So hart ist der Fitnesstest der Bundeswehr - CNV-Medien macht den Selbstversuch
Der SGT-Test bei der Marineoperationsschule in Bremerhaven stellt Fitness und Willenskraft auf die Probe. Wie anstrengend der Test wirklich ist, hat CNV-Medien-Volontärin Märthe Werder selbst ausprobiert - und ging dabei an ihre Grenzen.
"Los, du schaffst das. Noch einmal hoch. Nicht wieder runternehmen!" Meine Arme sind schlapp, mein Puls und Atem rasen. Ich will es schaffen, doch mein Körper ist kurz davor, aufzugeben. Mit allerletzter Kraft hebe ich den 24-Kilo-Kanister auf die Fläche vor mir in einer Höhe von 1,25 Metern. Damit ist der Test absolviert.
Viertel vor acht werde ich am Haupteingang der Marineoperationsschule in Bremerhaven in Empfang genommen und bekomme erstmal einen Besucherausweis. Mein Besuch hat einen bestimmten Grund: Im Selbstversuch will ich an dem Soldaten-Grundfitness-Tool (SGT-Test) teilnehmen. Die Rekruten absolvieren den Test zweimal: einmal zu Beginn ihrer dreimonatigen Grundausbildung und einmal am Ende. Heute ist es für sie bereits der zweite Test - ich mache ohne Vorbereitung mit. Bevor es losgeht, werde ich zuerst mit passender Kleidung ausgestattet. Ich selbst habe normale Sportklamotten und Schuhe dabei - nicht gerade geeignet für den Test. Ich bekomme eine Hose und ein Oberteil in Tarnfarben sowie schwarze Stiefel. Mit Polstern an den Knien und Armen, Handschuhen und einem Helm ausgestattet, gibt es noch einen Riegel zur Stärkung - Geschmacksrichtung Apfel-Zimt. Dann geht es raus.
Test aus vier Elementen
Vor dem Gebäude auf einer Rasenfläche wird der Test absolviert. Die erste Gruppe Rekruten steht schon bereit. Der Ausbilder erklärt noch einmal den Ablauf. Der SGT-Test besteht aus insgesamt vier Elementen: Als Erstes geht es darum, einen Parcours mit Richtungswechsel auf 130 Metern zu absolvieren. Zehn Meter davon sind das sogenannte "Gleiten". Beim Gleiten müssen sich Soldatinnen und Soldaten flach auf dem Boden fortbewegen. Als Nächstes muss eine Last von 50 Kilogramm über eine Strecke von 40 Metern gezogen werden.
Darauf folgt das Tragen von Lasten: 100 Meter weit mit je einem 18-Kilogramm-Kanister in jeder Hand. Als letzte Übung wird ein Kanister, der 24 Kilogramm wiegt, fünfmal auf eine Ladehöhe von 1,25 Metern gehoben. Je nach Zeit wird die Übung in grün, gelb oder rot bewertet - wer auch nur eine Übung rot hat, hat nicht bestanden. Idealerweise wird der gesamte Test in 180 Sekunden absolviert. Zwischen Frauen und Männern wird bei dem Test kein Unterschied gemacht: Zeiten und Gewichte sind für jeden gleich.
Normales Fitnesstraining als Ausgangslage
Bevor ich selbst an den Start gehe, beobachte ich die ersten Rekruten. Bei einigen sieht es leicht aus, aber der Eindruck täuscht. Jeden Tag stehen für die Rekruten Sportübungen auf dem Programm, um ihre Grundfitness zu steigern. Mein Fitnesstraining besteht aus maximal drei Tagen im Fitnessstudio - mein Respekt steigt von Minute zu Minute. Besonders herausfordernd werden für mich sicherlich die Gewichte sein. Ein Rekrut nimmt mich mit zum Aufwärmen. In Dreierteams wird sich kurz warmgemacht und gedehnt. Das ist wichtig, ein Kaltstart wäre nicht zu empfehlen. Nach ein paar Minuten fragt mich der Ausbilder, ob ich möchte. "Kann ich mir nochmal einen Durchlauf angucken?", frage ich, der Ausbilder stimmt zu. Ich beobachte den jungen Mann - mein Puls steigt, die Aufregung wird größer.
