Das Gasthaus Katt in Ihlienworth hat sich leise verabschiedet. Seit Ende 2024 sind die Türen dicht. Wird sich ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin finden? Foto: Mangels
Das Gasthaus Katt in Ihlienworth hat sich leise verabschiedet. Seit Ende 2024 sind die Türen dicht. Wird sich ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin finden? Foto: Mangels
Traditionsgaststätte

Gasthaus Katt in Ihlienworth schließt nach Todesfall seine Türen: Zukunft unklar

von Christian Mangels | 26.01.2025

Keine Gäste, kein Personal, keine Nachfolger: Immer mehr Dorf-Gaststätten machen dicht. Jüngstes Beispiel ist das Gasthaus Katt in Ihlienworth, das nach einem Todesfall seine Türen geschlossen hat. Wie es mit dem Lokal weitergeht, ist ungewiss.

Von außen wirkt alles wie immer. Nichts am Lokal oder an der Eingangstür deutet auf das Ende einer Ära hin. Kein Aushang zur Schließung, kein Plakat. Das Gasthaus Katt hat sich leise verabschiedet. Seit Ende 2024 sind die Türen dicht.

Die Schließung der Traditionsgaststätte an der Osterstraße ist ein herber Schlag für das 1500-Einwohner-Dorf, das jetzt nur noch ein Gasthaus hat, das Ausflugslokal "Rüsch's Sommergarten". Katt erzählt ein Stück Ihlienworther Geschichte und war für die Sietländer jahrzehntelang Mittelpunkt für Familienfeste, Geselligkeit und Heimat für die Vereine - hier wurde gegessen, getrunken, gefeiert und getanzt. 

"Es ist ein Jammer", sagt Ihlienworths Bürgermeister Christian Roth, der hofft, dass noch eine Nachfolgelösung gefunden werden kann. Ihm ist aber auch bewusst, "dass ein gewisser Sanierungsstau aufzuarbeiten wäre." Sein großer Wunsch ist, dass der Kriegerverein, der Angelsportverein sowie der DRK-Ortsverein mit seiner plattdeutschen Theatergruppe ein neues Domizil finden.

Ernst Stockfisch genoss als Musiker weite Bekanntheit

Wenn die Mauern der Gaststätte Katt erzählen könnten, dann würden sie plaudern von Dorffesten, Bällen, Konzerten Familienfeiern, Suppenhochzeiten oder geselligen Runden beim Feierabendbier. Schon seit mehr als 200 Jahren gibt es an der Osterstraße in Ihlienworth eine Gastwirtschaft. Gegründet wurde sie von Claus Meyer, der sie 1843 an seinen Sohn Gottlieb weitergab. 1878 folgten als Besitzer Nicolaus Schwanemann und 1924 Ernst Stockfisch, der auch als Musiker und Dirigent der Kapelle Bartenhagen weite Bekanntheit genoss. 

Im Jahr 1924 übernahm Ernst Stockfisch die Gaststätte an der Osterstraße. Er genoss in Hadeln auch als Dirigent der Kapelle Bartenhagen weite Bekanntheit. Foto: Sammlung Nintzel

Unter Stockfisch wurden im Gasthaus gleich zwei technische Neuerungen in Betrieb genommen: Zur "Einweihung des elektrischen Lichts" wurde 1925 im Saal ein zünftiger Eröffnungsball gefeiert. Kurze Zeit später präsentierte Stockfisch ein "stationäres Kino im großstädtischen Stile" - eine echte Sensation im beschaulichen Ihlienworth. Ernst Stockfisch starb 1961.

Im Jahr 1956 übernahm der aus Mittelstenahe stammende Gastwirt Berthold Katt das Lokal, zunächst als Pächter, später als Eigentümer. Seitdem trägt es den Namen Gasthaus Katt. Letzte Betreiberin der Gaststätte war Sandra Woltmann, die Enkelin von Berthold Katt. Sie verstarb im September 2024.

Ob und wie es mit der Traditionsgaststätte Katt weitergeht, ist unklar. Zu einem ausführlichen Pressegespräch ist der Familie Woltmann noch nicht zumute. Nur so viel gibt Marlene Wohltmann, Tochter von Berthold Katt, im Austausch mit unserem Medienhaus preis: "Ich suche einen Nachfolger."

Mit dem Problem steht das Gasthaus Katt nicht allein da. Im Cuxland haben in den vergangenen Jahren etliche Wirte ihre Lokale geschlossen oder suchen händeringend einen Nachfolger. Olaf Wurm, dem Vorsitzenden des DEHOGA-Kreisverbands Wesermünde-Hadeln, fallen beim Rückblick auf die vergangenen zwei Jahrzehnte mindestens 25 gastronomische Betriebe ein, die zwischen Weser und Elbe ohne Nachfolger aufgegeben haben. Viele davon waren große Gasthöfe wie das Waldschlösschen in der Wingst oder der Fährkrug in Osten.

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Christian Mangels

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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