Karl-Wilhelm „Kalli“ Hinsch macht sich Sorgen um die Störche in Ihlienworth und hat Warnschilder an der Hauptstraße aufgestellt. Foto: Mangels
Karl-Wilhelm „Kalli“ Hinsch macht sich Sorgen um die Störche in Ihlienworth und hat Warnschilder an der Hauptstraße aufgestellt. Foto: Mangels
Zugvögel in Gefahr

Achtung, tieffliegende Störche: Ihlienworther stellt ungewöhnliche Warnschilder auf

von Christian Mangels | 26.06.2024

Reitpferde, Viehtrieb, Amphibienwanderungen und Wildwechsel - das sind tierische Verkehrsschilder, die jeder kennt. Doch in Ihlienworth gibt es jetzt an der Hauptstraße der Gemeinde neue Warnhinweise: Störche im Tiefflug!

Was ist schwarz-weiß und im Sommer auf Wiesen unterwegs? Richtig, Störche, die auf Nahrungssuche herumstaksen. Wenn sie fliegen, sieht es meist majestätisch aus. Problematisch und gefährlich kann es allerdings werden, wenn die Vögel im Tiefflug über die Straßen gleiten.

Der Ihlienworther Karl-Wilhelm "Kalli" Hinsch macht sich Sorgen um die eleganten Segler. Auf seinem Grundstück an der Hauptstraße hat er einen Storchenmast aufgestellt und bietet dort einem Jungstorchenpaar Obhut. Schon mehrfach hat er beobachtet, wie die Tiere im Sturzflug über die viel befahrene Landesstraße gleiten, um die Grünflächen auf der anderen Straßenseite nach Futter abzusuchen. "Da kann es ganz leicht zu Kollisionen kommen", meint der Ihlienworther.

Hinsch wollte handeln. Und er tat es. Im Internet bestellte er zwei Schilder mit der Aufschrift "Achtung! Tieffliegende Störche" und stellte sie an der Hauptstraße auf. Ein Schild platzierte er auf dem Nachbargrundstück (mit der freundlichen Genehmigung der Anwohner), ein weiteres befestigte er an einem Laternenpfahl auf der anderen Straßenseite.

Schilderaktion in Sandstedt sorgte für Schlagzeilen

Kalli Hinsch folgt damit dem Beispiel der Ortschaft Sandstedt (Einheitsgemeinde Hagen im Bremischen). Dort warnen seit März mehrere Schilder an den drei Einfahrtsstraßen des Dorfes vor tieffliegenden Störchen. Die Aktion, die ebenfalls von einer Privatperson ausging, sorgte bundesweit für Schlagzeilen. Die Bewohnerin hatte den Landkreis, die Gemeinde und die Polizei ins Boot geholt, um die Warnschilder aufstellen zu können.

Auch Hinsch hätte die Schilder-Aktion gern etwas größer aufgezogen. Doch sein Antrag an die Gemeinde Ihlienworth wurde mit dem Hinweis abgelehnt, dass für die Hauptstraße, die L117, der Landkreis Cuxhaven zuständig sei. "Das war mir dann zu aufwendig, also habe ich mich selbst gekümmert", erzählt der einstige Mitarbeiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes.

Ihlienworth gilt neben Odisheim als Storchen-Hochburg im Landkreis Cuxhaven. Im Jahr 2022 wurden in dem Sietland-Dorf 19 Nester gezählt, aus denen 40 Jungstörche ausgeflogen sind. Im vergangenen Jahr registrierte der Naturschutzbund (Nabu) im Landkreis Cuxhaven 265 Weißstorchpaare, in ganz Niedersachsen und Bremen waren es mehr als 2000. Zuletzt stieg die Zahl der Vögel in der Region. "Wir haben eine gute Population", sagt Bärbel Rogoschik, Leiterin des Nabu-Artenschutzzentrums in Niedersachsen. 

Nur der Verkehr werde den Tieren immer wieder zum Verhängnis - insbesondere wenn die Storchennester in der Nähe von Straßen seien, so Rogoschik. Bevor die Vögel beim Fliegen an Höhe gewinnen, gehen sie in den Sinkflug und werden dabei schnell von Autos oder Lastwagen erfasst. Aber auch bei der Futtersuche bestehe die Gefahr. "Wenn ein Storch zur Wiese auf der anderen Straßenseite will, dann fliegt er da nicht rüber. Das wäre viel zu aufwendig für ihn, sondern er marschiert da in aller Seelenruhe rüber und landet dann auf der Kühlerhaube." Störche können nur bis Tempo 40 eine Gefahr wahrnehmen, alles andere sei für sie unvorstellbar, erläutert die Expertin. Warnschilder für Autofahrende seien also eine gute Idee.

Im vergangenen Jahr registrierte der Naturschutzbund (Nabu) im Landkreis Cuxhaven 265 Weißstorchpaare, in ganz Niedersachsen und Bremen waren es mehr als 2000. Foto: Schuldt/dpa

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Christian Mangels

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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