Hautausschläge nach Nordsee-Urlaub: Goldafter-Raupen im Kreis Cuxhaven unterwegs
Ein spontaner Campingurlaub an der Nordsee endet für ein Ehepaar aus Dollern mit juckenden Quaddeln und tagelangen Hautreizungen. Schuld sind unscheinbare Raupen, die sich derzeit massenhaft in Dorum-Neufeld ausbreiten.
"Drei Tage und drei Nächte hatten wir richtig was davon", sagt Kirsten Kirsche Quast, die das Pfingstwochenende mit ihrem Mann in Dorum-Neufeld auf Knaus Campingpark verbracht hat. Das Paar aus Dollern stieß in ihrem Spontanurlaub auf die kleinen, haarigen Raupen des Goldafter-Schmetterlings, mit dessen Brennhaaren man besser nicht in Berührung kommt.
Auf den ersten Blick erinnert die Raupe des Goldafters an die des berühmt-berüchtigten Eichenprozessionsspinners. Auch ein Kontakt mit der Raupe kann beinahe ähnlich unangenehme Folgen haben. Kirsten Kirsche Quast und ihr Mann fuhren mit zahlreichen Quaddeln am Körper wieder nach Hause. Dabei hatten sie die Tiere nicht einmal angefasst. "Bei meinem Mann war das ganze Gesicht und der ganze Nacken voll mit Pusteln", sagt sie. Andere Campingplatzbesucher schildern in den sozialen Medien ähnliche Reizungen.

Feine Härchen kaum sichtbar
Die feinen Härchen der Raupe sind mit den bloßen Augen kaum sichtbar. Laut Claus Rontschky von Knaus Campingpark hatten auch mehrere Mitarbeiter Reaktionen auf die Brennhaare der Raupe gezeigt. "Ein Kollege klagte über furchtbares Jucken", so Rontschky, "es war wirklich rot und wirklich schlimm". Das Campingplatz-Team vermutet, dass die Brennhaare durch die Luft auch ohne bewussten Kontakt Reizungen hervorrufen können.
Rontschky selbst reagiert nicht auf die Brennhaare der Raupe, obwohl er sie sogar mit den Händen berührt.
Nordsee-Campingplatz: Warnschilder aufgestellt
Mittlerweile habe sich die Situation auf dem Campingplatz in Dorum bereits verbessert, erklärt Rontschky. "Vor zwei Wochen war jedes Geländer voll mit den Viechern, jetzt sehe ich nur noch eine ab und zu." Urlauberin Barbara Schaper aus dem Ruhrgebiet ist bisher noch keine Raupe auf dem Campinggelände begegnet: "Gestern Abend haben wir nur welche vor der Rezeption gesehen."

Auf dem Gelände weisen mittlerweile Warnschilder darauf hin, dass durch die Raupen allergische Reaktionen ausgelöst werden können. Zu spät für Kirsten Kirsche Quast, die ihre Pusteln nach dem Urlaub tagelang mit einer Cortisonsalbe aus der Apotheke behandelte.
Wo die Raupen krabbeln
Während die Besucher auf dem Campingplatz jetzt größtenteils ihre Ruhe vor den Raupen zu haben scheinen, sitzen in den Hundsrosen entlang des Weges zum Leuchtturmdenkmal Obereversand auch heute noch immer zahlreiche Tiere.
"Die Rosen sind komplett entlaubt", sagt Rontschky, der beobachtet, dass die Raupen ein Blatt nach dem anderen vertilgen. Stattdessen gibt es viele weiße Netze, die den Raupen als Rückzugsort dienen. Auch den Weg in Richtung Wasser kreuzen einige der Tiere. Eingetrocknete Flecken auf dem Boden zeigen, dass hier schon viele ihrer Verwandten den Fuß- oder Fahrradtod gestorben sind.

Weitere Sichtungen
In den sozialen Medien schildern Nutzer, dass die Raupen des Goldafter-Schmetterlings auch in Wremen vermehrt auftreten. Norbert Linkel, Leiter des Ordnungsamtes Wurster Nordseeküste, sagt: "Es wurden in Wremen welche gesehen, das ist auch richtig, aber es sind nur vereinzelte Meldungen." Sollte auch dort ein großer Befall festgestellt werden, würde die Verwaltung in Wremen ebenfalls Warnschilder aufstellen.
Ein anderes Vorgehen ist zurzeit auch in Dorum nicht möglich. "Wir können die nicht absammeln, das geht nicht - es sind einfach zu viele", sagt Linkel. So viele Tiere wie in diesem Jahr scheint es in Dorum bisher nicht gegeben zu haben, so auch der Eindruck von Claus Rontschky.
Der Goldafter
Der Goldafter ist eine heimische Schmetterlingsart. Der Name bezieht sich auf ein kleines Büschel braun-weißer Haare am Hinterleib des Insekts. Die Raupe des schneeweißen Nachtfalters besitzt feine Brennhaare mit einem Nesselgift, das allergische Reaktionen sowie Reizungen der Haut und Atemwege hervorrufen kann.
Von Marie Petersen
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