Ungeduld wächst in Ihlienworth: Neuer Hoffnungsschimmer für Tante-Enso-Laden
Die Ungeduld in der Bevölkerung wächst und manch einer hat die Hoffnung schon aufgegeben, dass es noch klappt mit einem Tante-Enso-Laden in Ihlienworth. Nach Angaben des Bremer Unternehmens MyEnso gibt es aber nun "Licht am Horizont".
"Wann kommt er denn endlich?", fragen viele Dorfbewohner und meinen damit den sehnlichst erwarteten Lebensmittelmarkt Tante Enso, der in der Ortsmitte entstehen soll. Eineinhalb Jahre ist es mittlerweile her, dass die erforderliche Zahl von 300 Teilhabern für die Errichtung des genossenschaftlich organisierten Tante-Enso-Geschäftes erreicht wurde - die Ihlienworther feierten diesen Erfolg geradezu überschwänglich.
Aus der anfänglichen Euphorie ist jedoch längst so etwas wie Ernüchterung geworden. Das Projekt ist ins Stocken geraten. Andere Orte im Cuxland, die auf den Tante-Enso-Zug aufgesprungen sind, haben Ihlienworth längst überholt.
Klar ist: Aus den lange favorisierten Plänen, auf dem Baugrundstück des Unternehmers Michael Saft in der Dorfmitte einen Supermarkt-Neubau zu errichten, wird wohl nichts. Nach Informationen unserer Zeitung konnten Saft und MyEnso keine Einigung erzielen. "Vor und zurück, hin und her", so beschreibt Jessica Renziehausen, Kommunikationsmanagerin bei MyEnso, die Lage in Ihlienworth. Und: "Gute Pläne scheiterten an der Realisierungsmöglichkeit."
Stattdessen rückt jetzt das leer stehende Sparkassengebäude an der Ecke Hauptstraße/Osterstraße wieder in den Fokus. "Wir hatten das Objekt bereits zu Beginn im Visier, waren aber aufgrund der Größe zunächst nicht überzeugt", erläutert Jessica Renziehausen. Diese Ansicht hat sich offenbar geändert: "Momentan sind wir in Gesprächen mit der an einer Zusammenarbeit sehr interessierten Eigentümerin und ermitteln die Kosten zur Ertüchtigung der Räumlichkeiten." Mit einer "ausgeklügelten Shopplanung" könne man auch auf dieser verhältnismäßig kleinen Fläche viele Artikel für eine Haushaltsvollversorgung unterbringen, meint die MyEnso-Sprecherin.
Ihlienworths Bürgermeister Christian Roth weiß, dass die Ungeduld im Dorf groß ist. "Die Hoffnung wird der Gemeinderat nicht aufgeben. Es liegt aber auch nicht mehr in unserer Hand", sagt er. Die Politik unterstütze das Projekt weiterhin und stehe bereit, wenn die Hilfe des Rates benötigt werde.
MyEnso hat mittlerweile 20 Dorfläden realisiert
Deutschlandweit hat das Lebensmittel-Start-up MyEnso mittlerweile 20 Dorfläden realisiert, drei davon im Landkreis Cuxhaven. Die Cuxland-Premiere feierte das Unternehmen im September 2022 in Sellstedt (Gemeinde Schiffdorf), drei Monate später wurde in Sievern (Stadt Geestland) ein weiterer Tante-Enso-Laden eröffnet. Im Februar ging in Drangstedt (Stadt Geestland) das bislang größte Tante-Enso-Geschäft im Kreis an den Start.
Mitte Mai geriet MyEnso in die Schlagzeilen, weil die Läden im Cuxland und in weiteren Tante-Enso-Supermärkten im Norden mit Lieferengpässen und großen Lücken im Warensortiment zu kämpfen hatten. Der Grund: Tante Enso war das Geld ausgegangen - zumindest zeitweilig. "Wir hatten Ebbe in der Kasse", gibt Geschäftsführer und Gründer Thorsten Bausch zu. Mittlerweile sei dieser finanzielle Engpass aber überwunden. Die Regale füllen sich wieder.
"Wir sind ein Start-up und haben noch nicht so viel Fleisch angesetzt, dass wir eine Finanzierungslücke einfach so füllen könnten", erklärt Thorsten Bausch. Als noch junges Unternehmen sei MyEnso auf Investoren angewiesen. Doch die seien seit der Corona-Pandemie und dem russischen Überfall auf die Ukraine sehr vorsichtig geworden.
Der MyEnso-Chef bleibt dennoch optimistisch. In 49 Orten in Deutschland würden Eröffnungen von Tante-Enso-Läden unmittelbar bevorstehen. Der Break-Even-Point, also der Zeitpunkt, bei dem sich das Geschäftsmodell selbst trägt, sei für das erste Quartal 2024 mit 45 Märkten vorgesehen.