Die Strände im Nordseeheilbad Cuxhaven waren im Sommer 2025 gut besucht. Die Gästezahlen sind bis Ende September im Vergleich zum Vorjahr um 1,65 Prozent auf 525.054 gestiegen. Foto: dpa/Butt
Die Strände im Nordseeheilbad Cuxhaven waren im Sommer 2025 gut besucht. Die Gästezahlen sind bis Ende September im Vergleich zum Vorjahr um 1,65 Prozent auf 525.054 gestiegen. Foto: dpa/Butt
Tourismus

Gegen den Trend: Übernachtungszahlen in Cuxhaven und Wurster Küste sind gestiegen

von Redaktion | 03.11.2025

Widersprüchliche Signale vom deutschen Nordseeküsten-Tourismus: Während der Nordsee-Tourismus-Report 2025 ein abnehmendes Interesse prognostiziert, verzeichnen die Wurster Nordseeküste und das Nordseeheilbad Cuxhaven gerade steigende Gästezahlen.

Verliert die deutsche Nordseeküste Urlauber? Der neue Nordsee-Tourismus-Report 2025 legt diesen Schluss nahe. Den Marktforschern zufolge verzeichnet die deutsche Nordseeküste "ein signifikant abnehmendes Besucherinteresse".

"Nach der im vierten Jahr erscheinenden statistischen Erhebung hat das Urlauberpotenzial der deutschen Nordseeküste im Zeitverlauf von 2022 bis 2025 um 13,2 Prozent abgenommen", heißt es im aktuellen Nordsee-Tourismus-Report, der von der Pathfinding AG herausgegeben wird. Dabei handelt es sich um einen Dienstleister, der im Bereich des Tourismus unter anderem als Marktforscher und Strategieberater tätig ist.

Steigende Urlauberzahlen an der Wurster Nordseeküste

In den aktuellen Zahlen aus Wurster Nordseeküste und Nordseeheilbad Cuxhaven spiegeln sich die Prognosen aus dem Nordsee-Tourismus-Report nicht wider. "Wie auch bei vielen Kollegen an der Küste haben wir einen Gästezuwachs bei nahezu gleichbleibender Übernachtungszahl", berichtet Kurdirektorin Sandra Langheim für die Gemeinde Wurster Nordseeküste.

Nach Auskunft von Gemeindebürgermeister Jörg-Andreas Sagemühl registrierte die Kurverwaltung zum Stichtag 15. September in der gesamten Gemeinde Wurster Nordseeküste 88.773 Übernachtungsgäste; im vergangenen Jahr waren es zur gleichen Zeit 87.615. Das entspricht einem Plus von 1,3 Prozent. Nach neueren Zahlen beträgt der Zuwachs bereits 1,5 Prozent. Im Vergleich zu 2023 ist die Zahl der Gäste in diesem Jahr sogar um mehr als 2,7 Prozent gestiegen.

Anders als die Gästezahlen sind die touristischen Übernachtungen in der Gemeinde leicht zurückgegangen. Zum Stichtag 15. September waren es demnach 417.032 - 0,38 Prozent weniger als 2024. "Dies lässt sich", so Kurdirektorin Langheim, "mit einer leicht gesunkenen Aufenthaltsdauer erklären."

Kürzere Urlaubsaufenthalte sind eine Tendenz, die die Branche schon seit Jahren beobachtet. Sagemühl spricht von einem "verbreiteten Phänomen, das vielleicht auch damit zu tun hat, dass aufgrund von Inflation und Kostensteigerung weniger Geld für Urlaub zur Verfügung steht".

In Cuxhaven steigt Zahl der Urlauber und Übernachtungen

Im Nordseebad Otterndorf spiegeln sich die Ergebnisse des Nordsee-Tourismus-Reports 2025 "nur teilweise" wider, wie Otterndorfs Tourismus-Chefin Ulrike Meyer informiert. "Nach der amtlichen Statistik lagen unsere Übernachtungszahlen von Januar bis Juli 2025 bei 132.476 und damit rund 2,5 Prozent unter dem Vorjahreswert", erklärt die Leiterin des Fachgebiets Tourismus, Stadtmarketing & Kultur. "Betrachtet man jedoch den Zeitraum von Januar bis Juni, zeigt sich eine leichte Zunahme gegenüber 2024."

