Wanderausstellung "Herzschlag" an der Hemmoorer Osteschule macht Warnsignale sichtbar
In Hemmoor zeigt eine Ausstellung, wie Kontrolle beginnen kann: Er will wissen, wo sie ist. Was sie trägt. Mit wem sie unterwegs ist. Schulleiter Jürgen Baude macht zur Eröffnung deutlich: "Prävention darf nicht an knappen Kassen scheitern."
Eine junge Frau sitzt mit ihren Freundinnen in einer Bar. Ihr Blick wandert aufs Handy. Eine Nachricht ihres Freundes: Er habe ein Video online gesehen, auf dem sie zu sehen sei. Warum sie so rausgehe, will er wissen. Dann die nächste Nachricht. Sie solle rangehen. Im Hintergrund ist ein Herzschlag zu hören.
Noch ist kein Schlag gefallen. Niemand schreit. Und trotzdem stimmt etwas nicht.
Mit solchen Szenen beginnt der Film, der am Montag, 14. September, zur Eröffnung der Ausstellung "Herzschlag" an der Osteschule Hemmoor gezeigt wurde. Drei Paare sind in dem Kurzfilm zu sehen. Eifersucht, Kontrolle, abwertende Bemerkungen und unerwünschte Berührungen tauchen zwischen scheinbar alltäglichen Situationen auf. Die Botschaft: (Ex‑)Partnerschaftsgewalt hat viele Gesichter.
Zwischen Eifersucht und Kontrolle
Organisiert wird "Herzschlag" vom Arbeitskreis Häusliche Gewalt im Landkreis Cuxhaven gemeinsam mit der Polizei Niedersachsen. Mariana Busse von der "BISS" ( Beratungs- und Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt) des Paritätischen Cuxhaven und Miriam Breuer von der Frauen- und Mädchenberatung eröffneten die Ausstellung.
"Herzschlag" setzt nicht erst dort an, wo Gewalt offensichtlich wird. Die Ausstellung stellt Fragen, die schwieriger zu beantworten sind: Wann verändert sich Eifersucht? Wann wird aus Interesse Überwachung? Wo liegt die Grenze zwischen Nähe und Kontrolle?
Jürgen Baude, Schulleiter der Osteschule Hemmoor, griff in seiner Ansprache das zentrale Symbol der Ausstellung auf. Ein Herzschlag stehe für das Wertvollste, was Menschen hätten. Das Zuhause sollte ein sicherer Ort sein. Doch gerade dort geschehe Gewalt. Kontrolle, Macht und Vertrauensmissbrauch könnten diesen Herzschlag ins Stocken bringen.
Von häuslicher Gewalt seien überwiegend Frauen und Mädchen betroffen. Gleichzeitig warnte Baude davor, gesellschaftliche Entwicklungen auszublenden. Veraltete Geschlechterrollen seien wieder auf dem Vormarsch, Frauenrechte stünden unter Druck.
Warum Prävention nicht allein Aufgabe der Schule sein kann
"Schule darf kein Schonraum sein", sagte Baude. Sie sei ein Ort, an dem junge Menschen Haltung lernten. Themen wie Gewalt, Sexismus und problematische Rollenbilder müssten deshalb auch dort besprochen werden.
Gleichzeitig könne Prävention nicht allein von Schulen geleistet werden. Baude hob die Arbeit der Schulsozialarbeit hervor und richtete einen Appell an die Politik: Die Förderung von Präventionsprojekten dürfe keine freiwillige Zusatzleistung sein, die je nach Kassenlage gekürzt werde.
Auch Hemmoors Samtgemeindebürgermeister Jan Tiedemann sieht die Verantwortung nicht allein bei einzelnen Institutionen. Prävention bedeute mehr, als Straftaten zu verhindern. Hinsehen, zuhören und aufmerksam sein - das sei eine Aufgabe für die gesamte Gesellschaft.
Was "Twilight" mit Red Flags in Beziehungen zu tun hat
Wie schwer Warnsignale manchmal zu erkennen sind, machte die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Cuxhaven, Kirsten von der Lieth, an einem prominenten Beispiel deutlich: der Liebesgeschichte aus "Twilight".
Was im Roman romantisch klingt, würde im wirklichen Leben möglicherweise ganz anders bewertet. Edward Cullen, der vermeintlich große romantische Held? Bei genauerem Hinsehen zeigt sein Verhalten einige jener Warnsignale, die heute häufig als "Red Flags" bezeichnet werden.
Denn die seien nicht immer knallrot, sondern mitunter gut getarnt. Ein Satz wie "Wenn du mich wirklich liebst, dann …" kann harmlos klingen - und zugleich Druck erzeugen.
Zur Eröffnung steuerte auch die Osteschule selbst einen Teil bei. Der Chor der Schule sorgte mit seinem Auftritt für einen emotionalen Moment, die Koch-AG der Schule übernahm das Catering.
Die Ausstellung "Herzschlag" ist bis einschließlich 25. September an der Osteschule Hemmoor zu sehen und an den Ausstellungstagen jeweils von 14 bis 17 Uhr auch für die Öffentlichkeit geöffnet.
Anschließend wandert sie weiter an die Oberschule Langen. Dort wird sie am 28. September um 15.30 Uhr eröffnet.
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