Auf Helgoland werden 2026 gleich zwei Jubiläen gefeiert. Foto: Stefan Rampfel/dpa
Auf Helgoland werden 2026 gleich zwei Jubiläen gefeiert. Foto: Stefan Rampfel/dpa
Feierlichkeiten

Eine maritime Erlebniswelt: Welche Jubiläen die Insel Helgoland 2026 feiert

von Wiebke Kramp | 02.01.2026

Auf Helgoland wird gefeiert: Vor 200 Jahren begann hier die touristische Erfolgsgeschichte. Und vor 100 Jahren wurde ein berühmter Autor geboren. Zwei Jubiläen voller Historie und Geschichten.

Auf der Hochseeinsel Helgoland gibt es im Jahr 2026 mindestens zwei Jubiläen, die guten Grund zum Feiern bieten. Vor 200 Jahren schlug hier mit der Gründung eines Seebades die Geburtsstunde des Tourismus, der bis heute Haupterwerbszweig der Nordseeinsel bedeutet. Am 6. Juni lädt die Gemeinde zum Fest. Vor 100 Jahren, am 31. Mai 1926, erblickte der unvergessene Kinder- und Jugendbuchautor James Krüss das Licht der Welt - an diesem Tag wird an den bedeutenden Schriftsteller erinnert.

Aus einem Schmugglernest und Schlupfloch für die Kontinentalsperre entstand ab 1826 ein mondänes Seebad. Es lockte gut betuchte Sommerfrischler, Literaten, Maler und Schauspieler an. Eng verwoben mit der Gründung ist der Name Jakob Andresen Siemens. Der 1794 geborene Helgoländer wurde von einem Landschullehrer an der Küste von Schleswig erzogen. Später lernte er Schiffbau auf einer Altonaer Werft und bereiste als Matrose die Welt. Er kehrte zur Schmuggelzeit der Kontinentalsperre wieder auf seine Heimatinsel zurück und engagierte sich dort in schwieriger Zeit.

Nach Aufhebung der napoleonischen Kontinentalsperre hatte das damals englische Schlupfloch Helgoland strategisch für London an Bedeutung verloren, und auch das Lotswesen, bisher Haupteinnahmequelle der Insulaner, wurde herabgemindert durch verbesserte See- und Stromkarten. Neue Einnahmequellen mussten erschlossen werden.

"Helgoland von den Dünen aus gesehen", eine Lithografie von H. Mevius von den Freuden des frühen Badelebens. Foto: Kramp

In den Zwanzigerjahren des 18. Jahrhunderts trug der als grüblerisch bis eigenbrötlerisch bezeichnete Jacob Andresen Siemens immer wieder seinen Vorschlag vor, auf Helgoland ein Seebad zu gründen, erntete aber zunächst bei seinen Landsleuten Ablehnung mit Hohn und Spott. Doch sein beharrliches Festhalten an den Plänen zahlte sich aus. Nach drei Jahren schaffte er es, das Grundkapital von 1900 Hamburger Mark an Anleihen zu je 100 Mark für die Aktiengesellschaft ,,Badeanstalt Helgoland" zusammenzubringen.

Schlichte Anfänge mit  sechs Badekarren

Es war die Blütezeit der Seebad-Gründungen. In Frankreich und Großbritannien hatte man die Heilkraft des Meeresklimas entdeckt und an der Nord- und Ostseeküste wurden ab 1794 zahlreiche Seebäder aus der Taufe gehoben.

Die Anfänge auf Helgoland waren sehr schlicht: Mit vier Badekarren auf der Düne und zwei auf dem Unterland wurde das Seebad Helgoland 1826 eröffnet.

An die Insulaner erging der Aufruf, dass jeder, der während des Sommers Einlogierer haben wollte, sich bei der Direktion der Badeanstalt melden möge. Die Namen der Zimmervermittler wurden auf eine Liste gesetzt, die Reihenfolge per Los bestimmt. Alle Vermieter mussten zehn Prozent der Einnahmen aus der Vermietung an die Badeanstalt abführen. Dies ist quasi der Vorläufer der Kurtaxe. Siemens regelte die Einrichtung der Badeanstalt bis ins kleinste Detail und mit eiserner Energie. Die infrastrukturellen Arbeiten wurden an Helgoländer Handwerker übergeben. Einen Zusatzverdienst für die Helgoländer Fischer schaffte man durch das Privileg, die Dampfer ein- und auszubooten. Dadurch wurde bei der Inselbevölkerung der Mindererwerb durch Fischerei und Lotswesen kompensiert. Die Börte war geboren.

 100 Badegäste kamen mit dem Segelboot

1826 kamen 100 Badegäste direkt per Segelboot von Hamburg nach Helgoland, nachdem die bestehende Kutterverbindung zwischen Cuxhaven und der Insel keine Gäste brachte. Kein Wunder, denn als Iacob Andresen Siemens nach Cuxhaven reiste und nachhakte, musste er feststellen, dass man im 1816 gegründeten Seebad allerlei nachteilige Meldungen über die Helgoländer verbreitet hatte. So kam von Siemens die Anordnung der Hamburg-Route., 1828 waren es bereits 200 Gäste, deren Zahl in den folgenden Jahren stetig wuchs. Allmählich wurden auch Verbesserungen vorgenommen, ein Konversationshaus eingerichtet, der Ort und die Häuser ständig verschönert. Neben den Badegästen, die stets mehrere Wochen blieben, Erholung oder auch Heilung fanden, setzte bereits um 1830 ein erheblicher Passantenverkehr ein. Mehr Qualität sicherte die Einrichtung des regelmäßigen Fährverkehrs durch die Hamburger Raddampfer "Patriot" und "Elbe" die ab 1834 bzw. 1836 Helgoland nach festen Fahrplänen ansteuerten. Die Zahl der Dauergäste stieg ebenso wie die Beliebtheit des Seebades. Schon 1838 wurde die Tausender-Marke übersprungen.

