleiter Bernd Mayer bezeichnete das Projekt als Meilenstein für die Drohnenforschung und die Offshore-Windenergie.

Die Eröffnung des Offshore Drone Campus Cuxhaven (ODCC) begann mit Grußworten aus der Politik. Cuxhavens Bürgermeister Marc Gerdes, der Uwe Santjer vertrat, zitierte in seiner Rede den niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil, der bei seinem letzten Besuch in Cuxhaven sagte: "Ich habe mir schon mehr Sorgen um Cuxhaven gemacht". Und auch Gerdes hob die rasante Entwicklung, insbesondere des Hafens, hervor. "Cuxhaven ist mittlerweile bundesweit bekannt und nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die Bevölkerung wächst. Die Stadt hat eine große Bedeutung für das Gelingen der Energiewende und mit dem Drohnen-Campus ist ein weiterer wichtiger Schritt getan."

Auch die Bundestagsabgeordneten Enak Ferlemann (CDU) und Daniel Schneider (SPD) freuten sich über die Ansiedlung in Cuxhaven. Beide sind sich sicher, dass der ODCC ein großer Erfolg wird. Nach den Reden startete die Podiumsdiskussion, doch die Gäste warteten vor allem auf das Highlight des Tages: die Flugvorführung der Drohnen. Aufgrund des Windes am Dienstag konnte die große Drohne zwar nicht starten, aber das Fluggerät wurde dennoch auf der Landebahn präsentiert.

Alles hat mit Modellbau angefangen

Alexander Wulf arbeitet für "Droniq" und ist einer der Piloten der Starrflügler-Drohne "S360MK.II". In seiner Kindheit beschäftigte er sich viel mit Modellhubschraubern und Flugzeugen. Seine Leidenschaft ist geblieben, und so hat er später unter anderem die Drohnenaufnahmen für den Bremer Tatort gemacht. "Seit einem Jahr bin ich bei Droniq für den Drohnenflugbetrieb zuständig und koordiniere alle Piloten", erzählt Wulf und ergänzt: "Der Standort Cuxhaven ist ideal. Hier können wir alles ausprobieren und sind schnell über der Nordsee. Die unmittelbare Nähe der Flugversuchsflächen zur Elbmündung und die damit verbundenen direkten Flugkorridore in die Deutsche Bucht und nach Helgoland ermöglichen ausgiebige Tests verschiedener Anwendungsszenarien."

Der Drohnenhersteller ist "Hanseatic Aviation Solutions", die Piloten stellt "Droniq" und das IFAM übernimmt die Forschung. Genau diese Art der Zusammenarbeit soll künftig am Standort weiter ausgebaut werden. Denn der Drone Campus Cuxhaven dient in erster Linie als Plattform für die Zusammenarbeit von Industrie und Forschung, um die Entwicklung zukunftsrelevanter Technologien im Bereich der Drohnenforschung und -anwendung voranzutreiben. Im Fokus stehen sowohl Inspektions- und Wartungsarbeiten als auch die Überwachung maritimer Strukturen wie Offshore-Windkraftanlagen. 

Eine neue Ära in der Entwicklung und Erprobung

Mit der Fertigstellung des ODCC beginnt eine neue Ära in der Entwicklung und Erprobung von Drohnen für den Offshore-Bereich. Eine 170 Meter lange und zehn Meter breite Start- und Landebahn für Langstrecken- und Schwerlastdrohnen für den Materialtransport, eine Turmstruktur für Inspektionstests sowie Büro- und Werkstatträume finden sich auf dem Areal hinter dem Deich.

Ferner stehen auf Helgoland mit dem Testzentrum für Maritime Technologien verschiedene Forschungsareale auf der Insel und im Hafen zur Verfügung, und nur wenige Seemeilen vor der Nordseeinsel ermöglicht ein drei Quadratkilometer großes Testfeld die Erprobung von Entwicklungen unter Offshore-Bedingungen. Ebenso steht das Forschungsschiff "Joseph von Fraunhofer" mit seinem Liegeplatz im Amerikahafen in Cuxhaven für die Begleitung von Versuchen auf dem Wasser bereit.

Die Drohne "S360MK.II"

Die Drohne hat eine Flugzeit von bis zu neun Stunden und eine Flügelspannweite von 3,6 Metern. Im Flug erreicht sie eine Geschwindigkeit von bis zu 100 Kilometern pro Stunde. Ihre Reichweite ist unbegrenzt. Für ihre Größe ist die Drohne mit 25 Kilogramm relativ leicht und trotzdem mit Fallschirm und Auftriebskörpern ausgestattet. Neben dem Einsatz in der Forschung könnte das Fluggerät auch in der Seenotrettung eingesetzt werden.

Alexander Wulf ist verantwortlich für den Drohnenflugbetrieb in Cuxhaven und seit seiner Kindheit von den Fluggeräten fasziniert. Foto: Larschow
Institutsleiter Bernd Mayer (l.) und Cuxhavens Bürgermeister Marc Gerdes bei der feierlichen Eröffnung des Drohnen-Campus. Foto: Larschow

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Tim Larschow

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

tlarschow@no-spamcuxonline.de

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