Das Veranstaltungsteam aus dem Fachbereich Erziehungsberatung & Fachberatung Kindertageseinrichtungen, mit Kolleginnen der Nifbe sowie Prof. Dr. Klaus Fröhlich-Gildhoff. Foto: Landkreis Cuxhaven
Das Veranstaltungsteam aus dem Fachbereich Erziehungsberatung & Fachberatung Kindertageseinrichtungen, mit Kolleginnen der Nifbe sowie Prof. Dr. Klaus Fröhlich-Gildhoff. Foto: Landkreis Cuxhaven
Konflikten anders begegnen 

Herausforderndes Verhalten in der Kita: Warum Kreis Cuxhaven einen neuen Weg geht

von Maren Reese-Winne | 31.08.2026

Dr. Klaus Fröhlich-Gildhoff ist einer der bekanntesten deutschen Kinder- und Jugendforscher. Bei einem Fachtag für alle Kitas im Kreis Cuxhaven machte er Mut zu neuen Betrachtungsweisen in Konfliktfällen: Was, wenn sie gar nicht provozieren wollen? 

Einen Fachtag in der Dimension hatte es bisher für die Beschäftigten der Kommunalen Kindertagesstätten im Kreis Cuxhaven noch nicht gegeben: Rund 140 Teilnehmerinnen und Teilnehmer beschäftigten sich im Kreishaus mit der Frage, wie sie herausforderndem Verhalten in der Kita begegnen können. Dr. Klaus Fröhlich-Gildhoff, bis zu seinem Ruhestand Professor für Klinische Psychologie und Entwicklungspsychologie an der Evangelischen Hochschule Freiburg und einer der bekanntesten deutschen Kinder- und Jugendforscher, garantierte einen lösungs- und handlungsorientierten Ansatz

Die durch Corona nochmals verstärkt auftretenden psychischen Störungen, verzögerte Sprachentwicklung und Verhaltensauffälligkeiten sind ein bewegendes Thema in den Kitas. Hinzu kommen gesellschaftlich unsichere Zeiten und weltweite Krisen - immerwährend präsent durch die digitalen Medien, mit denen auch die Kleinsten wie selbstverständlich umgehen. Viele Fachkräfte fühlen sich durch Kinder (und deren Familien) belastet, die ein "herausforderndes" Verhalten zeigten - "oder besser gesagt, ein als herausfordernd empfundenes Verhalten", so konkretisierten es die Kita-Fachberaterinnen Mirja Heinsohn, Janina Kuppe und Birgit Thielebeule zusammen mit ihren Kolleginnen Isabell Finke und Astrid Hertel vorab in einem Pressegespräch.

Empfinden kann sehr unterschiedlich sein

Das ist ein wesentlicher Unterschied, der Selbstreflexion erfordert: "Das Empfinden, was als herausfordernd empfunden wird, ist sehr unterschiedlich und immer mit der eigenen Geschichte verbunden", geben die Expertinnen zu bedenken. Hier setzt das von Dr. Klaus Fröhlich-Gildhoff mitentwickelte Programm "Heveki" ("Herausforderndes Verhalten von Kindern professionell bewältigen") an, das nun flächendeckend in den Kreis-Kitas etabliert werden und Teams die Instrumente liefern soll, aus der Ohnmacht in die Handlungsfähigkeit zu kommen und die Übermacht der Konfliktsituationen zu beenden: "Die Kollegien gehen dort gestärkt raus", sind die Fachberaterinnen überzeugt.

Ganze Kita-Kollegien verfolgten im Sitzungssaal des Kreishauses den Einführungsvortrag mit Prof. Dr. Klaus Fröhlich-Gildhoff. Foto: Landkreis Cuxhaven

Den Auftakt bildete der Fachtag, zu dem der Fachbereich Erziehungsberatung & Fachberatung Kindertageseinrichtungen des Landkreises und das Niedersächsische Institut für frühkindliche Bildung und Erziehung (Nifbe) alle Teams der 95 kommunalen Kitas im Kreis sowie einiger kleinerer Einrichtungen ohne eigene Fachberatung eingeladen hatten - ausgenommen die Stadt Cuxhaven, in der alle Kitas in freier Trägerschaft mit eigenen Fachberatungen betrieben werden.

Da zu den Steckenpferden des Referenten auch die Resilienzforschung zählt (die Gabe, Rückschläge ohne nachhaltige seelische Schäden zu überstehen), war nicht verwunderlich, dass er einen ermutigenden Ansatz aufzeigte: eine ressourcenorientierte, professionelle Begegnung mit diesen als herausfordernd empfundenen Kindern (und deren Familien). Hintergrund, so der Referent: Erzieherinnen und Erzieher hätten nur Einfluss auf ihr eigenes Handeln.

Das Kind verstehen, um es zu stärken

Das wissenschaftlich begleitete und evaluierte Programm setzt darauf, sich teamübergreifend gezielt und intensiv den Kindern zuzuwenden, die überproportional viel Arbeitskraft und Energie fordern, und sich die Frage zu stellen: Wie kann das Kind erreicht werden? Was können wir gezielt tun, um stärkende Situationen zu fördern? Diese Fallbesprechungen verfolgten den "Ansatz des guten Grundes", also dem Verstehen, warum sich ein Kind so verhalte, erklären die Kita-Fachberaterinnen.

Das koste anfangs Zeit, verspreche aber langfristig Handlungssicherheit, Rückenstärkung und Entlastung für alle: Team, alle Kinder und Familien. Endlosschleifen könnten so durchbrochen werden. "Wir wollen weg vom Diagnosenwahnsinn und lieber herausfinden, was das Kind braucht, damit es hier gut sein und mit den Strukturen gut leben kann." Dafür gebe es keine Standard-, sondern nur individuelle Lösungen.

Nach der Einführung wurde das Vorgehen beim Fachtag anhand einer Fallbesprechung erprobt. Immer wieder gab es Raum für Diskussionen. Mit der Feststellung, dass Kinder im Alter von vier oder fünf Jahren nicht in der Lage seien, gezielt zu provozieren, löste der Referent einen regelrechten Ruck durch die Menge aus.

Flächendeckend fiel das Urteil durchweg positiv aus, es habe sich der Horizont erweitert, berichteten viele. Dies soll nun in weiteren Fortbildungen vertieft werden. Die Fachberaterinnen werden Multiplikatorenschulungen anbieten und weiterhin die Kitas persönlich unterstützen.

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Maren Reese-Winne

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Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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