"Dorfregion" erweist sich als Glücksfall für Hechthausen
Kommunalpolitik kann auch Spaß machen. Wie das funktioniert, zeigt sich in der Oste-Gemeinde Hechthausen. Dort hat sich die "Dorfregion" zum Taktgeber für die nachhaltige Entwicklung des Ortes entwickelt.
Es ist schon eine etwas ungewöhnliche Situation: Da wird die Gemeinde Hechthausen in diesem und im kommenden Haushaltsjahr mit fünf- und sechsstelligen Minusbeträgen abschließen. Doch so richtig beunruhigt ist man nicht. Im Gegenteil: Es stehen mit den Neubaumaßnahmen für das Bürger- und das Ärztehaus aktuell noch zwei Millionenprojekte auf dem Programm. Wie geht das? Die Antwort: In der "Dorfregion" gab und gibt es satte Zuschüsse von rund 90 Prozent. Damit kann man auch als kleine Kommune wirtschaften und etwas bewegen ...
Das war eine ebenso ungewöhnliche wie interessante Rechnung, die der Chef der Kämmerei in der Hemmoorer Samtgemeindeverwaltung, Marco Tohoff, in dieser Woche im Hechthausener Gemeinderat präsentierte. Nach seinen Angaben verfügte die Kommune Ende 2022 über ein "Vermögen" - unter anderem durch Immobilien - von rund acht Millionen Euro. Binnen drei Jahren wuchs diese Summe auf nunmehr knapp 15,2 Millionen Euro an; eine ungewöhnlich hohe Summe für ein Dorf wie Hechthausen. Ungewöhnlich auch, weil die Verbindlichkeiten aus Krediten in dieser Zeit (nur) von 1,25 auf 2,4 Millionen Euro gestiegen sind.
Die Gründe für den "Vermögenszuwachs" liegen insbesondere in den hohen Zuweisungen, die Hechthausen erhalten hat. Diese bezifferte Tohoff auf über 6,8 Millionen Euro. Als ein Glücksfall erwies sich in diesem Zusammenhang der Zuschlag für die gemeinsame "Dorfregion"-Förderkulisse. Gemeinsam (und erfolgreich) hatte sich Hechthausen im Schulterschluss mit Burweg unter dem Motto "Eine Region blüht auf" beworben. Der Fördersatz von 90 Prozent ist deutlich höher als in anderen Programmen und sorgte letzten Endes für überschaubare Eigenmittel.
In Zukunft sinken die Fördersätze
Die beiden Kommunen haben im Rahmen ihrer kreisübergreifenden Kooperation schon zahlreiche Projekte abgehakt, die zuvor in Arbeitskreisen gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern entwickelt worden waren. Andere Kommunen, die jetzt noch als "Dorfregion" anerkannt werden, müssen sich auf niedrigere Fördermittelanteile einstellen.
Tohoff sagte mit Blick auf die Entwicklung in Hechthausen: "Die Dorfentwicklungsmaßnahmen prägen auch den Doppelhaushalt 2026/27 in Hechthausen und weitere Investitionen werden möglicherweise auch noch in der Folgezeit mit der Gewährung von Fördermitteln zur Umsetzung kommen." Allein im aktuellen Haushaltsjahr 2026 bezifferte er die Investitionstätigkeit auf einen Betrag von knapp 2,5 Millionen Euro. Den größten Brocken stellt der Neubau des Ärztehauses für rund 1,35 Millionen Euro dar (wir berichteten). Ein Restbetrag wird auch noch für das "Bürgerhaus" neben dem Rathaus fällig; die Arbeiten haben aber schon begonnen. Im kommenden Jahr ist dann ein gewisses Durchschnaufen angesagt, denn das Investitionsvolumen fällt mit 57.500 Euro vergleichsweise gering aus.
Schuldenstand soll künftig sinken
Unter dem Strich kommt es in diesem Jahr zu einem Defizit im Ergebnishaushalt, in dem die laufenden Ausgaben erfasst sind, von 427.600 Euro. Im nächsten Jahr kalkuliert die Kämmerei nach aktuellem Stand mit knapp 48.000 Euro im Minus.
Der Schuldenstand der Gemeinde wird wahrscheinlich mit 2,9 Millionen Euro in diesem Jahr seinen Höchstwert erreichen; für die Folgejahre rechnet Tohoff mit sinkenden Beträgen.
Trotz des aufkeimenden Kommunalwahlkampfes waren sich die Hechthausener Ratsmitglieder in einer Einschätzung der Haushaltslage weitgehend einig und verabschiedeten den Doppelhaushalt 2026/2027 einstimmig. Und ausschließen wollte in der kurzen Etat-Diskussion auch niemand, dass es nicht noch das eine oder andere Projekt gibt, das über die "Dorfregion" umgesetzt wird.