Warum eine geschützte Pflanze den Wassertourismus in Ihlienworth ausbremst
Das Plätschern des Wassers, das Zwitschern der Vögel und die malerische Landschaft: Die Kahnfahrt in Ihlienworth könnte so schön sein - wären da nicht ein verschlammter Kanal und eine geschützte Wasserpflanze. Sie bremsen den Wassertourismus aus.
Sanft gleitet der Kahn über die Medem, vorbei an der Totentreppe und dem Schöpfwerk. Tiefe Entspannung stellt sich wie von selbst ein bei der Sietland-Kahnfahrt durch Ihlienworth und die urwüchsige Natur. Auf der großen, zweistündigen Tour würde Kahnfahrer Mirko Schriever jetzt normalerweise in den Stichkanal abbiegen, um den Anleger anzusteuern. Hier stehen Bänke, Tische und ein Grill für ein Picknick bereit. Doch dieser Abstecher, für die Gäste früher ein echter Höhepunkt, ist schon seit längerer Zeit nicht mehr möglich. Die Zufahrt zu dem für viel Geld und Fördermitteln gebauten Anleger ist völlig verschlickt und damit unerreichbar. "Wir haben schon vor mehr als zwei Jahren auf das Problem hingewiesen", sagt Schriever.
Unterhaltungsbaggerarbeiten im Stichkanal könnten das Problem recht zügig lösen. Doch im Sommer 2024 wurde bei einer Ortsbegehung mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Cuxhaven die sogenannte Krebsschere, eine streng geschützte Pflanze, entdeckt. Dieses Gewächs schiebt der Ausbaggerung derzeit einen Riegel vor. "Nach aktueller Roter Liste ist der Bestand der Krebsschere für das norddeutsche Tiefland und die Küste mit Status 3 als gefährdet angegeben", sagt Simone Starke, Pressesprecherin des Landkreises Cuxhaven.
Krebsscheren deuten auf eine gute Wasserqualität hin
Krebsscheren-Vorkommen deuten auf beständige Wasservorkommen und eine gute Wasserqualität hin, erklärt die Pressesprecherin weiter. Darüber hinaus ist die Wasserpflanze, deren gezahnte Blätter den Scheren eines Krebses ähneln, Heimat für verschiedene Tierarten, wie die Libellenart Grüne Mosaikjungfer, die ihre Eier ausschließlich auf der Krebsschere ablegt.
Die Untere Naturschutzbehörde habe vorgeschlagen, die Krebsscheren umzusetzen und das Gewässer zu "mähen", so Simone Starke. "Die Unterhaltung durch die Samtgemeinde gestaltet sich jedoch schwierig, da geeignete Lohnunternehmer terminlich gebunden sind oder kein geeignetes Gerät haben", erklärt die Pressesprecherin. Die Folge: Der Gewässerabschnitt konnte bislang nicht geräumt werden. Die Naturschutzbehörde sei aber mit der Samtgemeinde in Kontakt, "um die erforderliche Gewässerräumung für den Herbst 2025 abzustimmen und einzusteuern."

Klar ist: Um die Krebsschere zu schützen, können Unterhaltungsmaßnahmen in der Regel nur im Herbst - im September oder Anfang Oktober - durchgeführt werden, bevor die Krebsscheren-Rosetten zur Überwinterung auf den Gewässergrund absinken. "So können die vorhandenen Bestände erkannt, bei der Räumung ausgespart und erhalten werden", so Simone Starke.
Ihlienworths Bürgermeister Christian Roth und seine Kollegen haben das Verständnis und die Geduld für die Hängepartie am Stichkanal längst verloren. "Wir sind sehr verärgert über den momentanen Zustand des Wassertourismus", sagt Roth und sieht die Verantwortung und Zuständigkeit in erster Linie bei der Samtgemeinde. Denn diese sei schließlich für den Wassertourismus zuständig. Am Anfang habe man die Hoffnung gehabt, das Problem mit einem Bagger schnell aus der Welt schaffen zu können. "Aber so einfach scheint es ja nicht zu sein."
Nicht nur der Wassertourismus leidet, auch der Angelsportverein Ihlienworth drängt auf eine baldige Ausbaggerung. Denn nicht nur die Zufahrt zum Anleger verschlammt und verlandet zusehends, sondern der gesamte Stichkanal.
"Wir wissen um die Problematik und würden den Stichkanal gerne wieder befahrbarer machen", sagt Frank Thielebeule, Bürgermeister der Samtgemeinde Land Hadeln. Man stehe mit der Unteren Naturschutzbehörde im Austausch. "Unsere Vorstellung ist, dass wir zur Blütezeit der Krebsschere im Sommer gemeinsam vor Ort eine Bestandsaufnahme machen und im Einvernehmen mit der Unteren Naturschutzbehörde das mögliche weitere Vorgehen abstimmen können."