Nicht mehr viel Zeit: Betreiber des Milchmuseums in Ihlienworth rufen Notstand aus
Das Ihlienworther Milchmuseum ruft den Notstand aus. Seit 2008 besteht diese besondere Sammlung im Ortskern des Dorfes. Jetzt muss das Museum allerdings weichen und es werden dringend neue Räumlichkeiten gesucht.
Das Milchmuseum ist nahezu einzigartig und ein besonderer Bestandteil der Ihlienworther Gemeinde. Das wissen auch Katrin Esselborn, Vorsitzende des Landfrauenvereins Sietland und Erika Wisch, die sich um die Planung, Instandhaltung und Betreuung des Milchmuseums kümmert. Sie begrüßt die Gäste, die sich für die Geschichte der Milchproduktion interessieren.
Das Museum ist direkt neben der Alten Meierei in der Heimatstube zu finden. "Es ist eine logische Ergänzung. Die Alte Meierei wurde anders mit Leben gefüllt. Und durch das Museum werden die Räumlichkeiten hier ebenfalls sinnvoll genutzt", erklärt Katrin Esselborn. Doch genau dieses Gebäude - die Unterkunft des Milchmuseums - muss nun dem Neubau des Feuerwehrhauses weichen.
Volles Verständnis trotz Zukunftssorgen
Dass das Milchmuseum nicht in den aktuellen Räumlichkeiten bleiben kann, ist für Wisch und Esselborn erst einmal kein Problem. "Wir haben absolutes Verständnis dafür", sind sich die beiden Frauen einig. Jedoch bangen sie um die besonderen Ausstellungsstücke. Denn bis jetzt (Stand 4. Oktober) fand sich noch keine neue Bleibe für die "kuhle" Sammlung. "Einige Ausstellungsstücke kann man zwar als Ramsch bezeichnen, andere hingegen sind sehr besonders und müssen unbedingt erhalten bleiben. Sie sind schon sehr alt und echte Raritäten", erklärt Esselborn.

In dem Museum ist nicht nur die Geschichte der Milchproduktion zu sehen. Die Besucher haben hier auch die Möglichkeit, selbst eine Holzkuh zu melken und ihr Können an einer Melkanlage zu testen. Außerdem werden nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder über alles "Rund um die Milch" aufgeklärt und mit Infomaterial versorgt. "Wir merken oft, dass die erwachsenen Besucher in Kindheitserinnerungen schwelgen, wenn sie das Museum besuchen. Denn viele Ausstellungsstücke kennen sie noch von früher", erzählt Wisch. Damit dieses besondere Milchmuseum nicht von der Landkarte verschwindet, suchen die engagierten Frauen jetzt eine neue Bleibe für die Sammlung.
Noch keine passende Bleibe gefunden
Die Zukunftsaussichten sind aktuell "echt schlecht", wie Katrin Esselborn es beschreibt. "Wir werden die Heimatstube gerne für die Freiwillige Feuerwehr räumen. Jedoch ist es wichtig, dass die Sammlung erhalten bleibt", so Esselborn und Wisch. Es sei wünschenswert, wenn sich eine Bleibe im Ortskern finden würde. Allerdings ist es den Milchmuseumsbetreibern nicht möglich, Miete für neue Räumlichkeiten zu zahlen. Denn der Eintritt in das Museum ist kostenlos und die Mitarbeiter dort sind ehrenamtlich tätig. Zudem öffnet das Museum nur einmal im Monat (an den Markttagen) und nach vorheriger Anmeldung seine Türen.

Esselborn und Wisch hielten es für ideal, wenn es ein Heimatmuseum geben würde, das die Sammlung mit aufnimmt. "Denn so können die Stücke aus ihrer aktuellen Bleibe ausgeräumt und direkt an einem neuen Ort wieder aufgebaut werden", erklärt Esselborn. Doch es bleibt nicht mehr viel Zeit: Im Dezember müssen die Landfrauen das Milchmuseum geräumt haben. Notfalls könnten die Ausstellungsstücke an einem passenden Ort eingelagert werden. Das wollen Esselborn und Wisch jedoch verhindern, denn: "Es wäre zu schade, wenn es vor der Öffentlichkeit weggesperrt wird."
Somit wird dringend ein neuer Standort - möglichst in Ihlienworth - gesucht, der die Exponate angemessen präsentiert und schützt und dabei möglichst barrierefreien Zugang bietet. Wer geeignete Räumlichkeiten kennt oder anbieten kann, kann sich an die Landfrauenvereinsvorsitzende Katrin Esselborn unter der Telefonnummer (0 47 55) 13 42 wenden.
