Bröckelbeck: Das "gallische Dorf" in Hemmoor
Hemmoor. Die Bröckelbecker Einwohner halten zusammen, engagieren sich - und haben damit fast immer Erfolg.
Wenn die Bewohner des Hemmoorer Stadtteils Bröckelbeck über sich sprechen, nennen sie sich scherzhaft "Das gallische Dorf". Die Bezeichnung stammt aus dem 19. Jahrhundert und wurde auch mit dem "Dorf der Unbeugsamen" übersetzt. Das entspricht den Bröckelbeckern allerdings nicht. Sie sagen nicht zu allem Ja, sagen nicht zu allem Nein, wissen aber was sie wollen und setzen sich gemeinschaftlich dafür ein.
2014 Bürgerinitiative gegründet
Dass das in den meisten Fällen zum Erfolg führt, weiß Stefan Wehden, der sich seit vielen Jahren als Kümmerer in dem etwa 60-Seelen-Dörfchen auszeichnet. Er fasst zusammen, was die Stadtteil-Gemeinschaft in der Vergangenheit erreicht hat: "Angefangen hat alles mit einer Bürgerinitiative, die sich 2014 gebildet hat. Damals sollte ein Windpark in Bröckelbeck entstehen." Dazu gekommen ist es jedoch nie. Dass lag aber nicht daran, dass die Bröckelbecker alles dafür taten, um den Bau zu verhindern. Im Gegenteil. Sie wollten den Windpark, hatten aber einige Einwände bezüglich der Planung und Einbindung. Anstatt den Anwohnern entgegen zu kommen, wurde entschieden, den Windpark erst gar nicht zu errichten - vorerst, denn: "Der Windpark ist ein Dauerthema. Wir wünschen uns, uns einzubeziehen, sollte in Zukunft etwas geplant werden."
Gehweg und Ortstafeln errichtet
Aus der entstandenen Bürgerinitiative entwickelte sich im Laufe der Zeit ein politisches Bürgerforum, dem sich immer mehr Bröckelbecker anschlossen. Rund 60 Bürger aus den Ortschaften Bröckelbeck, Westersode, Varrel und Mittelstenahe gehörten dazu. "Es hat sich eine Gemeinschaft gebildet, die viel bewirken konnte", so Stefan Wehden. So schafften es die Bröckelbecker mit dem Bürgerforum Hemmoor eine Außenbereichssatzung durchzusetzen und bauten mit eigener Leistung einen Gehweg. "Die Materialkosten übernahm die Stadt, die Pflasterarbeiten haben wir übernommen. Wir haben in Eigeninitiative 300 Meter Gehweg verlegt, um die Straßen sicherer zu machen." Apropos sicher: Hier hat sich noch mehr getan, weil sich die Bröckelbecker Gemeinschaft dafür eingesetzt hat. "Wir haben eigene Ortsschilder bekommen und somit die Durchfahrtsgeschwindigkeit auf 50 km/h begrenzt - aber nur durch unsere Beharrlichkeit", weiß Stefan Wehden und erklärt: "Die Gemeinschaft hält zusammen und erreicht so ihre Ziele." Auch, wenn vieles in Eigenregie auf die Beine gestellt werden muss. "Wir haben eine Bank in der Ortsmitte errichtet, haben einen eigenen lebendigen Adventskalender, organisieren unsere Schützenfeste oder auch das Dorfjubiläum, halten einen Open-Air-Gottesdienst ab, zu dem auch Menschen kommen, die nicht in Bröckelbeck leben", erklärt Stefan Wehden, der selbst 1999 nach Bröckelbeck zog, stolz.
Friedhof wird in Eigenregie bewirtschaftet
"Wir bewirtschaften den Friedhof eigenverantwortlich und haben zum Beispiel auch die Weihnachtssterne für die Straßenlaternen selbst gekauft und bringen sie auch in Eigenregie an", erklärt Stefan Postel, der sich ebenfalls um viele Belange des Stadtteils kümmert. Stefan Wehden ergänzt: "Wir sind eine Gemeinschaft, bei der sich jeder einbringt. Und man sieht, dass es zum Erfolg führt, wenn man sich engagiert." "
Als nächstes steht das Projekt "Schießstand" auf der Agenda. "Den wollen wir sanieren und renovieren. Auch der Gehweg-Ausbau ist noch nicht beendet." Für das kommende Jahr stehen also noch viele Projekte an. Unter anderem ein weiteres Bauprojekt, für dessen Entstehung sich die Bröckelbecker eingesetzt haben. "In der Dorfmitte wird eine achteckige Wetterschutzhütte gebaut, damit man sich auch unterstellen kann, wenn beispielsweise der Open-Air-Gottesdienst stattfindet", freut sich Stefan Postel. Zusammengefasst sind das ziemlich viele Pläne, die schon bald umgesetzt werden sollen. Warum die Bewohner bezüglich der Umsetzung so optimistisch sind? "Weil wir uns engagieren und etwas zusammen bewirken wollen", erklärt Bröckelbeckerin Birgit Grabbe und ergänzt: "Vielleicht nehmen sich andere Ortschaften ein Beispiel daran, dass man als Gemeinschaft etwas bewirken kann, wenn man sich einsetzt."
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