Dunkle Wolken über der "Re-Art": Ende der Ihlienworther Ausstellung scheint besiegelt
Düstere Aussichten für die Re-Art-Ausstellung in Ihlienworth: Nach dem plötzlichen Tod der Kuratorin Elke Dörfler-Prieß scheint das Ende der erfolgreichen Kunstreihe besiegelt zu sein.
Die Re-Art hat Geschichte geschrieben und den Namen des 1500-Einwohner-Dorfes Ihlienworth in die Welt getragen: Insgesamt acht internationale Kunstausstellungen zu den Themen Umwelt, Recycling und Nachhaltigkeit wurden zwischen 2004 und 2021 im ehemaligen Recyclingwerk auf die Beine gestellt. Sieben Veranstaltungen hat der baden-württembergische Konzeptkünstler und Ausstellungsmacher Samuel J. Fleiner kuratiert. Für die bislang letzte Ausstellung der Re-Art-Reihe, "Re-Art meets Kulturerbe", trug Elke Dörfler-Prieß die künstlerische Verantwortung.
Schon die Premierenveranstaltung, die "Re-Art One", lockte mehr als 10.000 Besucherinnen und Besucher ins Sietland. 2005 wurde die Ausstellung von der UNESCO als richtungsweisendes Projekt in der UN-Dekade "Bildung zur Nachhaltigkeit" ausgezeichnet. Sie war im Jahr 2005 offizieller Beitrag der Bundesrepublik Deutschland beim Weltumwelttag in San Francisco und anschließend erste Kunstausstellung im neuen Umweltbundesamt in Dessau. Im Jahr 2006 wurde die "Re-Art One" von den Vereinten Nationen nach Nairobi (Kenia) eingeladen.
Gemälde, Fotografien, Videos und Installationen
Es blieb nicht beim Recycling. Die nachfolgenden Re-Art-Ausstellungen setzten ganz unterschiedliche Schwerpunkte - vom Klimawandel und der Artenvielfalt bis zum Boden und Afrika. 2018 legte Fleiner seine Kuratorentätigkeit in Ihlienworth aus persönlichen Gründen nieder. Ihm folgte die aus Cuxhaven stammende Künstlerin, Kunstpädagogin und Kuratorin Elke Dörfler-Prieß. Für die Ausstellung "Re-Art meets Kulturerbe" im Jahr 2021 holte sie 50 Künstler und Künstlerinnen in die Ihlienworther Re-Art-Halle, die dort Gemälde, Fotografien, Videos, Design und Installationen präsentierten. Trotz der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie sahen rund 2000 Besucherinnen und Besucher, darunter etwa 300 Schülerinnen und Schüler, die Ausstellung.
Auch nach dem Ausstellungsende der "Re-Art meets Kulturerbe" blieben Elke Dörfler-Prieß und die Verantwortlichen des Ihlienworther Vereins "Kunst, Gesundheit und Bildung" in engem Kontakt. "Elke sprühte nur so vor Ideen und war voller Tatendrang", berichtet Vorstandsmitglied Renate Ayecke. Ihr Tod am 21. November erschütterte ihre Familie, Freunde und bestürzte die Kunstfreunde im ganzen Norden.
Für den Re-Art-Verein stellt der Tod der Kuratorin einen großen Verlust dar. "Wir haben uns von dieser Nachricht noch immer nicht ganz erholt", sagt der Vereinsvorsitzende Peter von Spreckelsen. Weil die Perspektiven fehlen und die Kräfte der Ausstellungshelfer schwinden, sieht der Vorstand derzeit keine Zukunft für das aufwendige Ausstellungsprojekt in Ihlienworth. "Die Re-Art wird es in der bisherigen Form nicht mehr geben", glaubt Peter von Spreckelsen.
Genau wie die Kunstfreunde in der Region bedauert auch Ihlienworths Bürgermeister Christian Roth das wahrscheinliche Ende der Re-Art-Ausstellungen. "Für Ihlienworth wäre es ein großer Verlust", sagt Roth. Die vergangenen Ausstellungen hätten den Namen Ihlienworths in die Welt getragen. "Und durch die tollen Kooperationen mit den Schulen und Kindergärten haben sehr viele und gut besuchte Workshops stattfinden können." Roth weiß aus Gesprächen mit dem Re-Art-Verein aber auch, wie viel Arbeit und Kraft es bedeutet, eine solche Ausstellung auf die Beine zu stellen. Dennoch hofft er auf eine Fortsetzung. "Es würde etwas fehlen."
Die Re-Art-Reihe scheint Geschichte zu sein, aber mit Kulturprojekten will "Kunst, Gesundheit und Bildung" dennoch weitermachen. In Zusammenarbeit mit der Prof.-Langhein-Stiftung hat der Verein ein Kunstprojekt mit der Künstlerin und Druckgrafikerin Gerten Goldbeck in Vorbereitung. Die geplante Ausstellung soll auch eine Reminiszenz und Hommage an die verstorbene Kuratorin Elke Prieß sein, die sich stets für Drucktechniken begeistert hat. "Wir nehmen Elkes Faden wieder auf", sagt Renate Ayecke.