Johannes Esselborn in seinem Heimstudio: Der Musiker und Erzieher aus Hemmoor arbeitet an seinem nächsten Song, umgeben von Technik und Instrumenten. Foto: May
Johannes Esselborn in seinem Heimstudio: Der Musiker und Erzieher aus Hemmoor arbeitet an seinem nächsten Song, umgeben von Technik und Instrumenten. Foto: May
Zwischen Hoffnung und Harmonien

"Don't Give Up": Wie ein Musiker aus Hemmoor schwere Zeiten vertont

von Denice May | 16.05.2026

Nach einer Krebserkrankung verarbeitet Johannes Esselborn aus Hemmoor seine Erfahrungen in Musik und einem Begleitbuch für Patienten. Der Erzieher und Musiker erzählt von Therapie, Hoffnung - und davon, wie Krisen neue Songs entstanden.

Gitarren hängen an der Wand, ein Klavier steht in der Ecke, mit grauem Stoff bespannte Akustikelemente verteilen sich im Raum. Vor Johannes Esselborn leuchtet ein Bildschirm voller Tonspuren: übereinandergelegte Stimmen, Gitarrenflächen, Klavierakkorde. Der nächste Song des 32-Jährigen aus Hemmoor ist in Arbeit.

Hauptberuflich arbeitet Johannes Esselborn als Erzieher und Religionspädagoge in einer Kindertagesstätte in Hechthausen. Dass Musik einmal zu seinem wichtigsten Halt werden würde, ahnte er als Kind nicht. Damals gab es Blockflötenunterricht, später E-Orgel. Irgendwann verlor er jedoch das Interesse. Die Instrumente verschwanden aus dem Alltag. Erst in der zehnten Klasse fand er auf dem Dachboden eine alte Gitarre. "Drei Monate später war ich schon in einer Kirchenband", sagt er. Unterricht hatte er nicht. "Ich habe mir alles selbst beigebracht."

Ein Raum voller Melodien: Gitarren und ein Klavier im Homestudio von Johannes Esselborn. Foto: May

Er begann, eigene Lieder zu schreiben. Anfangs stark geprägt vom christlichen Kontext, in dem er sich bewegte. Mit dem ersten selbst verdienten Geld kaufte er Mikrofone, Kabel und Aufnahmegeräte. Er richtete sich ein Homestudio ein, nahm Gesang, Bass, Gitarre und Klavier selbst auf und lud Videos ins Internet hoch. Während andere in seinem Alter auf Festivals fuhren, beschäftigte er sich mit Equalizern, Raumklang und Mikrofonabständen.

Gehörverlust und Stimmbandentzündung

Dann kam das Jahr 2020. Nach einer Infektion verlor Johannes Esselborn zeitweise sein Gehör. Nicht vollständig, aber genug, um zu erkennen: "Da habe ich gemerkt, dass mir Musik total wichtig ist." Kurz darauf entzündeten sich während der Corona-Zeit seine Stimmbänder. Stundenlange Gespräche mit Maske in der Kita, die dauerhaft angestrengte Stimme - schließlich sechs Wochen komplettes Sprechverbot. Johannes Esselborn begann, seine Stimmübungen aufzunehmen, dokumentierte Fortschritte, schrieb weiter Songs und stellte sie als Videos online.

Eines dieser Videos sah Christopher "Chris" Lass, ein deutsch-britischer Produzent. Er meldete sich bei ihm. "Du hast Talent", sagte Chris Lass zu ihm. "Aber du weißt nicht, was du da tust." Der Produzent erklärte Johannes Esselborn Produktionstechniken, Arrangements und Mixing. Daraus entstand schließlich sein erstes Album.

Song hat ihn durch Chemotherapie getragen

Im Mai 2024 erhielt Johannes Esselborn die Diagnose Krebs. "Mein Song ,Don't Give Up‘ hat mich durch die Chemo getragen", sagt der heute 32‑Jährige. In einer Hamburger Klinik lernte er Pfleger Sven kennen. Der erzählte ihm vom emotionalen Spagat seines Berufs: ein Zimmer verlassen, in dem gerade ein Mensch stirbt, und im nächsten Raum Hoffnung ausstrahlen müssen. "Kannst du darüber einen Song schreiben?", fragte er Johannes Esselborn. Er tat es. Das Musikvideo entstand später direkt im Krankenhaus.

