Thomas Kühn hat entscheidend dazu beigetragen, dass es in der Ortsmitte von Ihlienworth ein Flöten-Denkmal gibt. Jetzt hat er seine Erkenntnisse und Recherchen zum historischen Wasserfahrzeug niedergeschrieben. Foto: Mangels
Thomas Kühn hat entscheidend dazu beigetragen, dass es in der Ortsmitte von Ihlienworth ein Flöten-Denkmal gibt. Jetzt hat er seine Erkenntnisse und Recherchen zum historischen Wasserfahrzeug niedergeschrieben. Foto: Mangels
Historische Kähne

Einst das wichtigste Fahrzeug im Sietland: Neues Buch informiert über die Flöten

von Christian Mangels | 06.05.2024

Die Flöten waren flache Kähne, die im häufig überschwemmten Sietland als zentrales Fortbewegungsmittel dienten. Der Ihlienworther Thomas Kühn hat jetzt ein Buch über die historischen Wasserfahrzeuge geschrieben.

Die Flöten war bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein das wichtigste Fahrzeug und Transportmittel im Sietland, gehörte auf jedem Hof zur Grundausstattung und war so normal wie heute das Auto. Wenn das Land unter Wasser stand, waren der flache Kahn und seine "Verwandten", das Schipp, der Ewer oder Bulln, zuverlässige Alternativen zu den Landfahrzeugen. Den Umgang mit den Wasserfahrzeugen lernten die Sietländer von Kindesbeinen an.

"Die Flöten dienten zum Transport von Gütern, zu Einkaufs-, Ausflugs- und Besuchsfahrten, Fahrten zu Hochzeiten, Taufen oder Beerdigungen und nicht zuletzt zum Heranholen von Arzt, Hebamme und Pastor", weiß Thomas Kühn. Der studierte Chemiker hat diesem besonderen Kahn jetzt ein Buch gewidmet. Der Band "Flöten, Schipp und Kahn - Historische Wasserfahrzeuge in Land Hadeln", herausgegeben vom Heimat- und Kulturverein Ihlienworth, ist nach der Buchvorstellung, die am Mittwoch, 8. Mai, im Landfrauencafé über die Bühne geht, im Ihlienworther Bürgerbüro, in der Altstadtbuchhandlung in Otterndorf und in der Bäckerei Loose in Ihlienworth erhältlich.

Zufällig auf verwitterte Eichenplanken gestoßen

Der gebürtige Frankfurter hat im Sommer 2007 erstmals von Flöten als Wasserfahrzeugtyp gehört. "Ich war in Ihlienworth zufällig auf ein paar verwitterte, alte und nur lose zusammenhängende Eichenplanken gestoßen", erzählt der 76-Jährige. Durch den Ortsheimatpfleger und Zimmermann Gerhard Rieper erfuhr Kühn, dass es sich um die Reste einer alten Flöten, des typischen Verkehrsmittels der Siedler in der Hadelner Bucht bis ins 20. Jahrhundert, handelte.

Die beiden Männer beschlossen, gemeinsam ein Denkmalprojekt anzugehen: Während Rieper mit der Restaurierung des historischen Wasserfahrzeugs begann, nahm Thomas Kühn neugierig die Spurensuche auf. Ergebnis dieser Zusammenarbeit ist das Flöten-Denkmal im Zentrum von Ihlienworth, das anlässlich des Kahnfestes im Mai 2012 feierlich enthüllt wurde. Ebenso wie das Denkmal soll das Buch kommenden Generationen die Entwicklung und Bedeutung dieses Transportmittels vor Augen führen.

Die Flöten waren in früheren Zeiten allgegenwärtig und wurden auch gern dazu eingesetzt, wenn es um die Selbstdarstellung der Familien ging. Foto: Reisen

Für das 130-Seiten-Werk hat Thomas Kühn umfangreich recherchiert, sich durch Archive gewühlt, mit Heimatforschern gesprochen und zahlreiche Bildgeber aufgetan. Große Unterstützung bekam Kühn von Rudolf Nintzel, dem zweiten Ihlienworther Ortsheimatpfleger, der auch ein Kapitel über seinen Vater, den Milchkahnfahrer Johannes Nintzel, beigesteuert hat. Bis zu 45 Milchkannen transportierte Nintzel senior täglich über die Medem. 

Kühn gibt in seinem Buch einen Überblick über die Entwicklung und Besiedelung der Hadelner Bucht und geht genau auf die Konstruktion der Sietlandflöten ein. Mit eindrucksvollen Fotos beschreibt er die vielseitige Nutzung der Wasserfahrzeuge, mit denen unter anderem Torf transportiert wurde. "Lange Zeit hatte der Wasserverkehr im Sietland Vorfahrt vor dem Verkehr über Land", schreibt Kühn. Das galt insbesondere in Hochwasserzeiten und Schlechtwetterphasen. Dann standen nicht nur die Weiden und Äcker, sondern auch die Wege unter Wasser. "So konnten die Einwohner ihren Hof nur noch mit der Flöten verlassen."

Eine entscheidende Verbesserung brachte erst der Bau des Hadelner Kanals (1852 bis 1854) und der Stufenschöpfwerke in Ihlienworth und Otterndorf (1928/1929), deren Errichtung Kühn in dem Kapitel "Wasserbauwerke für eine sichere Zukunft" beschreibt. "Und doch müssen immer wieder neue Schutzmaßnahmen entwickelt werden", blickt der Ihlienworther in die Zukunft.

Wer sich für das Buch "Flöten, Schipp und Kahn - Historische Wasserfahrzeuge in Land Hadeln" interessiert, kann das Werk auch auf dem Sietländer Kahnfest am Donnerstag, 9. Mai, ab 14 Uhr im Dorfzentrum erwerben. Thomas Kühn beantwortet gern Fragen zum Thema und signiert, wenn gewünscht, die Bücher.

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