"Erzieherin sein ist bereichernd" - Ostenerin eröffnet Wohngruppe in Geestland
In der Wohngruppe "To Huus" in Großenhain (Geestland) finden sechs Kinder nicht nur ein Zuhause, sondern auch Halt und Orientierung. Eröffnet hat es die gelernte Erzieherin Mareike Erdmann, die auf über 20 Jahre Berufserfahrung zurückblicken kann.
Das Wohnhaus in Großenhain wirkt von außen wie ein ganz normales Zuhause. Daneben liegt ein kleiner Wald, hinter dem Haus ein großer Garten mit viel Platz zum Spielen. Hinter der Tür verbirgt sich aber eine Wohngruppe: Sechs Kinder und Jugendliche im Alter von acht bis 17 Jahren leben hier.
Mareike Erdmann, gebürtige Hemmoorerin, lebt seit 2014 in Osten und eröffnete am 1. Juli 2024 "To Huus". Seit 2003 arbeitet Erdmann als Erzieherin. Ihre Prüfung machte sie damals im Jugendtreff in Hemmoor. 2010 ging sie dann zum ersten Mal in die stationäre Kinder- und Jugendhilfe und sammelte Erfahrungen in Jugendwohnhäusern, Wohngruppen, Kindergärten und in einer Inobhutnahme.
Ein Rucksack voller persönlicher Herausforderungen
"In kürzester Zeit muss dort eine Beziehung zu den Kindern aufgebaut werden", erklärt sie. Manche Kinder blieben nur kurz, andere sollten maximal sechs Wochen dort wohnen. Spätestens dann soll eigentlich eine passende Einrichtung gefunden sein - was nicht immer einfach ist. Viele Wohngruppen sind überfüllt - und viele Kinder und Jugendliche bringen auch einen vollen Rucksack an Erlebnissen, Traumatisierungen und persönlichen Herausforderungen mit. Diese Erfahrungen beeinflussen ihren Alltag, ihre Stimmung und ihr Verhalten und machen eine individuelle Betreuung und verlässliche Beziehungen besonders wichtig. "Arbeitest du mit schwer erziehbaren Kindern?", werde sie am häufigsten gefragt, gefolgt von: "Das könnte ich ja nicht."
Fachwissen, Begeisterungsfähigkeit und Resilienz
Aber Mareike Erdmann kann und will. "Erzieherin sein ist bereichernd", betont sie. Der Beruf habe viele Facetten. Man benötige neben Fachwissen vor allem auch Begeisterungsfähigkeit und Resilienz. "Die eigenen Probleme darf man dabei nicht auf die Kinder übertragen. Man muss aushalten können, dass nicht immer alles gut läuft", betont sie. Denn Erfolge seien häufig nicht sofort sichtbar - und trotzdem zeige sich, dass verlässliche Beziehungen den Kindern helfen, gesunde Bindungen aufzubauen.
Damit die Kinder gut durch den Tag kommen, braucht es ein verlässliches Team: Sechs Pädagoginnen und Pädagogen mit unterschiedlichen Erfahrungsstufen, eine Hauswirtschaftskraft, ein Hausmeister, ein IT-Techniker und eine medizinische Fachangestellte arbeiten in drei Schichten. Frühdienst, Begleitdienst und Nachtdienst. "Damit es den Kindern gut geht, muss es dem Team gut gehen", betont die Erzieherin.
Von der Planung zur Eröffnung
Die Eröffnung fand im Juli 2024 statt. Zwei Jahre Planung: Konzept schreiben, Bauprüfungen, ein Baumgutachten und ein Schutzkonzept für das Jugendamt.
Das Schutzkonzept legt fest, wie Kinder und Jugendliche vor Gefahren geschützt werden - etwa vor Gewalt oder riskanten Situationen. Gleichzeitig zeigt es klar, wer für welche Aufgaben zuständig ist, wie Mitarbeitende geschult werden und wie Konflikte oder Krisen gehandhabt werden. So schafft die Einrichtung Sicherheit für die Kinder und Orientierung für das Team.
Alltag, Halt und Orientierung
In der Wohngruppe findet das Mittagessen statt. Alle Kinder und Jugendlichen sitzen an einem Tisch, zusammen mit den Pädagogen, die im Dienst sind. "Ich hab' so Muskelkater von gestern", beginnt eine von ihnen zu erzählen.
Danach wird das Zimmer aufgeräumt, bevor die heiß geliebte "Medienzeit" beginnt. In der Einrichtung wird mit einem individuellen Verstärkerplan gearbeitet: Mit einem Smiley können die Kinder und Jugendlichen ihren eigenen Fortschritt einschätzen. Wenn sie eine neue Stufe erreichen, erhalten sie kleine Belohnungen, wie längere Medienzeiten.
Hier wird Alltag sichtbar, der Halt gibt und klare Regeln, die Orientierung bieten. Dies ermöglicht den Kindern, Schritt für Schritt Vertrauen und Sicherheit neu zu erleben und zu erlernen.