Schwebefähre Osten-Hemmoor: Gleich zwei Jubiläen auf einmal gefeiert
Die Schwebefähre Osten-Hemmoor feiert gleich zwei Jubiläen und rückt ein Stück regionaler Identität ins Rampenlicht. Erfahren Sie, wie Beharrlichkeit und Leidenschaft das fast vergessene Wahrzeichen zu neuem Leben erweckten.
Wenn die Abendsonne das Stahlgerüst der Schwebefähre in warmes Gold taucht und die Oste gemächlich ihrem Weg zur Elbe folgt, wird spürbar, was dieses Bauwerk den Menschen der Region bedeutet. Die Schwebefähre Osten-Hemmoor ist Heimat, Identität und Stolz einer ganzen Landschaft.
50 Jahre Museumsfähre, 20 Jahre nach Sanierung und Wiedereröffnung: zwei Jubiläen, die am Sonnabend (20. Juni 2026) direkt am Wahrzeichen gefeiert wurden. Zahlreiche Gäste waren gekommen, um auf eine außergewöhnliche Erfolgsgeschichte anzustoßen - eine Geschichte voller Rückschläge, Beharrlichkeit und großer Leidenschaft.

Der 21. April 2006 markierte einen Meilenstein. Nach einer langen Zwangspause setzte die Schwebefähre erstmals wieder ihren Fahrkorb über die Oste. Für viele Menschen war dies ein zutiefst emotionaler Augenblick. Nach Jahren der Unsicherheit kehrte das Wahrzeichen zurück. Dabei schien ihr Schicksal nur wenige Jahre zuvor besiegelt. Im Jahr 2001 war die Fähre wegen schwerwiegender Mängel überraschend stillgelegt worden. Die Enttäuschung war groß. "Es fühlte sich an, als hätte Osten sein Herz verloren", erinnert sich Karl-Heinz Brinkmann, Vorsitzender der Fördergesellschaft zur Erhaltung der Schwebefähre Osten-Hemmoor.
Doch die Region gab nicht auf. Unter Führung des damaligen Vorsitzenden Horst Ahlf und mit Unterstützung des Spiegel-Redakteurs Jochen Bölsche begann ein außergewöhnlicher Rettungseinsatz. Mit großem ehrenamtlichem Engagement gelang es, die Sanierung zu organisieren und neue Perspektiven für die Zukunft zu schaffen. Bölsche initiierte den Weltverband der Schwebefähren und die Deutsche Fährstraße. Dadurch entwickelte sich Osten zu einem bedeutenden Ziel für Touristen. Aus einem Sorgenkind wurde ein Aushängeschild der Region.

Die Fördergesellschaft und ihr Lebenswerk
Gleichzeitig feiert die Fähre in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen als Museumsbetrieb. Am 17. Oktober 1975 gründeten 44 engagierte Bürgerinnen und Bürger die Fördergesellschaft zur Erhaltung der Schwebefähre. Heute zählt der Verein rund 260 Unterstützer. "Unsere Mitglieder sind weltweit vertreten - von der Schweiz bis nach Uruguay", berichtet Brinkmann.
Eine besondere Rolle spielt dabei 'De Fährstuv‘. "In unserem Museum wird die Geschichte der Schwebefähre lebendig gehalten, sagt Nicole Thiel von De Fährstuv. Zu den Ehrenamtlichen in "De Fährstuv" gehört auch Ursi aus Zürich. "Die Schweiz ist meine Heimat, aber hier bin ich zu Hause", sagt sie.

Der Platz vor der Schwebefähre verwandelte sich am Jubiläumsabend in eine stimmungsvolle Kulisse. Mit gefühlvollen Songs sorgte Singer-Songwriter Mark Eaton für die passende Atmosphäre.
Das Jubiläum war auch von einem Blick in die Zukunft geprägt. Bereits im kommenden Jahr steht die nächste große Sanierung an. Rund 8,6 Millionen Euro werden benötigt, um das einzigartige Bauwerk dauerhaft zu erhalten. "Mit der Fähre verbindet mich meine Schulzeit. Man hat damals mit ihrem Fahrplan gelebt", sagt Ostens Bürgermeister Carsten Hubert.

Seit ihrer Einweihung 1909 haben die Menschen ihre Schwebefähre bereits dreimal gerettet. Nach der Stilllegung 1974 sollte sie sogar verschwinden. Nun steht die vierte Bewährungsprobe bevor. "Die Geschichte der Schwebefähre zeigt, was Gemeinschaft bewegen kann. Wenn wir zusammenstehen, wird auch diese Herausforderung zu schaffen sein", sagt Susanne Schult, Fährfrau, zweite Vorsitzende und Schatzmeisterin der Fördergesellschaft.
Als am Jubiläumsabend die Sonne über dem Fluss unterging, wurde deutlich: Die Schwebefähre ist das Herzstück einer Region - und ein schwebendes Wunder, das die Menschen seit Generationen verbindet.
Von Joachim Tonn und Heidi Giesecke
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