Doch den steten Aufschwung seines Lebenswerkes konnte Siemens nicht mehr erleben. Ein Streit mit den Ratsleuten veranlasste ihn, um in London sein Recht zu suchen. Noch während des Rechtsstreites erkrankte er schwer und starb am 19. August 1849 im deutschen Hospital in London. Ein Denkmal, angebracht an der Schwimmbad-Mauer erinnert heute an den großen Sohn Helgolands, der durch seinen damaligen Weitblick das Fundament für funktionierenden Tourismus gelegt hat.

Zwar kein Denkmal wurde James Krüss gesetzt, aber die Inselschule nach ihm benannt. Er zählt zu den erfolgreichsten deutschen Kinderbuchautoren der Nachkriegszeit. Der bekannte Kinder- und Jugendbuchautor war waschechter Insulaner. Am 31. Mai 1926 - also in diesem Jahr vor genau 100 Jahren - erblickte James Jacob Hinrich Krüss das Licht der Welt und wuchs zweisprachig auf. Sein Vater war Elektriker, sein Opa und sein Urgroßvater arbeiteten als Hummerfischer. Seine Muttersprachen waren Deutsch und Halunder (das helgoländische Friesisch).

James Krüss wäre am 31. Mai dieses Jahres 100 Jahre alt geworden. Auf Helgoland wird dies gefeiert. Foto: Piepenburg

Bereits als fantasiebegabtes Kind hatte er für sich das Verseschmieden entdeckt. Als 16-Jähriger verließ er die Insel. Nach der Schule besuchte er die Lehrerbildungsanstalt in Ratzeburg und Lunden und meldete sich 1944 freiwillig zur Ausbildung bei der Luftwaffe.

Krüss lebte zunächst nach dem Krieg mit seinen Eltern in Cuxhaven, studierte an der Pädagogischen Hochschule Lüneburg und legte dort sein Lehrerexamen ab. Doch der Helgoländer entschied sich, sich ganz der Schriftstellerei zu widmen.

Zuerst war er im Jahr 1946 Mitbegründer der Exil-Zeitung "Halunder Moats" für die damals auf dem Festland verstreuten Helgoländer, die in Reinbek bei Hamburg herausgegeben wurde. 1949 zog er nach München, wurde von Erich Kästner gefördert und schrieb Hörspiele und Gedichte für Kinder. Sein erster Roman "Der Leuchtturm auf den Hummerklippen" erschien 1956. Es war ein Anhiebserfolg. Bereits mit diesem Erstling schaffte er es auf die Auswahlliste für den Deutschen Jugendbuchpreis. Diese Auszeichnung erhielt er kurz darauf für den Roman "Mein Urgroßvater und ich", der ihm 1960 zum Durchbruch verhalf. Seine Bücher fehlten in den 1960er Jahren in keinem Kinderzimmer. Viele weitere Bücher, Geschichten, Gedichte, Wortspiele und Reime sollten folgen. Neben vielen Preisen erhielt er 1968 für sein Gesamtwerk die Hans-Christian-Andersen-Medaille. Einem Fernsehpublikum wurde Krüss in den 1980er-Jahren durch die Serie Timm Thaler nach seinem gleichnamigen, 1962 erschienenen Roman bekannt.

Nach Gran Canaria gezogen

1966 übersiedelte Krüss mit seinem Lebensgefährten Dario nach Gran Canaria, hielt aber stets den Kontakt nach Helgoland. 1986 wurde er zum Ehrenbürger der Inselgemeinde ernannt. Am 2. August 1997 verstarb James Krüss auf Gran Canaria und wurde vor Helgoland seebestattet.

Der Geschichtenkapitän bleibt durch sein fantasiereiches Werk lebendig. In der Internationalen Jugendbibliothek in München auf Schloss Blutenburg gibt es seit 2011 einen James-Krüss-Turm sowie einen Literaturpreis.

 Auf Helgoland wird die Erinnerung an den Wortakrobaten im Museum wachgehalten. Zu Ehren des berühmten Helgoländer Sohns wird es an seinem 100. Geburtstag auf dem Museumshof ein großes Kinderfest mit buntem Programm geben. Literarisch hat James Krüss seine Heimatinsel verewigt. Auf dem Museumshof der Insel wird an Krüss‘ Leben und Werk in zwei nachgebauten Hummerbuden erinnert.

Vorschau auf die Feiern

Am Sonntag, 31. Mai 2026, findet ab 15 Uhr auf dem Museumshof bei der Nordseehalle ein großes James-Krüß-Geburtstagsfest für Kinder statt. 

Am 6. Juni 2026 feiert Helgoland seine 200 Jahre alte Seebadgeschichte. Versprochen wird ein einzigartiges Fest. Zum 200-jährigen Jubiläum verwandelt sich die Insel in eine maritime Erlebniswelt bei einer Feier, die Tradition und moderne Inszenierung verbinden soll. Geplant sind ein Straßenfest, Programmpunkte für Groß und Klein und ein besonderes musikalisches Ereignis.

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Wiebke Kramp

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

wkramp@no-spamcuxonline.de

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