Geplanter Anschlag in Bremerhaven: Zeugin belastet eigene Mutter im Terrorverfahren
Ein eskalierender Familienstreit, Terrorpläne und eine Mutter, die auspackt: Im Bremerhavener Terror-Prozess sorgen neue Aussagen für Aufsehen. Eine Zeugin belastet nicht nur die Angeklagten schwer, sondern auch ihre eigene Mutter.
Der Prozess wegen eines geplanten Terror-Anschlags mit islamistischem Hintergrund auf eine Bremerhavener Klinik wurde am Montag am Landgericht fortgesetzt. Angeklagt sind der 35 Jahre alte Felix B. und sein 20 Jahre alter Neffe Vincent B. Sie sollen gemeinsam Materialien für den Sprengstoffanschlag besorgt und getestet haben. Als Zeugin war die 36-jährige Mutter von Vincent B. geladen. Ein emotionaler Auftritt. Erst die schnelle Reaktion der Justizbeamten verhinderte, dass es zu Handgreiflichkeiten gekommen ist.
Bremerhavener Terror-Prozess: Verhandlungspause für erhitzte Gemüter
Als die Frau ihren Bruder als "Arschloch" anschrie, schnellte ihr Sohn auf und wollte offenbar in Richtung Onkel laufen. Mehrere Beamte sprangen sofort auf, hielten ihn fest. Richter Jan Grupe bat alle um Ruhe und verordnete eine kleine Pause für die erhitzten Gemüter. Es ist offensichtlich, dass die Familie auseinandergefallen ist. Der Bruder tue jetzt so, als müsste die Familie zusammenhalten, als wolle nur die Polizei die Familie auseinanderbringen, und er wolle alle Schuld auf sich nehmen. Dabei habe er ihren Sohn umbringen wollen. Die Mutter von Vincent B. ist offensichtlich fertig mit ihrer Familie, auch mit ihrer eigenen Mutter. Denn auch die sei verantwortlich.
Anlass der Vernehmung war der kürzliche Besuch der Zeugin bei ihrem Sohn in der Justizvollzugsanstalt. Danach ging die Frau zur Polizei. Sie war offensichtlich erschüttert. Sie habe Angst gehabt, dass diese Informationen sonst nicht die Behörden erreichen würden. Hier hatte sie mit ihrem Sohn über den Ermittlungsstand gesprochen. Dabei erfuhr sie laut eigener Aussage, wie stark ihre eigene Mutter in die Planungen verstrickt war.
"Sie hatte sich mit meinem Bruder verabredet, meinen Sohn umzubringen", sagte sie. "Und andere Unschuldige. Wie kann sie so etwas nur machen?" Sie habe den Jungen nach der Geburt als Erstes auf dem Arm gehabt, sagte die um Fassung ringende Frau.
Terror-Pläne in Bremerhaven: Oma wusste, dass der Enkel sterben sollte
Von ihrem Sohn erfuhr sie von den Plänen, die in der Wohnung ihrer Mutter geschmiedet worden seien. Die habe aktiv Tipps gegeben bei Vor- und Nachteilen von möglichen Anschlagzielen. Die Rede sei von Probesprengungen in einer Feuerschale am Haus der Mutter gewesen, und auch von Plänen für einen Autodiebstahl. "Und sie hat dabei mitgemacht. Geht‘s noch?" "Wusste Oma, dass du sterben sollst?", habe sie ihren Sohn gefragt. "Ja, Oma kannte den ganzen Plan", habe der geantwortet.
Er habe weiterhin erzählt vom Einkauf der Chemikalien. Zunächst sollten sie in Kanada beschafft werden. Das sei aber zu teuer gewesen. Deshalb sollten sie in verschiedenen Baumärkten gekauft werden, dann falle es nicht so auf. "Ich war sprachlos, als er das so herausgehauen hatte", sagte die Mutter. "Sie wusste, dass er am Ende sterben sollte, nicht Felix."
Vincent B. habe nachher seine Offenheit gegenüber der Mutter bereut. "Ich wollte dich nicht traurig machen. Wenn ich gewusst hätte, das macht dich traurig, dann hätte ich dir das nicht erzählt", soll ihr Sohn gesagt haben.
Terror-Prozess in Bremen: Zerrüttetes Verhältnis zwischen Mutter und Tochter
Gegen die Frau aus Schiffdorf, die Mutter von Felix B. und Großmutter von Vincent B. ist, läuft bei der Staatsanwaltschaft wegen ihrer Verwicklungen in den geplanten Anschlag schon lange ein gesondertes Verfahren. Ihre Tochter ließ kaum ein gutes Haar an der Frau. "Eine fürchterlich grausame Person, sie hat mich oft verprügelt und gedemütigt", sagte die Zeugin. Den Bruder Felix habe sie hingegen immer unterstützt. In Telefonmitschnitten, bei denen offenbar die Mutter zu hören ist, wird hingegen die Tochter schlechtgemacht und alle Tatvorwürfe als falsch dargestellt. Hier taucht auch ein Hinweis auf, welche Klinik womöglich für den Anschlag ausgesucht worden war: ein Krankenhaus in der Nähe des Bürgerparks.
Von Klaus Mündelein