CNV Medien

Eine verletzte Krähe brachte eine Frau aus dem Kreis Cuxhaven dazu, zahlreiche Hilfsstellen zu kontaktieren. Doch die Suche nach Unterstützung gestaltete sich schwierig. Foto: Wolfgang Runge
Eine verletzte Krähe brachte eine Frau aus dem Kreis Cuxhaven dazu, zahlreiche Hilfsstellen zu kontaktieren. Doch die Suche nach Unterstützung gestaltete sich schwierig. Foto: Wolfgang Runge
Wildtierhilfe im Cuxland

Im Kreis Cuxhaven kann die Suche nach Hilfe für Wildtiere zur Herausforderung werden

von Bengta Brettschneider | 25.10.2026

Eine Frau aus dem Kreis Cuxhaven fand eine verletzte Krähe und suchte vergeblich nach Hilfe. Der NABU erklärt, welche Anlaufstellen es für verletzte Wildtiere gibt, wann Menschen eingreifen sollten & warum die Versorgung am Wochenende schwierig ist.

Als Sabine Petersen (Name wurde von der Redaktion geändert. Der tatsächliche Name ist der Redaktion bekannt) Anfang August mit ihren beiden Hunden spazieren ging, entdeckten diese am Rand eines Maisfeldes eine junge Krähe. Der Vogel konnte nicht mehr fliegen, offenbar war einer seiner Flügel verletzt. Äußerlich waren keine Verletzungen zu erkennen. Petersen nahm die Krähe mit nach Hause. Doch die Suche nach Hilfe gestaltete sich schwieriger als erwartet.

Petersen brachte den Vogel zunächst in einer Transportbox unter und begann zu telefonieren. Nach eigenen Angaben kontaktierte sie rund zehn verschiedene Personen und Einrichtungen, darunter Wildtierauffangstationen, den NABU und Tierärzte. Einige meldeten sich nicht zurück, andere hatten keine Kapazitäten oder waren auf andere Tierarten spezialisiert.

Besonders enttäuscht war Petersen von einem Telefonat mit einer Tierarztpraxis. Sie habe darum gebeten, dass sich jemand den Vogel anschaue. Sie wollte wissen, ob die Krähe wieder gesund werden könne oder ob es notwendig sei, sie von ihrem Leiden zu erlösen.

Nach ihrer Schilderung erklärte eine Mitarbeiterin, dass sie den Vogel ohne die finanziellen Mittel für eine Untersuchung und Behandlung besser hätte liegen lassen sollen. Das habe Petersen fassungslos gemacht. Sie sei wütend und traurig gewesen und habe sich im Stich gelassen gefühlt. 

Dabei sei es ihr nicht darum gegangen, das Tier dauerhaft in menschlicher Obhut zu halten. Ihr Wunsch sei gewesen, dass die Krähe wieder in die Freiheit zurückkehren könne.

Für Petersen war die verletzte Krähe nicht die erste Begegnung mit einem hilfsbedürftigen Wildtier. Die Frau lebt seit rund 20 Jahren in ländlicher Umgebung im Kreis Cuxhaven. In der Vergangenheit habe sie nach eigenen Angaben bereits einen jungen Schwan über den Winter versorgt und im Frühjahr wieder ausgewildert. Auch schwer verletzte Rehe habe sie in der Umgebung entdeckt. Die Erfahrungen mit der Krähe habe sie aber nicht davon abgebracht, auch künftig zu helfen. An einem verletzten Tier einfach vorbeizugehen, komme für sie nicht infrage.

Nicht jedes Wildtier benötigt menschliche Hilfe. Besonders während der Brut- und Setzzeit sollten Jungtiere möglichst ungestört bleiben. Foto: Patrick Pleul

Täglich erreichen den NABU Anfragen

Dass Menschen regelmäßig vor solchen Situationen stehen, zeigen die Erfahrungen des NABU Cuxhaven. Nach Angaben des Vorsitzenden Karl Behn erreichen den Verband täglich Anfragen zu verletzten oder vermeintlich hilfsbedürftigen Tieren. Ein Teil der Fälle könne bereits durch Beratung geklärt werden, andere würden an geeignete Stellen vermittelt.

Anlaufstellen für unterschiedliche Wildtiere sowie für Wespen, Hornissen und andere Insekten seien unter anderem auf den Internetseiten des Landkreises, der Stadt Cuxhaven, des NABU und der Gemeinden zu finden. In dringenden Fällen könnten auch Polizei und Feuerwehr Ansprechpartner vermitteln. Behn spricht von einer guten Vernetzung zwischen Tierschutzvereinen, Tierärzten, Wildtierhilfen und Behörden.