Der Badesee im Nordseebad Otterndorf ist großer Anziehungspunkt für Touristinnen und Touristen. Die Nachfrage nach Urlaub in Otterndorf bleibe stabil, erklärt Tourismus-Chefin Ulrike Meyer. Foto: Bernd Otten

Meyer betont, dass in der amtlichen Statistik ausschließlich Betriebe mit zehn und mehr Betten erfasst werden, "was unsere örtliche Beherbergungsstruktur mit vielen kleineren Unterkünften nur sehr bedingt abbildet." Insgesamt bleibe die Nachfrage nach Urlaub in Otterndorf stabil, "auch wenn kurzfristige Buchungen und Wettereinflüsse zunehmend an Bedeutung gewinnen", so Ulrike Meyer.

Im Nordseeheilbad Cuxhaven sind die Gästezahlen bis Ende September im Vergleich zum Vorjahr um 1,65 Prozent auf 525.054 gestiegen. Auch bei den Übernachtungen verzeichnete das größte deutsche Nordseebad bislang mit 2,481 Millionen ein leichtes Plus von 0,17 Prozent gegenüber 2024 (2,477 Millionen).

Olaf Raffel, Geschäftsführer der Nordseeheilbad Cuxhaven GmbH, spricht von einer stabilen Entwicklung für die Monate Januar bis September. "Damit bleibt Cuxhaven ein attraktives Urlaubsziel, und wir blicken optimistisch auf die kommenden Monate."

Die Tourismusagentur Nordsee (TANO) bestätigt das insgesamt positive Bild für ihre Mitgliedskommunen. Dazu gehören die Landkreise Cuxhaven, Ammerland, Aurich, Friesland, Leer, Wesermarsch und Wittmund sowie die Städte Bremerhaven, Emden und Wilhelmshaven.

Laut TANO verbrachten von Januar bis Juni 1,76 Millionen Menschen ihren Urlaub an der niedersächsischen Nordseeküste - 5,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Dabei verzeichnete die TANO auch ein Übernachtungsplus um 4,1 Prozent auf 6,9 Millionen Übernachtungen gegenüber 2024.

Mehr Nordsee-Urlauber oder weniger?

Wie aber kommt es, dass Nordsee Tourismus Report einerseits und die Tourismusgemeinden sowie die TANO andererseits zu scheinbar gegensätzlichen Aussagen kommen?

Tatsächlich fragt der Nordsee Tourismus Report (NTR) der Pathfinder AG keine Statistik ab, sondern ermittelt mittels Umfragen unter anderem das Interesse, in den nächsten Jahren an der deutschen Nordseeküste seinen Urlaub zu verbringen.

Dabei ist herausgekommen, dass der Wunsch der bundesweit befragten Bürger, bis Ende 2027 die Nordseeküste mindestens einmal zu besuchen, abnimmt. Wollten 2023 noch 35 Prozent der Befragten für einen oder mehrere Tage an die Nordseeküste fahren, waren es 2025 laut NTR nur noch 28 Prozent.

Im Nordsee Tourismus Report wird aus diesem Ergebnis gefolgert, dass die Nordseeküste Urlauber verlieren wird. Diese Tendenz verzeichnet der Nordsee Tourismus Report übrigens auch für die niederländische und dänische Küste.

Und noch etwas berichten die Trendforscher: "Deutsche Nordsee-Urlauber wollen einerseits mehr Exklusivität und andererseits mehr Naturerlebnis sowie steigende Familienfreundlichkeit." Eine Erkenntnis, die die Gemeinde Wurster Nordseeküste bei der Weiterentwicklung des Tourismus bereits im Blick hat.

Von Heike Leuschner und Jens-Christian Mangels

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