Aus dieser Begegnung und dem Lied entstand noch etwas anderes: ein kleines Buch mit dem Titel "Breathe In, Breathe Out - Zwischen zwei Atemzügen". 56 Seiten mit Fotografien aus der Klinik, kurzen Texten und freien Seiten für Gedanken. Ein Teil der ersten Auflage gelangte über Pfleger Sven direkt auf die Station - zu Menschen, die sich selbst gerade in Behandlung befanden. Aber es ist auch in Johannes Esselborns Online-Shop erhältlich. "Das Buch soll kein Ratgeber sein", sagt Johannes Esselborn. "Es ist eher ein Begleiter für Momente, in denen Worte fehlen."

"Dunkle Zeiten gehen vorüber"

Die Songs seines ersten Albums erzählen von dunklen Zeiten und Hoffnung. Der letzte Titel heißt: "Dunkle Zeiten gehen vorüber". Manche Instrumente wie Bass, Gitarre und Klavier spielte er selbst ein, andere übernehmen Gastmusiker.

Seit dem 1. Januar produziert Johannes Esselborn auch Musik für andere Künstler. "Mit Musik Geld zu verdienen, ist schwer", sagt er. Deshalb setzt er auf Wohnzimmerkonzerte. "Man muss einen Weg finden zwischen: Was finde ich gut? Und was wollen die Leute hören?" Drei Songs seines zweiten Albums hat er bereits veröffentlicht. Darunter auch "Don't Give Up". "Also gib nicht auf", sagt Johannes Esselborn. "Auch wenn du denkst, du kannst nicht mehr. Gib nicht auf."

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

(1 Stern: Nicht gut | 5 Sterne: Sehr gut)

Feedback senden

Google News

Wenn Sie etwas googeln, bekommen Sie neben den normalen Ergebnissen auch eine Box mit aktuellen News angezeigt. Wenn Sie CNV-Medien als bevorzugte Quelle hinterlegen, tauchen unsere Inhalte dort häufiger für Sie auf. Hier CNV-Medien als bevorzugte Quelle hinzufügen.


CNV-Newsletter

Wissen, was im Cuxland los ist: Alle wichtigen Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven direkt in Ihr Postfach. Hier für den CNV-Newsletter anmelden.


Top Nachrichten



Bild von Denice May
Denice May

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

may@no-spamcnv-medien.de

Lesen Sie auch...
Drei Meter lang und 1,80 Meter hoch

"Die Reisenden": Hemmoor soll ein neues Kunstwerk erhalten

von Egbert Schröder

Der Hemmoorer Künstler Frijo Müller-Belecke hat nicht nur im Elbe-Weser-Raum, sondern weit darüber hinaus Spuren hinterlassen. Ein weiteres Kunstwerk kommt hinzu: "Die Reisenden".

So schnell geht's nicht

"McDonald's" in Hemmoor? Milliarden-Konzern dreht Ehrenrunde in der Provinz

von Egbert Schröder

Kommt McDonald's? Vielleicht, aber wenn, dann später. Die Investoren sind dabei, Gutachten überarbeiten zu lassen. Es ist aber nur eine Ehrenrunde, denn die Planungen gehen unverdrossen weiter. Es ist eine komplizierte Situation.

Tag des Lokaljournalismus - Teil 5

CNV-Serie: "Terrorisierende Jugendliche" - Was ist dran an den Vorwürfen in Hemmoor?

Im Kreis Cuxhaven sorgt ein Facebook-Beitrag über "terrorisierende Jugendliche" für Aufregung - inklusive harter Vorwürfe und drastischer Kommentare. Wie viel davon stimmt? Die CNV-Serie zum Tag des Lokaljournalismus zeigt, was Experten dazu sagen.

Gemeinsam gestalten

Hemmoorer Bürgerinnen und Bürger diskutieren über die Zukunft der Stadt

von Redaktion

Wie kann Hemmoor noch lebenswerter werden? Darüber sprechen Bürgerinnen und Bürger bei der dritten Veranstaltung der Reihe "Was uns verbindet". Die Stadt und die ProvinzWerkstatt laden ein.