Dass sich Finder weitgehend allein gelassen fühlten, könne er deshalb nicht nachvollziehen. Es gebe verschiedene Anlaufstellen, die allerdings auch genutzt werden müssten.

Anlaufstellen für unterschiedliche Wildtiere sowie für Wespen, Hornissen und andere Insekten seien unter anderem auf den Internetseiten des Landkreises, der Stadt Cuxhaven, des NABU und der Gemeinden zu finden. Foto: Thomas Warnack

Ganz ohne Schwierigkeiten funktioniere das System dennoch nicht. Probleme gebe es mitunter bei den Öffnungszeiten von Behörden und Auffangstationen, sagte Behn. Diese könnten nicht durchgehend besetzt sein.

Genau hier sieht Michaela Buck-Wiese vom NABU Cuxhaven Verbesserungsbedarf. Nach ihrer Einschätzung sind insbesondere die Wochenenden problematisch. Grundsätzlich seien die unteren Naturschutzbehörden der Stadt beziehungsweise des Landkreises Cuxhaven zuständig. Hilfsbedürftige Tiere könnten unter anderem zur Wildtierauffangstation nach Rastede oder zur Storchenstation nach Berne gebracht werden.

Beide Einrichtungen nähmen nach ihrer Kenntnis auch am Wochenende Tiere auf. Der Haken: Finder müssten den Transport dann unter Umständen selbst übernehmen. Von Cuxhaven aus bedeutet das eine Fahrt von jeweils rund anderthalb Stunden.

"Insbesondere für das Wochenende würde ich mir eine Art Notdienst wünschen", sagt Buck-Wiese. Ein Netzwerk von Helfern könne die Last auf mehrere Schultern verteilen. Auch der NABU selbst unterstütze im Rahmen seiner Möglichkeiten. Buck-Wiese und ihr Mann seien bereits zur Rettung einer Eule und eines Storches ausgerückt.

Nicht jedes Tier, das hilflos wirkt, benötigt menschliche Unterstützung. Eingreifen sollte man erst dann, wenn ein Wildtier tatsächlich verletzt ist. Foto: Felix Hörhager

Wann benötigt ein Wildtier überhaupt Hilfe?

Behn weist zugleich auf ein anderes Problem hin: Nicht jedes Tier, das hilflos wirkt, benötigt menschliche Unterstützung. Eingreifen sollte man erst dann, wenn ein Wildtier tatsächlich verletzt ist.

Besondere Zurückhaltung sei während der Brut- und Setzzeit notwendig. Jungtiere, die allein gefunden werden, seien nicht automatisch verlassen. Auch aus dem Nest gefallene Jungvögel würden teilweise weiterhin von ihren Eltern versorgt.

Der NABU Cuxhaven stellt deshalb auf seiner Internetseite Hinweise bereit. Während der Nestlingszeit veröffentlicht der Verband zudem eine Entscheidungshilfe, mit der Finder besser einschätzen können, ob ein Tier tatsächlich menschliche Unterstützung benötigt.

Wer ein Wildtier findet, sollte deshalb zunächst beobachten, sofern das Tier nicht offensichtlich verletzt ist oder sich in unmittelbarer Gefahr befindet. Statt sofort einzugreifen, kann zunächst fachkundiger Rat eingeholt werden.

Auch die Tierart entscheidet darüber, wer helfen kann. Nicht jede Auffangstation ist für sämtliche Wildtiere zuständig. Neben größeren Einrichtungen gibt es im Landkreis spezialisierte Hilfen. Die Igelhilfe kümmert sich beispielsweise um verletzte und hilfsbedürftige Igel. Für verletzte oder kranke Stadttauben gibt es ebenfalls Ansprechpartner.

Ein Teil dieser Arbeit wird ehrenamtlich geleistet. Nach Angaben von Buck-Wiese finanzieren sich die Wildtierauffangstation in Rastede und die Storchenstation in Berne in erster Linie über Spenden. Gleiches gelte für weitere Hilfsangebote.

Mitglieder der "Wildtieretter Sachsen-Anhalt" tragen in einem Korb ein Rehkitz an den Rand einer Wiese, um das Tier vor der Mähmaschine zu schützen. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert

Wildtier gefunden - was tun?

