Junger Erfinder (23) schafft virtuellen Helgoland-Zwilling: Was damit möglich ist
Jakob Martens' Innovationskraft bringt seine Heimatinsel Helgoland in die digitale Zukunft. Sein Projekt Helgotwin begeistert mit detailgetreuer 3D-Darstellung der Insel - und gewinnt sogar einen Award.
Dieser erst 23-Jährige erfindet Helgoland ganz neu: Jakob Martens (23) setzt mit seinem von ihm allein entwickelten Digitalisierungsprojekt "Helgotwin" Maßstäbe und sorgt dafür, dass Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Hochseeinsel auf vielfache Weise erlebbar werden. Helgotwin ist ein fotorealistischer digitaler Zwilling seiner Heimatinsel. Er wird bereits in der Praxis genutzt - und nun öffentlich gewürdigt. Der innovative junge Helgoländer hat damit vor wenigen Tagen den "1. Island Future Award" des Amtes Föhr-Amrum gewonnen.

Der Helgotwin bildet die Insel vollständig dreidimensional nach - bis ins kleinste Detail millimetergenau korrekt vermessen und fotografiert. Durch sein Modell kann man sich frei bewegen oder sogar über die Insel fliegen. Jakob Martens beschreibt das Gefühl selbst so, als säße man in einem digitalen Hubschrauber.
Naturgetreues Abbild der Wirklichkeit
Diese von ihm konstruierte virtuelle Welt ist ein naturgetreues Abbild der Wirklichkeit. Jede Laterne, jedes Haus, jede Hafenmole, jeder Felsen finden sich hier. Sogar das Wetter, Jahreszeiten oder Wolkenbildung können im Modell mit der Realität synchronisiert werden. "Wenn es auf Helgoland regnet, regnet es auch im Helgotwin. Ziehen draußen Wolken auf, zeigen sie sich kurze Zeit später auch im digitalen Himmel über der Insel. Der Sonnenstand folgt der echten Uhrzeit, der Schattenwurf verändert sich im Tagesverlauf genauso wie in der Realität.

Sogar der Leuchtturm dreht seine Lichtsignale wie sein echtes Vorbild, und je nach Jahreszeit ziehen Basstölpel über die Klippen, einmal in kleinen, einmal in großen Schwärmen, genauso wie man sie am Lummenfelsen beobachten kann", beschreibt Jakob Martens die Besonderheiten. Seinen Praxistest hat der Helgotwin längst bestanden: "Die Gemeinde nutzt ihn für Planungen, Projektsteuerer und Fachplaner arbeiten damit im Alltag. Selbst Filmproduktionen haben ihn schon verwendet, um Aufnahmen auf Helgoland vorzubereiten", verrät der findige Entwickler.

Die Insel wurde mittels moderner Drohnen- und Kameratechnik zunächst aus allen Blickwinkeln hochaufgelöst fotografiert. Hinzu kamen millimetergenaue Laserabtastungen (LiDAR-Scans). Aus diesen Daten entstand das dreidimensionale Modell.
Für die unterirdischen Bunkeranlagen nutzte er einen hochpräzisen Handscanner, den er durch die Gänge trug. "So ist zum ersten Mal ein Modell entstanden, in dem man sehen kann, wie die Bunker unter Helgoland verlaufen", so Jakob Martens nicht ohne Stolz. Dies habe er sich alles weitgehend selbst beigebracht.

Sein Modell verspricht auf vielen Ebenen vielversprechenden Mehrwert. Neben der Gegenwart lässt sich damit die Vergangenheit der Insel rekonstruieren. Jakob Martens denkt an Projekte wie historische Darstellungen. Und sogar Zukunftsvisionen können anhand des Modells durchgespielt und visualisiert werden. Die Liste der Anwendungen wächst kontinuierlich. Der Helgotwin ist aus Jakob Martens' Sicht nicht nur ein gutes Werkzeug für Helgoland, sondern ein Modell, das sich auf andere Inseln übertragen lässt.
Bei der bundesweiten Ausschreibung des "1. Future Island Award" ging es um eine praxistaugliche Digitallösung zugunsten der deutschen Inseln an Nord- und Ostsee. Der Preis wurde feierlich von Schleswig-Holsteins Digitalisierungsminister Dirk Schrödter auf der Nordseeinsel Föhr verliehen. Den Gewinn sieht Jakob Martens als "eine enorme Anerkennung für vier Jahre Arbeit". Zudem sei die Preisverleihung für ihn ein Anlass, den Helgotwin bewusst und strategisch öffentlich zu machen. Das Preisgeld in Höhe von 2500 Euro fließe direkt zurück ins Projekt, vor allem in die Erweiterung der touristischen Nutzung sowie Vorarbeiten für Folgeprojekte auf anderen Inseln, kündigt der junge Helgoländer an.

Zur Person:
- Jakob Martens ist auf Helgoland aufgewachsen und zur Schule gegangen. Nach seinem Abitur in Berlin studierte er an der XU Exponential University in Potsdam (2021 bis 2025) und schloss mit seinem Bachelor of Science in Digital Business ab.
- Er machte sich bereits als 17-jähriger Schüler 2019 unternehmerisch selbstständig. Im Januar 2025 gründete er die falmstudios GmbH und die falm Group GmbH mit Sitz auf Helgoland. 2026 folgte mit der finklab GmbH sein erstes Start-up.
- Neben dem Helgotwin entwickelt er mit halunder.ai einen Online-Übersetzer und ein digitales Wörterbuch für die bedrohte Helgoländer Sprache Halunder und realisiert Visualisierungen für die Offshore-Wind- und Energiebranche.
- Mit der finklab GmbH, die er gemeinsam mit einem Business Angel gegründet hat, entwickelt er die Ornithologie-App "fink" (helgoländisch: Vogel).