"Nicht vertretbar": Kritik an möglichem Jugendraum-Aus in Ihlienworth wächst
Was wird aus dem Jugendraum in Ihlienworth? Die von der Samtgemeindeverwaltung vorgeschlagene Schließung des Angebots stößt auf erheblichen Widerstand. Währenddessen sucht die Politik nach einem Ausweg aus der festgefahrenen Situation.
Diese Sitzungsvorlage hat für große Aufmerksamkeit und Empörung gesorgt: Die Verwaltung der Samtgemeinde Land Hadeln regt in einem Beschlussvorschlag für den Ausschuss für Jugend, Soziales und Senioren und den Samtgemeindeausschuss an, den Jugendraum in der Gemeinde Ihlienworth zum 1. Juli 2026 zu schließen. Hintergrund ist die nicht geklärte Finanzierung des Angebots des Paritätischen Cuxhaven in der Grundschule Sietland. Nach dem Haushaltssicherungskonzept der Samtgemeinde Land Hadeln sollen sich die Mitgliedsgemeinden zu 50 Prozent an den Kosten der Jugendarbeit beteiligen. Die Gemeinde Ihlienworth hat als einzige Mitgliedsgemeinde bislang keine Zustimmung signalisiert.
Für Kai Uhlhorn, stellvertretender Geschäftsführer des Paritätischen Cuxhaven, ist die geplante Schließung "rechtswidrig". Entgegen einer weitverbreiteten Fehlannahme handele es sich bei der Jugendarbeit nicht um eine freiwillige Leistung, die bei Haushaltsnotstand beliebig gestrichen werden könne, sondern um eine gesetzliche Pflichtaufgabe, teilt er in einer Stellungnahme mit.
Der Paritätische fordert den "sofortigen Stopp des Schließungsverfahrens", die Einleitung eines "ordnungsgemäßen Partizipationsprozesses mit den Jugendlichen" sowie die "Sicherstellung der Finanzierung als gesetzliche Pflichtaufgabe im kommenden Haushalt". Irene Wischhusen, Erste Samtgemeinderätin der Samtgemeinde Land Hadeln, entgegnet, eine gesetzliche Pflicht zur Vorhaltung eines Jugendangebots in jeder Mitgliedsgemeinde bestehe nicht.
Wichtiger präventiver außerschulischer Lebensort
Kritik an der geplanten Schließung des Jugendraums kommt auch von Natalie Schellong, Kreisjugendpflegerin des Landkreises Cuxhaven. "Ich finde es äußerst bedauerlich, wenn finanzielle Auseinandersetzungen auf dem Rücken der Jugendlichen ausgetragen und diese somit um einen wichtigen präventiven außerschulischen Lebensort gebracht werden", sagt sie. Eine Stellungnahme haben auch Silke Thamm und Antje Fritsche von der Jugendhilfestation Otterndorf, einer Einrichtung des DRK, abgegeben: "Eine Schließung des Jugendraums Ihlienworth halten wir aus pädagogischer Sicht für nicht vertretbar."
In der Sitzung des Ausschusses für Jugend, Soziales und Senioren, der am Dienstag in Otterndorf zusammenkam, hielt Timm Esemann, Einrichtungsleiter beim Jugendhilfeverein "Die Schleuse", ein eindrucksvolles Plädoyer für den Erhalt des Jugendraums. Anhand der Weisungsstatistik der "Schleuse" verdeutlichte er, wie stark der Bedarf an sozialpädagogischer Begleitung und verlässlichen Anlaufstellen in den vergangenen Jahren gestiegen ist. Die Samtgemeinde Land Hadeln habe die Samtgemeinde Hemmoor im "Ranking" mittlerweile abgelöst, so Esemann. Ohne Angebote wie den Jugendraum, so Esemann, entstünden schnell Leerstellen, die sich zu einem "Brutraum für Politikverdrossenheit und Extremismus" entwickeln könnten.
Christian Roth (CDU), Bürgermeister der Gemeinde Ihlienworth, verteidigte das einstimmige Votum des Gemeinderats, sich nicht an den Kosten des Jugendraums zu beteiligen. "Wir haben uns die Entscheidung nicht einfach gemacht", erklärte Roth. Der Gemeindehaushalt sei bereits durch die Beteiligung am Wassertourismus und an den Betriebskosten der Turnhalle belastet. Eine zusätzliche finanzielle Verpflichtung würde den Haushalt in eine Schieflage bringen. "Aber natürlich möchte ich nicht, dass der Raum geschlossen wird."
Nach Abschluss der Diskussion herrschte im Ausschuss Konsens, auf eine Empfehlung des Beschlussvorschlags der Verwaltung zu verzichten. Gesucht wird jetzt ein Kompromiss, der sowohl die finanzielle Leistungsfähigkeit der Gemeinde als auch den Fortbestand des Jugendraums sichert.