Ich bin an der Reihe. Der Ausbilder und auch Kapitänleutnant Fabian werden mich auf der Strecke begleiten und sagen, was ich als Nächstes machen muss. Neben der Kleidung bekomme ich zusätzlich noch eine Weste - sie wiegt 20 Kilogramm. Es wird heruntergezählt und ich laufe los. Bereits die erste Übung ist durch das zusätzliche Gewicht anstrengend - aber machbar. Ich schnappe mir den Griff von dem 50-Kilo-Sack und ziehe ihn ein Stück. Nach wenigen Metern drehe ich mich um und gehe die Strecke rückwärts - ein Tipp von Inspektionschef Fabian, wenn es zu anstrengend wird. Mein Atem geht immer schneller und schneller. Als nächstes die Kanister. Andere Rekruten sind damit gelaufen, ich gehe einfach nur. Durchziehen ist das Ziel, die Zeit ist mir egal.
Der Wille hat mich gepackt
Auf dem Weg zur letzten Übung bekomme ich ein erstes Anzeichen von Schwindel. Packt mein Kreislauf die ungewohnte Belastung? Ich schwanke leicht, aber laufe weiter. Fünfmal soll ich den Kanister auf die Ladefläche vor mir heben. Bereits der erste Anlauf scheitert und ich will fast aufgeben. Von der Seite werde ich angefeuert. "Zieh durch, du schaffst das!". Es scheppert, als ich den Kanister mit seinen 24 Kilo auf die Fläche hieve. Das Ganze noch viermal. Das schaffe ich niemals, denke ich mir - mein Atem rast und meine Arme werden immer schlapper. Zwei weitere Male bekomme ich ihn hoch. Andere Rekruten nahmen viel Schwung dabei, doch ich habe dafür keine Kraft mehr. Ich setze meinen gesamten Körper ein: Zum vierten Mal landet der Kanister oben. Meine Zeit wird nicht gut sein, aber der Wille hat mich gepackt. Meine Kraft hat mich verlassen. Der letzte Anlauf scheitert. "Nicht wieder herunternehmen. Einmal noch hoch", höre ich halb. Die Kraft verlässt mich, aber mein Wille reicht: Mit viel Anstrengung landet der Kanister ein letztes Mal auf der 1,25 Meter hohen Fläche.
Geschafft, aber nicht bestanden
Meine Lunge brennt, ich schmecke Blut im Mund und schnappe mir meine Wasserflasche. Am liebsten würde ich mich hinsetzen, aber Kapitänleutnant Fabian meint, ich soll in Bewegung bleiben. Also gehen wir gemeinsam ein paar Meter. Mindestens zehn Minuten brauche ich, um halbwegs wieder klarzukommen. Mein Respekt für die Rekruten ist noch einmal deutlich gewachsen. Aber ich bin auch stolz, dass ich es durchgezogen habe. Bestanden habe ich den Test nicht - das war mir klar. Knapp sechs Minuten habe ich gebraucht. Aber bei zwei Übungen war ich im gelben Bereich: definitiv ein Erfolg für mich. "Am Anfang sah es bei einigen ähnlich aus", bestärkt mich Inspektionschef Fabian.
Mein Körper beruhigt sich nach und nach. Nach einiger Zeit tausche ich die geliehene Kleidung wieder gegen meine eigene. Darin fühle ich mich auf jeden Fall wohler. Obwohl ich mich schon nach der kurzen Zeit an die neue Kleidung und die Polster gewöhnt habe. Dann geht es wieder nach Cuxhaven.
Zurück im Büro brennt es immer noch in meiner Lunge. Auch die Schultern merke ich leicht. Die nächsten Tage werde ich bestimmt Muskelkater haben. Der Tag wird mir definitiv in Erinnerung bleiben. Vorher hatte ich Sorge, ob das wirklich eine gute Idee ist. Aber ich fühle mich durch die Erfahrung gestärkt und habe gemerkt, dass ich hin und wieder mehr schaffen kann, wenn ich den Willen dazu habe. Eine Lektion, die mir auch in anderen Situationen sicher nützlich sein wird.
Die Marineoperationsschule:
Die Marineoperationsschule (MOS) ist die zentrale Ausbildungseinrichtung der deutschen Marine für Taktik, Navigation und Kommunikation mit Sitz in Bremerhaven. Dort lernen vor allem diejenigen ihr Handwerk, die ein Marineschiff zu einem Kampfschiff machen. Es gibt verschiedene Lehrgänge: Navigation für die Navigateure, Fernmelde- und Signaldienst für Funker und Signäler, Operationsdienst Unterwasser und Überwasser für die Radar- und Sonarleute sowie nicht zuletzt Elektronische Kampfführung für besonders spezialisierte Operateure.
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