Erst digital, dann real: Windkraftplanung im Cuxland auf der Zielgeraden
Wichtiges Etappenziel bei einer koordinierten Windpark-Planung im Cuxland: Seit Donnerstagabend ist eine Landkarte abrufbar, auf der mögliche Standorte verzeichnet sind. Doch: Die Karte ist auch nur bedingt aussagekräftig.
Es ist ein Thema, bei dem es nur Befürworter und Kritiker gibt: der Bau von Windparks im Cuxland. Während die Investoren auf hohe Renditen setzen, sehen sich viele der direkten Anwohner als Verlierer dieses Teils der Energiewende. Wo können aber überhaupt Windkraftanlagen entstehen? Das soll die Festlegung im Regionalen Raumordnungsprogramm des Kreises zeigen. Die Grobplanung steht - und diese kann nun auch jeder Interessierte auf einer Karte im Internet abrufen. Doch um das finale Konzept handelt es sich dabei ausdrücklich nicht. Änderungen sind nicht nur möglich, sondern wahrscheinlich.
Zweimal ist der Landkreis bei dem Versuch, ein rechtskonformes Raumordnungsprogramm für den "Teilbereich Windkraft" aufzustellen, bei einer verwaltungsgerichtlichen Prüfung auf die Nase gefallen. Seit Jahren steht der Kreis dadurch ohne eine gesicherte Planung da, wo Vorranggebiete für die Windparkflächen ausgewiesen werden und wo nicht. Ziel dieser Planung war und ist es, einen Wildwuchs von Windrädern zu verhindern und das Aufstellen in bestimmten Bereichen zu bündeln.
Klappt juristischer Hürdenlauf in 2026?
Im Prinzip sicherlich kein schlechter Ansatz, doch durch handwerkliche Fehler, politische Einflussnahme und auch veränderte gesetzliche Rahmenbedingungen ist es eben dazu gekommen, dass die beiden letzten Programme zerpflückt worden waren und der Landkreis zum dritten Mal den Versuch startet, sich beim jetzt wieder bevorstehenden juristischen Hürdenlauf ins Ziel zu retten und Planungssicherheit zu schaffen.
Zwar herrscht ein gewisser Zeitdruck durch Vorgaben des Bundes und des Landes, Zielvorgaben zu erfüllen und einen bestimmten Flächenanteil des Cuxlandes für Windparkflächen auszuweisen. Doch zurzeit sieht es vielversprechend aus. Aktuell hat die Kreisverwaltung eine Gesamtzahl von 4,4 Prozent des Kreisgebietes ermittelt, die als Vorrangstandorte für die Windenergie zur Verfügung stehen könnten. Doch am Ende dürfte diese Prozentzahl niedriger liegen, denn der Grob- folgt nunmehr die Einzelfallbetrachtung. Und sollte es da erhebliche Konflikte oder noch nicht entdeckte Ausschlusskriterien geben, würden diese Areale nicht in das Konzept einfließen. Auf der anderen Seite ist auch nicht abzusehen, ob bei plausibler und belastbarer Begründung möglicherweise noch Flächen dazukommen.
Aktuelle Karte ist digital verfügbar
Fakt ist aber: Seit Donnerstagabend um 19 Uhr ist auf der Homepage des Landkreises Cuxhaven (www.landkreis-cuxhaven.de) die Karte mit den aktuellen Flächen zu sehen, die noch nicht bestätigt sind, sich aber in der abschließenden Prüfung befinden. Kleiner Tipp der Redaktion: Auf der Startseite des Landkreises ganz ans Ende scrollen. Unter dem Stichwort "FAQ (Häufig gestellte Fragen) zum Sachlichen Teilprogramm Windenergie" findet man die Karte zum Ansehen und Download und weitere Erläuterungen zum Ablauf des Verfahrens.
Auf der Sitzung des Regionalplanungsausschusses des Kreistages in dieser Woche wurde deutlich, dass Kritiker und Investoren diese Möglichkeit sicherlich intensiv nutzen werden. Sie hatten auf der Sitzung die Möglichkeit, detaillierte und allgemeine Fragen zu stellen. Nicht immer lief das zur vollen Zufriedenheit der Fragesteller ab. So wurde zum Beispiel seitens der "Bürgerinitiative Ihlbeck" deutliche Kritik an der Standortwahl im Lamstedter/Hemmoorer Bereich laut, wo angeblich mehrere Dutzend Storchenpaare vorhanden seien, was aber bei der Standortwahl bislang wohl keine Rolle spiele. Zugleich versuchten mehrere Projektierer, nähere Details zu weiteren Standorten zu erfahren.
Ziel: Mitte Januar letzte Details
Der Ausschussvorsitzende Enak Ferlemann (CDU) wies darauf hin, dass die Verwaltung die bislang vorliegende Karte noch im Detail bearbeiten werde, bevor der Fachausschuss sich am 13. Januar 2026 erneut mit der Thematik befasse. Einen Tag später solle dann der Kreisausschuss die offizielle Auslegung der Unterlagen beschließen, um allen Interessierten die Möglichkeit einzuräumen, offiziell ihre Bedenken und Anregungen in dem Planungsprozess vorzubringen. Allgemeines Ziel seitens der Kreistagspolitiker ist es, dass es möglichst vor der Kommunalwahl im September 2026 einen Beschluss des (alten) Kreistages zum Raumordnungsprogramm gibt. Erst dann kann es veröffentlicht und eventuell auch noch beklagt werden.