Brandserie in Hemmoor: Vier Feuer binnen weniger Stunden - Verdacht auf Brandstiftung
Vier Brände innerhalb weniger Stunden und der Verdacht auf Brandstiftung: Eine beispiellose Brandserie hat den Hemmoorer Stadtteil Basbeck in Atem gehalten. Viele Feuerwehrkräfte kämpften nahezu ununterbrochen gegen die Flammen.
Eine beispiellose Brandserie hat am Sonntag (2. August 2026) und in der Nacht zum Montag (3. August 2026) den Hemmoorer Stadtteil Basbeck erschüttert. Innerhalb von rund zwölf Stunden mussten die Feuerwehren insgesamt viermal ausrücken. Mehrere Großbrände hielten die Einsatzkräfte in Atem. Die Polizei geht inzwischen in allen Fällen dem Verdacht der Brandstiftung nach.
Den Auftakt machte am Sonntagnachmittag gegen 15 Uhr ein Großbrand auf einem Lagerplatz in der Fährstraße. Radfahrer bemerkten eine massive Rauchentwicklung und alarmierten die Feuerwehr. Beim Eintreffen der ersten Einsatzkräfte standen mehrere hundert Stackbuschballen sowie gelagerte Baumstämme bereits in Vollbrand. Bis zu zehn Meter hohe Flammen und eine starke Rauchentwicklung machten einen umfangreichen Löschangriff erforderlich.

Besonders brisant: Bereits vor rund fünf Wochen waren auf demselben Lagerplatz etwa 200 Stackbuschballen abgebrannt. Stackbusch wird dringend für den Küstenschutz benötigt und dient unter anderem zur Uferbefestigung sowie für den Lahnungsbau im Watt. Nach Angaben des Eigentümers gehört der Lagerplatz in Hemmoor zu den wenigen dieser Art an der Küste. Entsprechend schwer wiegt der erneute Verlust des Materials.
Gemeindebrandmeister Björn Müller ließ umgehend weitere Feuerwehren nachalarmieren. Mehrere hundert Meter Schlauchleitungen wurden verlegt, ein Wasserwerfer eingesetzt und zahlreiche Trupps gingen unter schwerem Atemschutz gegen die Flammen vor. Mit Hilfe eines Traktors wurden die brennenden Bündel auseinandergezogen und anschließend abgelöscht. Rund 90 Einsatzkräfte waren mehrere Stunden im Einsatz. Der entstandene Sachschaden wird auf etwa 10.000 Euro geschätzt.

Entstehungsbrand während laufender Löscharbeiten
Noch während der laufenden Löscharbeiten folgte bereits der nächste Alarm. Gegen 16.15 Uhr entdeckten erneut Radfahrer im Backsteinweg einen brennenden Heu-Rundballen. Ein Tanklöschfahrzeug der Feuerwehr Warstade löste sich kurzfristig aus dem Großeinsatz in der Fährstraße und konnte den Entstehungsbrand rasch löschen. Weitere alarmierte Feuerwehren mussten nicht mehr eingreifen. Auch in diesem Fall ist die Brandursache unklar, die Polizei ermittelt wegen möglicher Brandstiftung.

Reetdach-Schuppen in Flammen
Kaum hatten die Einsatzkräfte den Großeinsatz am Abend beendet und ihre Fahrzeuge wieder einsatzbereit gemacht, ertönten gegen 23.30 Uhr erneut die Meldeempfänger. Ein Anwohner der Hollenworther Straße hatte Flammen im Reetdach eines Schuppens auf seinem Grundstück entdeckt. Unmittelbar daneben befand sich ein großes reetgedecktes Wohnhaus, sodass sich die Lage zunächst äußerst kritisch darstellte.

Durch den schnellen Einsatz der Feuerwehr konnte ein Übergreifen der Flammen auf das Wohnhaus verhindert werden. Hierfür errichteten die Einsatzkräfte eine Riegelstellung und benetzten das Reetdach des Wohnhauses kontinuierlich mit Wasser, während weitere Trupps den brennenden Schuppen bekämpften. Anschließend musste das Dach teilweise geöffnet werden, um versteckte Glutnester abzulöschen. Der Gebäudeschaden wird auf rund 20.000 Euro geschätzt. Auch hier übernahm die Polizei noch während der Löscharbeiten die Ermittlungen. Die Tatortgruppe Brandermittlung der Polizei Cuxhaven wurde eingeschaltet.

