Brände in Hemmoor und Hechthausen: Gibt es einen gemeinsamen Täter?
Seit Monaten häufen sich Brände in Hemmoor und Hechthausen, teils mit Verdacht auf Brandstiftung. Vier Feuer in wenigen Stunden in Hemmoor-Basbeck markieren eine neue Dimension. Die Polizei prüft Zusammenhänge, die Bevölkerung ist in Sorge.
Vier Brände innerhalb von rund zwölf Stunden, mehr als 100 Feuerwehrleute gleichzeitig im Einsatz und Schäden von insgesamt etwa 230.000 Euro: Die Feuer am 2. und 3. August in Hemmoor-Basbeck bilden den bisherigen Höhepunkt einer Reihe von Brandereignissen, die Hemmoor und Hechthausen seit Monaten beschäftigt. In der Bevölkerung wächst die Verunsicherung. Auch Gemeindebrandmeister Björn Müller spricht von einem "großen Thema" für die Menschen.
Den Auftakt der jüngsten Einsatzserie bildete am Sonntagnachmittag ein Großbrand auf einem Lagerplatz an der Fährstraße. Mehrere hundert Stackbuschballen und gelagerte Baumstämme standen in Flammen. Rund 90 Einsatzkräfte kämpften mehrere Stunden gegen das Feuer. Noch während dieses Einsatzes brannte im Backsteinweg ein Heu-Rundballen. Am späten Abend folgte ein Feuer in einem reetgedeckten Schuppen an der Hollenworther Straße, ehe gegen 3.40 Uhr am Montagmorgen ein Carport mit einem Auto in der Mühlenberger Straße brannte. Dort griffen die Flammen auf den Dachstuhl eines Zweifamilienhauses über.
Dass vier größere Einsätze derart dicht aufeinanderfolgen, hat selbst der erfahrene Gemeindebrandmeister noch nicht erlebt. Müller ist nach eigenen Angaben seit 2003 dabei. Eine solche Brandserie, "so gebündelt", habe es für ihn bislang nicht gegeben. Dennoch sei es gelungen, die Einsätze abzuarbeiten. "Wir profitieren von der großen Anzahl von Ortswehren", sagt Müller.

Die Belastung für die ehrenamtlichen Feuerwehrleute war allerdings erheblich. Nach den stundenlangen Einsätzen wurden Atemschutzgeräte, Schläuche und weiteres Material knapp. Müller spricht von einer "Materialschlacht". Vor allem die Atemschutzgeräteträger seien "schon körperlich kaputt" gewesen. Eine Gefährdung des Brandschutzes in Hemmoor sieht der Gemeindebrandmeister derzeit dennoch nicht. Auch bei möglichen weiteren Bränden habe er momentan keine Sorge, dass die Feuerwehren diese nicht bewältigen könnten. "So ist das Leben in der Feuerwehr. Es kann jede Minute losgehen", sagt Müller.
Ob die jüngsten Feuer tatsächlich mit den vorausgegangenen Bränden in Hemmoor und Hechthausen zusammenhängen, ist bislang offen. Polizeisprecherin Britta Schumann bestätigt, dass genau diese Frage derzeit untersucht wird: "Die Ermittlerinnen und Ermittler prüfen derzeit, ob zwischen den einzelnen Brandereignissen ein Zusammenhang besteht."
War ein einzelner Täter für mehrere Feuer verantwortlich?
Auch die Möglichkeit, dass ein einzelner Täter oder eine Tätergruppe für mehrere Feuer verantwortlich sein könnte, ist Gegenstand der Ermittlungen. Eine Bewertung sei derzeit aber noch nicht möglich, erklärt Schumann. Selbst eine konkrete Zahl der Brände, die polizeilich bereits einer möglichen Serie zugerechnet werden, nennt die Polizei deshalb nicht. Die Prüfung der Zusammenhänge dauere an.
Konkrete Angaben zu möglichen Tatverdächtigen macht die Polizei ebenfalls nicht. "Die Polizei geht allen eingehenden Hinweisen konsequent nach", sagt Schumann. Die Ermittler hoffen weiterhin auf Beobachtungen aus der Bevölkerung: "Jeder Hinweis kann für die laufenden Ermittlungen von Bedeutung sein." Zu weiteren polizeilichen Maßnahmen äußert sich die Behörde aus ermittlungstaktischen Gründen nicht.

Bereits vor den jüngsten Ereignissen hatte die Polizei nach möglichen Zusammenhängen gesucht. Nach drei Bränden in Hechthausen zwischen November 2025 und Januar 2026 ging sie von vorsätzlicher Brandstiftung aus. Später wurden ein Gartenhausbrand in Hemmoor-Westersode und ein Feuer an einem Feuerholzunterstand in Basbeck in die Ermittlungen einbezogen. Auffällig war bei diesen frühen Fällen nach damaligen Polizeiangaben, dass die Brandorte nicht unmittelbar von der Straße erreichbar waren. Die betroffenen Grundstücke mussten jeweils ein Stück weit betreten worden sein.
Danach folgten weitere verdächtige Feuer. Ende Mai brannten in der Hollenworther Straße zunächst eine Papiermülltonne und anschließend zwei Autos. Im Juni standen innerhalb weniger Minuten zwei Container an Gewerbegebäuden in Flammen. Mitte Juli brannte nachts eine Bio-Mülltonne unmittelbar an einem Wohnhaus im Ahornweg. In mehreren Fällen äußerten Polizei oder Einsatzkräfte ausdrücklich den Verdacht auf Brandstiftung.
Für Polizei und Feuerwehr bleibt die Lage angespannt. Während die Ermittler nach einem möglichen Zusammenhang und einem Verursacher suchen, müssen die Feuerwehrleute jederzeit mit einem neuen Alarm rechnen. Für Björn Müller gehört diese Bereitschaft zum Feuerwehralltag - die Häufung der vergangenen Tage jedoch nicht.
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