  1. Erst beobachten, nicht sofort eingreifen
    Nicht jedes allein sitzende Jungtier braucht Hilfe. Besonders während der Brut- und Setzzeit sollten Tiere möglichst in Ruhe gelassen werden. Viele Jungvögel werden auch außerhalb ihres Nestes weiterhin von den Eltern versorgt.
  2. Verletzungen erkennen
    Sichtbare Wunden, Blutungen, ein auffällig hängender Flügel oder deutliche Bewegungsstörungen können Hinweise auf eine Verletzung sein. Auch Tiere, die offensichtlich geschwächt sind, benötigen möglicherweise Hilfe.
  3. Nicht eigenmächtig füttern
    Wildtiere sollten nicht ohne fachkundige Anleitung gefüttert oder mit Wasser versorgt werden. Falsche Nahrung und unsachgemäße Versorgung können zusätzlichen Schaden verursachen.
  4. Fachkundige Hilfe kontaktieren
    Der NABU Cuxhaven bietet auf seiner Internetseite www.nabu-cuxhaven.de Hinweise und Entscheidungshilfen. Auch die Stadt Cuxhaven und der Landkreis informieren über zuständige Stellen. In dringenden Fällen können Polizei und Feuerwehr bei der Vermittlung geeigneter Ansprechpartner helfen.
  5. Vorsicht bei größeren Wildtieren
    Verletzte Rehe, Wildschweine oder andere wehrhafte Tiere nicht selbst einfangen. Bei Wildunfällen oder Gefahren im Straßenverkehr die Polizei verständigen.
Die Igelhilfe des Landkreises Cuxhaven kümmert sich um verletzte und schwache Igel. Foto: Bernd Weißbrod

Anlaufstellen für verletzte Wildtiere

  • NABU Cuxhaven: Informationen und Vermittlung geeigneter Hilfsangebote. Telefon: (04 72 1) 36 36 4. Internet: www.nabu-cuxhaven.de
  • Untere Naturschutzbehörden: Zuständig sind je nach Fundort die Stadt Cuxhaven, Telefon: (04 72 1) 70 07 76, oder der Landkreis Cuxhaven, Telefon: (04 72 1) 66 19 85. Internet: www.cuxhaven.de beziehungsweise www.landkreis-cuxhaven.de

  • Wildtierauffangstation Rastede: Anlaufstelle für bestimmte verletzte Wildtiere. Eine Aufnahme muss vorher telefonisch abgesprochen werden. Telefon: (04 40 2) 98 54 44 oder (01 71) 36 49 09 1. Internet: www.wildtierstation-rastede.de

  • Storchenstation Berne: Aufnahme und Versorgung geeigneter Vogelarten nach vorheriger Absprache. Telefon: (04 40 6) 18 88. Internet: www.storch-wesermarsch.de

  • Igelhilfe Landkreis Cuxhaven: Das Team um Stefie Röse kümmert sich um hilfsbedürftige Igel. Telefon: (01 60) 95 79 80 61. Internet: www.igelpflege.de

  • Stadttaubenhilfe Cuxland: Ansprechpartnerin ist Natascha Nickaes. Telefon: (01 70) 32 30 28 9. Internet: www.stadttaubenhilfe-cuxland.de. Der Verein meldet derzeit einen Aufnahmestopp und verweist bei verletzten Stadttauben an Tierärzte.

Wichtig: Vor dem Transport immer abklären, ob die jeweilige Einrichtung die Tierart aufnehmen kann. Gerade am Wochenende müssen Finder die Fahrt möglicherweise selbst organisieren.

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

(1 Stern: Nicht gut | 5 Sterne: Sehr gut)

Feedback senden

CNV-Newsletter

Wissen, was im Cuxland los ist: Alle wichtigen Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven direkt in Ihr Postfach. Hier für den CNV-Newsletter anmelden.


Top Nachrichten



Bild von Bengta Brettschneider
Bengta Brettschneider

Volontärin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

bbrettschneider@no-spamcuxonline.de

Lesen Sie auch...
Zahlreiche Einsätze

Sturm hinterlässt viele Schäden im Kreis Cuxhaven: Feuerwehren kommen kaum zur Ruhe

Wohin fließen die Einnahmen?

Hundesteuer im Kreis Cuxhaven: Warum Hundehalter bis zu dreimal so viel zahlen

Ideales Geschenk

Kreis Cuxhaven von seiner schönsten Seite: Neuer CNV-Leserkalender 2027 erhältlich

Auf der Autobahn unterwegs

A27-Kontrolle in Richtung Cuxhaven: Polizei stoppt vier von fünf Schwertransporten