Carportbrand weitet sich auf Wohnhaus aus
Nur wenige Stunden später setzte sich die Brandserie fort. Gegen 3.40 Uhr am Montag wurden die Feuerwehren erneut alarmiert. In der Mühlenberger Straße war ein Carport mit einem darunter abgestellten Auto in Brand geraten. Beim Eintreffen der Feuerwehr hatten sich die Flammen bereits auf den Dachstuhl des angrenzenden Zweifamilienhauses ausgebreitet.
Den Bewohnern gelang die Flucht in letzter Minute. Ein Rollstuhlfahrer wurde gemeinsam mit seiner Ehefrau von Polizei und Feuerwehr betreut. Die Frau erlitt vermutlich eine Rauchgasvergiftung und wurde nach der Erstversorgung in das Elbe-Klinikum Stade gebracht. Auch eine 86-jährige Bewohnerin der zweiten Wohnung sowie zwei Hunde konnten rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden.

Unter schwerem Atemschutz kämpften schließlich rund 120 Einsatzkräfte gegen das Feuer. Eine Drehleiter der Berufsfeuerwehr Cuxhaven unterstützte die Löscharbeiten, indem Dachziegel und Teile des Dachfirstes entfernt wurden, um versteckte Glutnester erreichen zu können. Auch im Gebäude mussten Teile der Deckenkonstruktion geöffnet werden. Eine Wohnung ist infolge des Brandes unbewohnbar. Der Sachschaden wird auf rund 200.000 Euro geschätzt.
Feuerwehren am Limit
Die außergewöhnliche Brandserie brachte die Feuerwehren an ihre Belastungsgrenze. Da Atemschutzgeräte, Schläuche und weiteres Einsatzmaterial nach den langwierigen Löscharbeiten knapp wurden, unterstützten zusätzliche Feuerwehren aus der Samtgemeinde die Kräfte vor Ort. Mehrfach übernahm die DRK-Bereitschaft Land Hadeln mit Rettungswagen die medizinische Absicherung der unter schwerem Atemschutz eingesetzten Feuerwehrleute.

Bei den vier Bränden waren Einsatzkräfte der Feuerwehren Basbeck, Warstade, Osten, Heeßel, Klint, Westersode und Hechthausen im Einsatz. Unterstützt wurden sie von Gemeindebrandmeister Björn Müller, seinem Stellvertreter Malte Schimmelpfennig, dem stellvertretenden Abschnittsleiter Torben Offermann, einer Drehleiter der Berufsfeuerwehr Cuxhaven, dem Cuxland-Rettungsdienst mit Notarzt und Rettungswagen sowie der DRK-Bereitschaft Land Hadeln.
Polizei prüft Zusammenhang der Brände
Die Polizei Hemmoor sowie die Tatortgruppe Brandermittlung der Polizeiinspektion Cuxhaven untersuchen nun mögliche Zusammenhänge zwischen den vier Bränden. Aufgrund der zeitlichen und räumlichen Nähe sowie der bisherigen Erkenntnisse steht in allen Fällen der Verdacht einer vorsätzlichen Brandstiftung im Raum.
Für die Feuerwehren endete die einsatzreiche Nacht erst in den frühen Morgenstunden. Nach stundenlangen Löscharbeiten kehrten die erschöpften Einsatzkräfte an ihre Standorte zurück, stellten die Einsatzbereitschaft ihrer Fahrzeuge wieder her und konnten den außergewöhnlichen Einsatztag schließlich beenden. Die Brandserie verursachte einen geschätzten Gesamtschaden von rund 230.000 Euro und hinterlässt nicht nur erhebliche Schäden, sondern auch zahlreiche offene Fragen, auf die nun die Ermittler Antworten suchen.
Von Jürgen Lange

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