Currywurst und Käsekuchen für die "Ewigkeit": Einkochen im Kreis Cuxhaven beliebt
Eingelegte Gurken, getrocknete Apfelringe oder auch fermentiertes Sauerkraut sind bekannte Klassiker, wenn es darum geht, Lebensmittel lange haltbar zu machen. Mit den Techniken ist allerdings viel mehr möglich, wie eine Ihlienwortherin weiß.
"Ich habe da mal was vorbereitet", sagt die 61-jährige Martina Jost und zeigt auf ihren Küchentisch. Darauf stehen in Weckgläsern eingekochte, eingelegte, getrocknete und fermentierte Lebensmittel. An der Küchenlampe hängt ein Kleiderbügel, von dem Rosmarin herunterbaumelt und getrocknet wird.
Schon im Kindesalter kam die gebürtige Nordrhein-Westfalerin mit dem Einlegen und Einkochen in Berührung. Ihr Vater besaß einen Schrebergarten, in dem er viel Gemüse anpflanzte. "Wir konnten gar nicht so viel essen. Einiges verschenkten wir und das Übriggebliebene kochten oder legten wir ein", erinnert sich die Wahl-Ihlienwortherin. Diese Tradition behielt sie bis heute bei. Jedoch blieb es nicht nur bei Gurken, Bohnen und Sauerkraut.
"Eigentlich kann man alles einkochen"
"Auch ich habe mal klein angefangen und nur das eingelegt und eingekocht, wovon ich zu viel hatte", erzählt Martina Jost. Von ihrem Grundstück in Ihlienworth nimmt der Gemüsegarten einen großen Teil ein. Gegenüber dem Gemüsegarten haben einige Hühner ihr Zuhause. "Die Hühner werden geschlachtet und daraus machen wir unter anderem Hühnersuppe. Doch nicht nur das, denn ich lege auch die gekochten Eier ein", gibt Jost einen Vorgeschmack auf die Besonderheiten in ihren Weckgläsern.
Wie Einlegen und Einkochen funktioniert
Am Beispiel von sauren Gurken lässt sich das Einlegen verständlich erklären. Jost weiß: "Hierfür achtel ich eine Gurke längs in Streifen, sodass sie in ein sauberes und unbeschädigtes Glas passt. Die Gurkenstifte reihe ich vertikal eng aneinander. Dabei sollte man darauf achten, dass zwischen Gurke und Deckel noch etwa ein Zentimeter Platz ist. Dann wird ein kochender Sud darüber gegossen, bis alles bedeckt ist. Für den Sud nehme ich meinen selbstgemachten Apfelessig, braunen Zucker, Senfkörner, Lorbeerblätter und Salz." Manchmal reiche es aus, wenn nur der kochende Sud über das einzulegende Gemüse gegossen wird. Martina Jost empfiehlt jedoch, das fertige und dicht gedrehte Glas noch einmal in einen Kochtopf zu stellen und es mit so viel Wasser zu bedecken, wie Flüssigkeit im Glas selbst ist. Dann wird es noch einmal aufgekocht. "So geht man auf Nummer sicher, dass wirklich ein Vakuum entsteht. Das ist wichtig, damit sich nichts Schädliches bilden kann", appelliert Jost.
Ein ähnliches Prinzip gilt auch beim Einkochen. Hierbei sind ebenfalls kaum Grenzen gesetzt. Das wird mit einem Blick auf den Küchentisch der 61-Jährigen sehr deutlich. Denn neben eingekochtem Gulasch ist hier auch Käsekuchen und Currywurst zu finden. "Mein Mann liebt die eingekochte Currywurst. Das ist der perfekte Snack für zwischendurch. Und der Kuchen ist sehr praktisch, wenn spontan Besuch kommt. Ich kann dann immer etwas anbieten", freut sich Martina Jost.

Für den Käsekuchen nutzt die Ihlienwortherin ein kleines Glas als Backform und gibt den Kuchenteig hinein, sodass das Glas zu zwei Drittel befüllt ist. Nachdem dieser gebacken und vollständig ausgekühlt ist, wird der Deckel auf das Glas geschraubt. Dann wird das Glas, genau wie beim Einlegen, in einen Kochtopf gestellt. Dieser wird wieder mit so viel Wasser befüllt, dass es gleichauf mit dem Rand des Inhaltes - in diesem Fall dem Käsekuchen - ist. Danach muss er 30 Minuten bei 100 Grad einkochen.
"So geht das eigentlich mit allen Lebensmitteln. Auch wenn ich Linsensuppe oder gebackene Tomaten übrig habe, fülle ich die Reste in ein Glas und koche sie ein. Sehr wichtig ist allerdings, dass die Gläser immer sauber sind und alle Lebensmittel verschiedene Zeiten und Temperaturen zum Einkochen benötigen. Am besten sucht man sich hierfür eine Liste im Internet heraus", gibt die Expertin als Hinweis. Einmal eingekocht oder eingelegt, halten die Lebensmittel eine "Ewigkeit". "Ich empfehle allerdings einen Umschlag der eingekochten Lebensmittel nach ein bis zwei Jahren. Das mit der Ewigkeit wird nämlich durch die Metalldeckel und/oder das Weckgummi schon eingeschränkt. Da diese Materialien dem Zahn der Zeit und den in den Lebensmitteln enthaltenen Säuren eben nicht ewig standhalten", erklärt die 61-Jährige.
Auch für Anfänger geeignet
Weder Einkochen noch Einlegen sei schwer und "für jeden machbar". Man benötigt dafür nicht einmal viel Equipment. Was man braucht, sind saubere, unbeschädigte Gläser mit Deckel. Dieser sollte weder Dellen noch Kratzer haben. Jetzt fehlen nur noch Lebensmittel, die man einlegen oder einkochen möchte und ein passender Kochtopf.
Martina Jost ist merklich begeistert von ihrem Hobby: "Ich kann denen, die es ausprobieren möchten, nur viel Spaß wünschen. Ich habe Freude daran. Zudem ist es super praktisch, wenn ich mal nach der Arbeit keine Lust habe zu kochen. Dann gehe ich einfach in meine Speisekammer und hole mir das, worauf ich Appetit habe."