Europawahl 2024: Das sind Deutschlands Spitzenkandidaten im Überblick
Am Sonntag wird in Deutschland das Europaparlament gewählt. Kurz bevor es losgeht, gibt es hier noch einmal Orientierungshilfe. Das sind die deutschen Spitzenkandidaten auf einem Blick.

CDU geht mit Von der Leyen und McAllister ins Rennen
Ursula von der Leyen bewirbt sich zwar um eine zweite Amtszeit als Präsidentin der EU-Kommission, aber nicht um einen Sitz im Europäischen Parlament. Deswegen ist sie keine klassische Spitzenkandidatin. Die Union stellt zudem Landeslisten auf und nutzt keine Bundesliste wie andere Parteien. Der Europaabgeordnete David McAllister (53) aus Geestland belegt in Niedersachsen den ersten Platz, es folgen Lena Düpont aus Gifhorn und Jens Gieseke aus Papenburg. Die Wiederwahl der Bewerber gilt als erwartbar, sollte die CDU nicht viele Stimmen verlieren. Bei einem Erfolg könnte auch der viertplatzierte Jochen Steinkamp aus Lohne (Oldenburg) ins EU-Parlament einziehen. Im Land Bremen steht Christian Kornek auf der Spitzenposition. Die Bremerhavenerin Claudia Köhler-Treschok belegt Platz 4. Die 40-Jährige, von Beruf IT-Consultant, hat aber wie alle Landbremer keine Chancen, selbst ins EU-Parlament einzuziehen.

Zweite Spitzenkandidatur von Barley (SPD)
Katarina Barley führt die SPD als Spitzenkandidatin in die Europawahl. Für die Juristin ist es die zweite Spitzenkandidatur nach der Europawahl 2019. Bislang ist die 55-Jährige Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments. Die 21 Jahre alte Kirsti Elle aus der Gemeinde Wurster Nordseeküste steht relativ chancenlos auf Platz 33 der Bundesliste. Aussichtsreicher platziert als die Studentin ist der Europaabgeordnete Tiemo Wölken. Der gebürtige Otterndorfer, der in Osnabrück wohnt, wird auf Rang 12 geführt. Weit dahinter platziert sind Jan Wilde aus Berne (Gewerkschaftssekretär, geb. 1990, Platz 64), Carsten Eschenbach aus Harsefeld (70, Berufssoldat, geb. 1989), Gerrit Steffens aus Buxtehude (Finanzbeamter, geb. 1995, Platz 94).
Spitzenkandidatin für Bremen ist Annika Barlach (SPD, geb. 1988). Barlach ist Angestellte in der Vertretung des Landes Bremen in Brüssel und steht auf Platz 27 der SPD-Liste. Für sie und weitere Stadt-Bremer auf hinteren Plätzen sehen die Aussichten schlecht aus.

Die Grünen setzen nicht nur im Bund auf Reintke
Für die deutschen Grünen geht die EU-Abgeordnete Terry Reintke als Spitzenkandidatin ins Rennen. Die 37-Jährige kommt aus Gelsenkirchen und ist Fraktionschefin der Grünen im Europaparlament. Alexandra Werwarth aus Bremen belegt Rang 23. Die Büroleiterin ist 31 Jahre alt.

FDP setzt vor allem auf Verteidigungsexpertin
FDP-Verteidigungsexpertin Marie-Agnes Strack-Zimmermann geht für die FDP in den Europawahlkampf 2024. Silvio José dos Santos Stoffel wurde als Europawahl-Kandidat für die FDP Cuxhaven nominiert. Er steht aussichtslos auf Platz 137. Deutlich bessere Chancen hat Jan-Christoph Oetjen aus Sottrum. Er möchte wieder ins Parlament. Reicht dafür Platz 5 auf der Bundesliste? Für die Bremer Celine Eberhardt (Platz 12) und Elias Michels (192) wird es nicht reichen.

Die Linke geht mit einer Doppelspitze ins Rennen
Spitzenkandidat auf der Liste für die Europawahl ist Parteichef Martin Schirdewan zusammen mit der parteilosen Flüchtlings- und Klimaaktivistin Carola Rackete. Schirdewan ist Bundesvorsitzender der deutschen Linken und Co-Chef der Linksfraktion GUE/NGL im Europaparlament. Carola Rackete ist parteilose Aktivistin. Die 35-jährige Kapitänin wurde 2019 international bekannt, als sie mit aus Seenot geretteten Flüchtlingen auf dem Schiff "Sea Watch 3" trotz eines Verbots der italienischen Behörden die Insel Lampedusa anlief.
Lucas Fiola (geb. 1998, Angestellter Öffentlichkeitsarbeit) aus Bremen konnte sich auf der Bundesliste auf Platz 10 platzieren.

AfD schon vor der Wahl stark belastet
Maximilian Krah ist Spitzenkandidat der AfD für die Europawahl 2024. Der Rechtsanwalt ist seit 2019 für die AfD im Europaparlament. Die Parteispitze erteilte Krah ein Auftrittsverbot. Krah selbst bestätigte seinen Rückzug aus dem Wahlkampf und aus dem Bundesvorstand. Konkreter Anlass waren umstrittene Äußerungen Krahs zur SS. Doch stand der 47-jährige Sachse ohnehin unter Druck wegen der Spionageaffäre um einen Mitarbeiter und wegen seiner Nähe zu Russland und China. Ins Parlament wird er trotzdem einziehen. Diplom-Ingenieur Peter Würdig, geb. 1937, aus Bülkau belegt Rang 35 auf der AfD-Liste.

BSW - Doppelspitze bei der Wagenknecht-Partei
Bündnis Sahra Wagenknecht: Für die Wagenknecht-Partei treten der ehemalige Linken-Politiker Fabio De Masi und der ehemalige SPD-Politiker Thomas Geisel als Spitzenkandidaten an. Der 43-jährige De Masi saß von 2014 bis 2017 für die Linke im Europaparlament, bevor er für die Linke in den Bundestag nach Berlin wechselte. 2021 schied er aus dem Bundestag aus und erklärte 2022 seinen Austritt aus der Partei die Linke. Der 60-jährige Geisel war von 2014 bis 2020 Oberbürgermeister von Düsseldorf. Sozialarbeiterin Cornelia Barth aus Bremen, geb 1958, liegt eher aussichtslos auf Platz 17 der Bundesliste.
Von Christian Döscher
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