Hochwassermarken halten Erinnerung an die Flut im Januar 1976 im Kreis Cuxhaven wach
Sie sind bis heute fest im Gedächtnis der Cuxland-Bewohner verankert - die Sturmfluten von 1962 und 1976. Hochwassermarken erinnern an die großen Überschwemmungen und stärken die Wahrnehmung für die stets bestehende Hochwassergefahr an der Nordsee.
50 Jahre ist es her, dass eine der schwersten Sturmfluten der Neuzeit an die deutsche Nordseeküste brandete. Am 3. und erneut am 21. Januar 1976 schlugen meterhohe Wellen gegen die Deiche. Das Sturmtief erreichte in der Deutschen Bucht bis zu 150 Kilometer pro Stunde. In der Wolskermarsch in Sahlenburg wurde der niedrige Damm überspült und richtete hohe Schäden auf dem Campingplatz an. In Groden und Altenbruch schlugen die Wellenberge über den sieben Meter hohen Deich. Auch das Kehdinger Land wurde großflächig überflutet. Beidseits der Elbe standen insgesamt 100.000 Hektar Land zum Teil wochenlang unter Wasser, zahlreiche Höfe wurden zerstört und unzählige Nutz- und Wildtiere ertranken in den Fluten.

Markierungen und Gedenktafeln an Nord- und Ostsee erinnern an das Leid und die Schäden, die die Sturmflut 1976 und andere Fluten ausgelöst haben. Und sie zeigen häufig, wie hoch das Wasser damals gestanden hat.
Thomas Sävert hat den Flutmarken eigene Webseite gewidmet
Thomas Sävert aus Voerde (Nordrhein-Westfalen), Meteorologe und Experte für Stürme und Naturgewalten aller Art, hat diesen Flutmarken eine eigene Internetseite gewidmet: Unter www.sturmflutmarken stellt er zahlreiche Bilder von Hochwassermarken vor, die er entweder selbst fotografiert oder von den Besuchern seiner Homepage zugeschickt bekommen hat. "Ich freue mich über jeden Hinweis auf solche Marken", sagt Sävert, der sich auch beruflich mit Stürmen und Unwettern beschäftigt. Der Meteorologe ist in der Unwetterzentrale von Jörg Kachelmann beschäftigt.
Im Gespräch mit cnv-medien.de verrät Sävert, welche Hochwassermarken ihn besonders faszinieren: "An der gesamten Nordseeküste hat mich der Pfahl im Husumer Hafen am meisten beeindruckt, weil hier das Wasser im Januar 1976 extrem hoch aufgelaufen war. In Cuxhaven ist es die im Grunde unscheinbare Sturmflutmarke aus dem Jahre 1976 am Radarturm, die meine Beachtung findet. Schon viele Dutzend Male war ich daran vorbeigelaufen, bevor ich sie durch Zufall entdeckte."

Von den rund 60 Sturmflutmarken, die Thomas Sävert an der deutschen Küste bislang aufgespürt hat, stehen etwa 20 im Cuxland. Unter anderem sind Gedenktafeln aus Altenbruch, Otterndorf, Wremen und Spieka-Neufeld auf seiner Webseite zu sehen. Der Gedenkstein in Duhnen und der Denkmal-Brunnen auf dem Cuxhavener Kaemmererplatz sind auf der Internetseite ebenso vertreten wie die Hochwassermarken am Otterndorfer Sieltor und der Marken-Mast in Oberndorf.
Sävert weiß genau, welche große Bedeutung die Hochwassermarkierungen für die Küstenbewohner haben: "Den Menschen ist es wichtig, an vergangene Katastrophen zu erinnern, vor allem an das Leid, die Opfer und Schäden, die es bei den Naturkatastrophen gab. Das gilt nicht nur für Sturmfluten, sondern auch für andere Katastrophen", erklärt der Wetter-Experte. Er kenne etwa Denkmale, die nach schlimmen Hagelkatastrophen errichtet wurden.
"Schwere Sturmfluten mit vielen Opfern gab es ja an der Nordseeküste recht häufig, und gerade Cuxhaven war schon immer den Gewalten des Meeres direkt ausgesetzt", sagt Sävert. Zuletzt habe die Sturmflut von Januar 1976 Spuren hinterlassen, daher würden von dieser im Kreis Cuxhaven auch die meisten Marken vorliegen. "Zusätzlich möchte man mit den Flutmarken mahnen, dass etwas getan werden muss, um weitere Katastrophen zu verhindern."

